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10:50 23 Oktober 2019
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    FRB (Fast Radio Burst, schnelles Aufblitzen)

    Universum will uns nicht zerstören, das funktioniert einfach so

    © Foto : Sternwarte Puschtschino/ Andrej Kasantsew
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    Die Erde ist verwundbar genug. Im Weltraum und sogar in unserem Sonnensystem gibt es Prozesse und Objekte, die der Erde schaden können. Das sind Asteroiden, eine Sonneneruption oder die Explosion eines benachbarten Sterns. Nie sei es anders gewesen, sagte der Astronom Andrej Kasantsew im Gespräch mit Sputnik.

    Jeder, der den Sternenhimmel beobachtet, beobachtet auch das Universum. Aber können wir dahinterkommen, wie Sterne geboren werden und sterben und wann das geschieht? Das Licht eines Quasars — des hellsten Objekts im Universum – ist auf der Erde erst Milliarden Jahren nach seiner Geburt zu sehen. Informationen aus dem Weltraum erreichen uns nicht sofort, sondern nach Milliarden Jahren. Die Puschtschino-Radiosternwarte, 80 km südlich von Moskau gelegen, sammelt und wertet diese kosmischen Informationen seit mehr als 60 Jahren aus. 2017 gab es drei Forschungsgebiete, wie Andrej Kasantsew, ein Experte der Sternwarte, sagte:

    „Die erste und umfangreichste Forschung betrifft Pulsare. Unsere Sternwarte ist die einzige im Land, die die Forschung im niedrigen Frequenzbereich betreibt. (Pulsare sind „tote Sterne“, etwa 20 km groß, Neutronensterne mit extremen Magnetfeldern und extremer Materiedichte.) Bei der zweiten Forschung geht es um den interstellaren Raum, der zwischen uns, der Sonne und anderen Sternen liegt und es uns erlaubt, magnetische Stürme auf der Erde vorherzusagen. Die dritte Forschung betrifft Maser – die Sternentstehungsgebiete. Diese Prozesse sind sehr gut sichtbar und erlauben uns, unsere Theorien über die Entstehung anderer Sternsysteme, und folglich auch über die Geschichte unseres Sternsystems, zu überprüfen.“

    • Quasare (vermutete Darstellung)
      Quasare (vermutete Darstellung)
      © Foto : Sternwarte Puschtschino/ Andrej Kasantsew
    • Pulsare und Neutrenensterne  (vermutende Darstellung)
      Pulsare und Neutrenensterne (vermutende Darstellung)
      © Foto : Sternwarte Puschtschino/ Andrej Kasantsew
    • FRB (Fast Radio Burst, schnelles Aufblitzen)
      FRB (Fast Radio Burst, schnelles Aufblitzen)
      © Foto : Sternwarte Puschtschino/ Andrej Kasantsew
    • RadioAstron (Spekt-R) in der Montagehalle
      RadioAstron (Spekt-R) in der Montagehalle
      © Foto : NPO Lawotschkin
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    © Foto : Sternwarte Puschtschino/ Andrej Kasantsew
    Quasare (vermutete Darstellung)

    Die Teilnahme der Sternwarte am Projekt RadioAstron (auch Spektr-R genannt) ist sowohl wissenschaftlich als auch technisch von großer Bedeutung. Die Radiosternwarte in Puschtschino gehört zum Moskauer Astrokosmischen Zentrum beim Lebedew-Institut für Physik der Russischen Akademie der Wissenschaften. Das Zentrum hat vor fünf Jahren das Weltraum-Radioteleskop Spektr-R in die Erdumlaufbahn gebracht. Die Sternwarte empfängt seitdem auf der Erde Informationen von diesem Radioteleskop.

    „Im Orbit, der maximal die Umlaufbahn des Mondes erreicht, bewegt sich ein Weltraumteleskop mit einem Reflektordurchmesser von zehn Metern. Für die Erde ist diese Größe sehr klein. Aber das ist der größte Spiegel, den es jetzt im Weltraum gibt. Die Radioastronomen können Signale von verschiedenen Teleskopen miteinander verbinden. Je weiter sie voneinander entfernt sind, desto besser ist das Gesamtergebnis. Es gibt jedoch eine Einschränkung:  Auf der Erde ist es unmöglich, zwei Teleskope auf einer Entfernung voneinander zu platzieren, die größer ist als der Durchmesser der Erde. Das Teleskop in den Weltraum zu bringen, ist daher die einzige Option.“

    Dieses Projekt wurde bereits in der Sowjetunion entwickelt, aber nach dem Zusammenfall der Sowjetunion quasi auf Eis gelegt. Vor fünf Jahren wurde das Projekt durch die Bemühungen des Astronomen und Direktors des Astrokosmischen Zentrums, Nikolaj Kardaschow, umgesetzt. Heute erhält das Teleskop weiterhin wissenschaftliche Daten und sendet sie digital zur Erde. Das Teleskop besitzt eine einmalige Winkelauflösung.

