09:06 24 Juni 2018
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    Rückenprobleme Ade? Erste Wirbelsäule aus 3D-Drucker erfolgreich implantiert

    © Foto : Klinikum Görlitz
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    Valentin Raskatov
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    In Görlitz wurde das erste 3D-gedruckte Wirbelsäulen-Implantat in Deutschland eingesetzt. Die Operation sei ohne Komplikationen verlaufen. Für die Medizin ist das jedoch erst der Anfang: In Zukunft müssen solche Implantate völlig auf den Patienten abgestimmt sein. Möglich wird das, wenn CT-Scan und 3D-Druck kombiniert werden.

    Werkzeuge, Skulpturen und ganze Häuser kann man heutzutage mit dem 3D-Drucker herstellen. Ein neuer Bereich, den sich die Drucktechnologie erobert hat, ist die Medizin. Schon seit längerem werden in Deutschland auf diese Weise Hüftprothesen hergestellt. Und in den USA träumt man gar von einem echten 3D-gedruckten Herz.

    Leichtere Operation und bessere Ausrichtung der Wirbelsäule

    Aber letzte Woche gab es eine neue Erfolgsmeldung – und zwar vom Klinikum Görlitz. Dort haben Mediziner zum ersten Mal eine Wirbelsäule aus dem 3D-Drucker erfolgreich implantiert. „Das Implantat, das wir haben, ist nicht einfach das erste 3D-gedruckte Implantat, sondern das erste funktionelle Implantat“, bemerkt Chefarzt Dr. Marcus Eif vom Klinikum Görlitz dazu, der die Operation durchführte. Funktionell heißt konkret: Das so eingepflanzte Implantat kann sich im Patienten an die Bedürfnisse der Wirbelsäule anpassen, und dadurch wird die Wirbelsäule noch besser ausgerichtet.

    Implantat
    © Foto : EIT Emerging Implant Technologies GmbH
    Implantat

    Doch da hören für den Chefarzt die Vorteile nicht auf: Das Implantat sei so geformt, dass es beim Eindringen „eine sehr schlanke Silhouette“ habe und erst später aufgeklappt wird. Daher müsse der Chirurg Wirbel und Muskulatur weniger belasten als bei einem starren Implantat. Durch die optimierte Ausrichtung der Wirbelsäule würde außerdem die Wahrscheinlichkeit gesenkt, dass die Wirbelsäule weiter degeneriert und erneute Operationen notwendig werden.

    Operation ohne Komplikationen verlaufen

    Die Operation mit dem Implantat sei „ohne jegliche Komplikationen“ verlaufen, führt der Mediziner aus. Auch die Kontrollen nach der Operation hätten gute Ergebnisse gezeigt. Der Wunsch, eine solche Operation durchzuführen, hätte schon länger bestanden, merkt Eif an. Aber erst mit der CE-Zertifizierung des Implantats wäre sie auch möglich gewesen. Letzte Woche haben die Mediziner deswegen mit dieser Form der Implantation begonnen und mittlerweile schon den dritten Patienten behandelt, „weil es einfach für den Operateur und den Patienten eine sehr günstige Symbiose ist“.

    Implantate der Zukunft werden völlig individuell sein

    In Zukunft würden die Implantate übrigens noch besser werden, betont Eif. Dann würde der Patient zunächst mit dem Computertomographen gescannt und der Drucker mit den gewonnenen Daten programmiert, sodass „ein individuelles Implantat zu einem vernünftigen Preis“ entstehen könne. Momentan gebe es zwar diverse „Einstellmöglichkeiten“, aber die Implantate kämen doch letztlich noch „von der Stange“.

    Hat die Operation durchgeführt: Chefarzt Dr. Markus Eif
    © Foto : Klinikum Görlitz
    Hat die Operation durchgeführt: Chefarzt Dr. Markus Eif

    Die aktuell in Görlitz verwendeten Implantate bestehen aus Titanstaub, der mit einem 3D-Drucker Punkt für Punkt geschmolzen wird und so nach und nach die dreidimensionale Form der Ersatzbandscheibe erhält.

    Das komplette Interview mit Dr. Eif zum Nachhören:

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    Tags:
    Titan, Krankheit, Gesundheit, Heilung, Wirbel, Forschung, Implantat, 3D-Drucker, Görlitz, Deutschland
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