14:58 19 Februar 2018
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    Modell von Ebola-Virus (Archiv)

    Ebola-Medikament in Sicht? Forscher können erstmals Vermehrung des Virus stoppen

    CC BY-SA 4.0 / Scientific Animations / A 3D medical animation still of Ebola virus
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    Forscher aus Deutschland und Dänemark konnten jüngst zum ersten Mal die Vermehrung des Ebola-Erregers in einer lebenden Zelle stoppen. Dazu benutzten sie einen Hemmstoff, der einen bestimmten Schritt in der Vermehrung des Virus unmöglich macht. Bis zum fertigen Medikament ist es aber noch ein weiter weg.

    2014: Alle Medien hatten das Ebola-Fieber und berichteten täglich von der Epidemie, der Ohnmacht der Forschung und möglichen Gefahren auch für den Westen. Seitdem die Epidemie zurückgegangen ist, ist auch das Interesse der Medien am Thema geschwunden. Das Interesse der Forschung ist aber zum Glück geblieben und hat dazu geführt, dass Forscher von der Philipps-Universität Marburg das Virus zum ersten Mal erfolgreich an seiner Vermehrung hindern konnten.

    Durch kleine Änderung kann sich Virus nicht mehr vermehren

    Was das Team rund um den Virologen und Direktor des Instituts für Virologie Stephan Becker im Labor schaffte, sei zwar von einem Medikament gegen die Virusinfektion noch weit entfernt. Aber der Stoff, den sie eingesetzt hatten, habe sich als wirksamer Hemmstoff erwiesen. Im Rahmen ihrer Erforschung der Vermehrung des Virus in lebenden Zellen hätten sie gemeinsam mit dänischen Kollegen entdeckt, dass Ebola auf das spezielle Protein Transkriptionsfaktor VP30 angewiesen ist. Das Protein muss aber vorher chemisch verändert werden, damit von der Zelle massenweise Kopien des Virus produziert werden, die dann schließlich aus der Zelle ausbrechen und neue Zellen befallen.

    Dieses Video zeigt die Vermehrung und Ausbreitung des Virus:

    Mit ihrem Hemmstoff – in der Forschung Inhibitor genannt – hätten die Forscher es geschafft, diese chemische Reaktion zu verhindern und damit die Vermehrung des Virus in der infizierten Zelle zu hemmen.

    Ebola-Vermehrung stoppen – den Rest erledigt das Immunsystem

    Der verwendete Stoff könnte sich nach Becker als antivirale Substanz eignen. Die Idee: Der Hemmstoff stoppt die Vermehrung der Viren im Körper, tötet jedoch bestehende Viren nicht aktiv. Das bleibt Aufgabe des Immunsystems. Denn das Problem an Ebola ist nicht, dass Immunzellen es nicht zerstören könnten, sondern dass es sich schneller vermehrt, als das Immunsystem es zerstören kann. Die Immunzellen kommen nicht hinterher, die Virenmenge nimmt zu, es stellen sich die typischen Krankheitssymptome ein – und oft führt diese Überlastung des Organismus zum Tod. Kommen keine weiteren Viren mehr nach, kann das Immunsystem die Viren, die sich im Körper noch aufhalten, nach und nach beseitigen.

    Die Entwicklung eines solchen Mittels befindet sich allerdings noch in einer sehr frühen Phase. Zunächst müsste der Stoff noch weiter verbessert werden, damit er in geringeren Konzentrationen schon wirkt und die Vermehrung noch spezifischer unterbindet. Dann erst geht es zu den Tierexperimenten. Hier wird auch geprüft, ob der Stoff Nebenwirkungen beim Tier hat und ob man mit dem Mittel auch die Tiere schützen kann, die in Afrika die Viren übertragen. Wenn diese Instanzen alle durchlaufen sind, geht das Mittel in die klinische Phase, in der seine Wirksamkeit auf den Menschen und die Nebenwirkungen untersucht werden. Und dann erst gibt es das Ebola-Medikament. Es ist also noch ein weiter Weg bis dahin.

    Und was macht die Impfstoff-Forschung?

    Doch Becker forscht nicht nur nach einem Hemmstoff. Auch mit Impfstoffen beschäftigt sich der Virologe. Im Gegensatz zum Hemmstoff, der bei bestehender Krankheit verabreicht wird, wird bei der Impfung das Immunsystem auf den Erreger getrimmt, bevor dieser den Körper befallen hat. Dazu verwendet man inaktivierte Viren oder Oberflächenmoleküle, die für die Viren charakteristisch sind. Erkennen Immunsysteme diese Fremdkörper nun, dann interpretieren sie das als eine Infektion und werden aktiv. Es kommt zu einer Immunantwort. Und das Faszinierende am Immunsystem ist: Es vergisst diese Erreger dann nicht, sondern bildet ein immunologisches Gedächtnis aus. Kommt es später zu einer tatsächlichen Infektion, reagiert der Körper sofort, und es kommt erst gar nicht zum Krankheitsausbruch.

    In diesem Bereich hat sich schon einiges getan. „Wir haben eine ganze Reihe von Impfstoff-Kandidaten zusammen mit Partnern entwickelt, die jetzt auf ganz verschiedenen Entwicklungsstufen sind“, bemerkt Becker. Teilweise sind die Impfstoffe in einem frühen Stadium, teilweise werden sie schon an Mäusen erprobt und teilweise auch schon in Kliniken. Auf die Frage, warum man denn so viele Stoffe brauche und nicht nur einen, antwortet der Forscher: „Bis man herausfindet, ob ein Impfstoff tatsächlich vor dem Ebola-Virus schützt – das dauert lange Zeit. Deswegen braucht es mehrere verschiedene Kandidaten, die man entwickelt, mit der Hoffnung, dass einer von diesen schließlich wirklich effizient schützt.“

    Valentin Raskatov

    Das komplette Interview mit Prof. Stephan Becker zum Nachhören:

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    Tags:
    Nebenwirkung, Krankheit, Immunsystem, Suche, Medikamente, Virus, Ebola, Westen
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