09:05 19 Oktober 2018
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    Fast Food wirkt wie eine Infektion und hat fatale Folgen – Neues aus der Forschung

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    Fast Food ist Lifestyle? Es wirkt im menschlichen Körper wie eine Infektion – sagen zumindest Immunologen über diese verbreitete Ernährungsweise. Und die Forscher warnen davor, dass das aktivierte Immunsystem sich schließlich auch gegen den eigenen Körper wenden kann – was sich in schlimmen Erkrankungen äußert.

    Dass Fastfood ungesund ist und zu Übergewicht führt, ist eine alte Leier. Auch dass infolge einer solchen Ernährung viele weitere Erkrankungen auftreten, hört man nicht erst seit gestern. Doch dass die westliche Ernährungsweise mit ihren vielen Fetten, Zuckern und wenigen Ballaststoffen selbst auf den menschlichen Körper wirkt wie eine Infektion, ist etwas Neues. Genau das haben nun Forscher gezeigt.

    Fast Food wirkt im Körper wie ein Krankheitserreger

    „Die Daten deuten darauf hin, dass Fastfood und ‚westliche Diät‘ eine inflammatorische Antwort, also eine Entzündungsreaktion im Körper hervorrufen können“, erklärt der Immunologe Eicke Latz, Direktor am Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn und einer der Autoren der Studie. In Experimenten hatten die Forscher Mäusen eine sogenannte „westliche Diät“ verabreicht und dann deren Blutwerte und andere Parameter gemessen. Das Ergebnis: Im Blut ließ sich ein Anstieg von diversen Immunzellen nachweisen. „Solche Veränderungen sieht man zum Beispiel auch, wenn man eine Infektion hat“, merkt der Wissenschaftler an.

    Die Skizze stellt die Aktivität des Immunsystems in Abhängigkeit von der Ernährung dar
    © Foto : Screenshot
    Die Skizze stellt die Aktivität des Immunsystems in Abhängigkeit von der Ernährung dar

    Ob dabei auch wirklich Nahrungskomponenten wie Fremdkörper von den Immunzellen angegriffen werden, wüssten die Forscher zwar nicht, aber: „Ich glaube, dass es eher eine Fehlinterpretation des Immunsystems ist. Das Immunsystem denkt, es müsste aktiviert sein und gegen Bakterien und Viren vorgehen, aber es gibt halt keine Bakterien und Viren, sodass die Zellen in verschiedene Organe ausfahren und dort aktiviert bleiben“, kommentiert der Immunologe das Resultat.

    Chronische Entzündungserkrankungen häufen sich immer mehr

    Zu diesem Bild passen die sich im Westen häufenden chronischen Entzündungserkrankungen:

    • Arteriosklerose: Bei dieser Erkrankung bilden sich Ablagerungen, sogenannte Plaques, in den Arterien. Folgen davon sind unter anderem: Herzinfarkt und Schlaganfall.
    • Typ-2-Diabetes: Früher im späten Alter auftretend und deswegen als „Altersdiabetes“ bezeichnet, sucht diese Krankheit heute einen neuen Namen, denn sie befällt zunehmend junge Menschen.
    • Gicht: Früher als die Krankheit der Reichen bekannt, die besonders viel Fleisch konsumierten, ist sie heute in der Gesellschaft angekommen, die sich diese Gepflogenheiten abgeschaut hat. Ein bis drei Prozent sind heute betroffen. Im Krankheitsverlauf lagern sich Harnsäurekristalle in Gelenken ab, was zu den charakteristischen Verkrümmungen und Schmerzen führt.
    • Alzheimer: Auch ein Zusammenhang zwischen der „westlichen Diät“ und der neurodegenerativen Erkrankung Alzheimer ist möglich. Zu dem Thema publizierten Latz und andere Autoren vor kurzem ein Paper in der renommierten Zeitschrift „Nature“.

    Ein in Dauerbereitschaft versetztes Immunsystem hat zwar auch einen Vorteil: Wenn denn die Infektion kommt, sind sofort Abwehrkräfte vor Ort. Epidemiologische Studien, so Latz, würden einen Zusammenhang zwischen bestimmter Ernährung und Infektabwehr andeuten. Es gebe schließlich auch bei Rauchern die Beobachtung, dass ihre Lungen weniger anfällig für Infektionen seien. „Das sollte aber keine Ausrede dafür sein, sich falsch zu ernähren oder zu rauchen. Ich glaube, die negativen Aspekte überwiegen da deutlich“, betont der Immunologe.

    Zu diesen negativen Folgen gehörten auch die chronischen Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem schließlich auch gegen den eigenen Körper wenden kann und an denen heutzutage immer mehr Menschen erkranken – und sterben.

    Quantitative Studien aus den USA haben sogar gezeigt, dass nach einem langen Aufwärtstrend bei der Lebenserwartung von US-Bürgern diese seit 2014 wieder im Fall begriffen ist (vergleichen Sie die Daten selbst: 2014, 2015, 2016). „Die Generation, die im Moment aufwächst, ist die erste Generation, die eine kürzere Lebenserwartung hat als die vorherige Generation“, so Latz dazu.

    Die alte Frage: Wie soll man sich jetzt ernähren?

    Wenn eine neue Melodie aufkommt in der alten Leier der Falschernährung, kommt irgendwann auch die alte Frage auf: Wie soll ich mich nun ernähren, damit das Beschriebene mich nicht trifft? Hier gilt die alte ernüchternde Weisheit: „Es gibt nicht die Standard-Diät, die gut ist“, so Latz. Es gebe nur Komponenten, die gut und solche, die weniger gut seien. Und selbst auf diese reagiere jeder Körper unterschiedlich.

    Generell lässt sich jedoch sagen: Die „westliche Diät“ mit ihrem Überschuss an Fetten und Zuckern und einem Mangel an Ballaststoffen ist definitiv nicht die erwünschte Diät. Denn Ballaststoffe wirken nachgewiesenermaßen entzündungshemmend. Also sollte der Konsument gewiss mehr von diesen Stoffen zu sich nehmen. Ansonsten heißt es aber nicht, auf Fette und Zucker zu verzichten, sondern vorerst Maß halten in dem, was man seinem Körper zuführt.

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Prof. Eicke Latz zum Nachhören:

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