05:44 20 August 2018
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    Wollen Sie Ihre Träume selbst lenken? Schlafforscher rät von Technologien dafür ab

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    Valentin Raskatov
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    Wollen Sie Ihre Träume bewusst erleben und selbst steuern? Wollen Sie selbst im Traum noch aktiv an sich selbst arbeiten? Und würden Sie gerne jeden Morgen erholt aufwachen? Neue Technologien versprechen derzeit genau das. Der Schlafforscher Ingo Fietze vom Berliner Schlafzentrum sieht diese Technologien kritisch.

    Es gibt zurzeit immer mehr technische Hilfsmittel für den Schlaf. Kissen, die die Atmung eines menschlichen Partners simulieren und so den Einschlafprozess erleichtern. Wecker aller Art, darunter solche, die in der REM-Phase aufwecken, wenn der Schlaf am seichtesten ist. Und seit neustem auch Geräte, die für Klarträume oder luzide Träume sorgen sollen, bei denen der Träumende das Bewusstsein erlangt, dass er gerade träumt. In luziden Träumen erlangt der Träumende aber nicht nur das Bewusstsein, dass er träumt. Er kann seinen Traum dann auch aktiv lenken und gestalten. Klingt das nicht selbst wie ein Traum?

    „Luzides Träumen ist nichts anderes, als dass man aus dem Traumschlaf wach wird, realisiert, dass man wach ist, aber tatsächlich weiter seinen Traum auslebt“, erklärt Prof. Ingo Fietze, Leiter des interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité, das Phänomen. Letztlich handelt es sich aus Sicht des Mediziners um eine Form der Schlafstörung. Deswegen rät er grundsätzlich davon ab, den Schlaf durch den Einsatz solcher Technologien zu manipulieren.

    Von Berichten, die besagen, dass Klarträume für Sportübungen oder für kreative Zwecke genutzt werden können, hält Fietze nichts: „Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht bisher null Nachweise, dass das Ganze Sinn macht – weder für die Psyche noch für die Physis“, so der Forscher. Der aktuelle Stand sei ohnehin, dass der Mensch in den letzten hundert Jahren von neun Stunden Schlaf auf sieben runtergegangen und die Gesellschaft eine chronisch unausgeschlafene geworden ist.

    Deswegen warnt der Schlafmediziner vor Geräten, die luzide Träume hervorrufen sollen, wie auch vor Weckern, die in bestimmten Phasen den Träumenden wecken sollen. Besser sei es schlichtweg, so lange zu schlafen wie möglich. Denn: „Es gibt nur eine Phase, aus der man unerholt aufwacht, das ist der Tiefschlaf. Die Wahrscheinlichkeit, dass man morgens um sieben oder um acht aus einer Tiefschlafphase vom Wecker geweckt wird, ist so gering, dass es keinen Sinn macht, sich dafür jeden Morgen 20 Minuten früher wecken zu lassen“, bemerkt der Forscher dazu.

    Eine Ausnahme könnten gesunde junge Schläfer sein, die einfach nur wissen wollen, was sie träumen. Die könnten gern versuchen, luzide zu werden, bräuchten dafür aber nach Ansicht des Mediziners keine entsprechende Technologie. Es reiche schon, dass der Partner oder die Partnerin den Schlafenden in einer solchen Phase sanft anstupse – schon könne man auch in den Klartraum wechseln.

    Das komplette Interview mit Prof. Ingo Fietze zum Nachhören:

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    Medizin, Träume, Forscher, Schlaf, Wissenschaftler
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