    „Diese Winkelauflösung macht es möglich, das Zentrum einer Galaxie detailliert zu sehen. Nicht nur das Zentrum unserer, sondern auch einer anderen Galaxie. Im Idealfall zielt das Projekt darauf ab, den Schatten, eine Art Kranz, eines ‚Schwarzen Lochs‘ zu finden. Das schwarze Loch selbst ist nicht zu sehen, man sieht jedoch dessen verzerrtes Licht. Doch wir können nicht behaupten, dass wir etwas gefunden haben. Wir müssen noch eine große Menge Daten auswerten, die RadioAstron empfangen hat. Wir planen, ein weiteres Teleskop (‚Millimetron‘) mit noch größerer Winkelauflösung in den Weltraum zu bringen.“

    Die internationale Zusammenarbeit in der Astronomie sei frei von der Politik, so Andrej Kazantsew. Wissenschaftler, vor allem Astronomen, seien sich darüber völlig im Klaren, weil sie nicht an die Erdoberfläche gebunden seien. Sie sehen, wie groß das Universum ist, wie viel Platz es für jeden gibt, unabhängig von politischen oder religiösen Ansichten. Und das helfe ihnen, zusammenzuarbeiten.

    „Als die Sanktionen verhängt wurden, wurde die Übertragung der Informationen über Breitbandkanäle verboten. Die gewonnenen Daten konnten unseren Korrelator nicht erreichen. Der Direktor der Sternwarte, wo diese Daten gespeichert waren (ich will keine Namen nennen), nahm einfach die Festplatte mit diesen Daten an sich, legte sie in seinen Koffer und kam damit zu uns. Manchmal behindern Politiker einfach die Entwicklung der Wissenschaft.“

    Im Weltraum und sogar in unserem Sonnensystem gebe es Prozesse und Objekte, die der Erde Schaden zufügen können. Die Sonnenaktivität sei schon immer da gewesen, deshalb sei es seltsam, etwas, was es immer gegeben hat, eine Bedrohung zu nennen. Das wolle uns nicht zerstören, das funktioniere einfach auf diese Weise. Aber das müsse Politiker und Länder dazu anspornen, die Wissenschaft sich richtig entwickeln zu lassen, so der Wissenschaftler.

    „Nehmen wir an, es rast ein großer Asteroid vonseiten der Sonne auf uns zu, niemand wird ihn sehen, wenn wir keine guten Infrarot-Teleskope in der Umlaufbahn und keine guten Sternwarten in der ganzen Welt haben. Heute ist die Menschheit nicht in der Lage, kosmischen Bedrohungen direkt entgegenzuwirken. Selbst wenn wir einen Asteroiden sehen und berechnen, dass die Kollision in einem Monat passiert, was werden wir da tun können? Das erste, was einem einfällt, ist bombardieren. Wenn er aber eine zu große Dichte besitzt, wird dies nicht gelingen. Wenn ein Körper mit einem Durchmesser von 30 bis 500 Metern auf Sie zufliegt, bedeutet dies eine ernsthafte kinetische Energie. Ein Student an der Universität von Massachusetts hat beispielsweise vorgeschlagen, eine Seite des Asteroiden mit Farbe zu bemalen, dann würde er sich unter dem erhöhten solaren Druck drehen und könnte selbst weggezogen werden. Es gibt auch weitere Ideen, aber wir haben noch keine Gelegenheit gehabt, sie zu testen. Gott bewahre, dass sich eine solche Gelegenheit bietet, aber man muss sich auf jeden Fall darauf vorbereiten.“

    Es gibt noch ein weiteres Forschungsgebiet im Rahmen von RadioAstron, das den Astronomen zufolge vorläufig nicht auf der Ergebnisliste stehen sollte. Falls alle technischen und technologischen Probleme beseitigt sein werden, kann von einem Durchbruch die Rede sein. Es geht um die Messung der sogenannten Rotverschiebung. Kurz gesagt, die Wissenschaftler wollen sie überprüfen, um herauszufinden, ob Einstein Recht hatte.

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    Forschung, Asteroid, Teleskop, Universum, Stern, Astronomen, Forscher, Interview, Institut für Technologie Massachusetts (MIT), Russland