07:57 20 Oktober 2018
SNA Radio
    Smartphone im Auto (Symbol)

    „Smartphone auf vier Rädern“: Vodafone treibt autonomes Fahren mit Simkarten voran

    CC0
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    9531

    Vodafone will Autos in Zukunft mit speziellen Simkarten ausstatten. So sollen die autonomen Fahrzeuge der Zukunft miteinander über Mobilfunk vernetzt und der Verkehr sicherer werden. Die Datenmengen soll das kommende 5G-Netz übertragen können. Und die Datenhoheit soll der Fahrzeuginhaber behalten.

    Während der dichte Regen auf die Scheiben klatscht und der Fahrer keine 30 Meter weit sieht, hat das Auto schon den Unfall auf der anderen Seite der Bergkuppe erkannt, um die sich die Landstraße windet. Außerdem erfährt das Fahrzeug: Ein weiteres Auto hat am Unfallort angehalten, die Polizei ist informiert, es besteht kein weiterer Hilfsbedarf. In Sekundenbruchteilen prüft das Fahrzeug, welche Route zum eingegebenen Ziel es alternativ einschlagen könnte. An einer Gabelung fährt es hinab zu einem Ort, umfährt die Unfallstelle und gelangt auf anderen Wegen ans Ziel.

    Verkehrsteilnehmer kommunizieren über Mobilfunk

    „Wir sind der Meinung, dass in Zukunft das Auto zum Smartphone auf vier Rädern wird“, sagt Tobias Krzossa, Pressesprecher von Vodafone im Bereich Internet der Dinge (IoT) und Technologie. Bei dem Mobilfunkunternehmen wird nämlich genau daran gearbeitet. Die Vision: In Zukunft ist jedes Auto mit einer IoT-Simkarte ausgestattet und empfängt aus dem Mobilnetz von unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmern wie Autos, Radfahrern, aber auch Videokameras Verkehrsinformationen in Echtzeit. Alles kommuniziert, hilft sich gegenseitig, richtet sich aneinander aus und warnt vor möglichen Gefahrensituationen. Auf diese Weise könnte das vollautonome Fahren realisiert werden, denn das Fahrzeug wüsste über das Internet der Verkehrsteilnehmer über alles Bescheid: Baustellen, Hindernisse, Unfälle, Wetterverhältnisse.

    Simkarte: kein Ersatz für bisherige Technologien

    Vodafone will damit keineswegs Sensoren, Kameras und anderer Technik an Bord der autonomen Fahrzeuge den Rang ablaufen. Es gehe um „doppelte Böden“, bemerkt Krzossa. Denn es gehe darum, die Sicherheit im Straßenverkehr so hoch wie möglich zu halten. Es sollen sich also am Ende im autonomen Fahrzeug Sensoren, Kameras, WLAN und Mobilfunk ergänzen. Bis zum Endprodukt sei es gar nicht mehr weit. Auf Testfeldern arbeite Vodafone zusammen mit Partnern der Automobilbranche und der Wissenschaften. Dort sollen Autos schon heute erfolgreich selbst fahren und miteinander über Mobilfunk kommunizieren.

    Datenmengen und Datensicherheit

    Dass das Mobilnetz die Mengen an Daten trägt und nicht etwa zusammenbricht, dafür soll die Entwicklung des LTE-Nachfolgernetztes 5G sorgen, das laut Krzossa „eine Revolution für den Mobilfunk“ wird. Nicht nur soll es viel schneller und leistungsstärker sein. Es werde auch über „neue Sicherheitsmechanismen“ verfügen, die garantieren sollen, dass in den Datenaustausch im digitalen Netz des Verkehrs nicht von Dritten böswillig eingegriffen wird.

    Aber auch sonst will Vodafone die Daten der mit den Simkarten ausgestatteten Fahrer schützen: „Wir sind der Meinung, dass die Kunden immer die Datenhoheit behalten und selbst entscheiden müssen, welche Daten sie für Dritte freigeben wollen oder nicht“, sagt Krzossa dazu.

    Das Interview mit Tobias Krzossa zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    „Im Schneckentempo“: Die Digitalisierungspläne der Großen Koalition
    3,4 Millionen Arbeitsplätze in Gefahr? Digital- und Unternehmerverbände uneins
    "Nur eine Frage der Zeit" – Cybersicherheitsexperte warnt vor digitalem 9/11
    Tags:
    Autoindustrie, Digitalisierung, Daten, Smartphones, Deutschland