06:58 24 April 2018
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    Diese Augentropfen könnten Brillen und Kontaktlinsen ersetzen

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    Auf Brille und Kontaktlinse verzichten und trotzdem nicht das Risiko einer Augenoperation eingehen? Mithilfe einer Handy-App, eines kleinen Lasers und spezieller Augentropfen soll das in Zukunft möglich sein. Die Augentropfen sind bereits erfolgreich an Schweineaugen getestet worden. Das fertige Produkt könnte in zwei Jahren auf den Markt gelangen.

    Wenn man dem Ingenieur Zeev Zalevsky von der israelischen Bar-Ilan Universität zuhört, ist die neue Technologie, die Fehlsichtigkeit kurz und unkompliziert beseitigen soll, sehr einfach: Ein Handyscan, eine Sekunde Zeit und schon hat der Laser kleine Vertiefungen in die oberste Zellschicht der Hornhaut eingebrannt. Dann nur noch die Augentropfen aufs Auge träufeln, und der Fehlsichtige sieht wieder normal – ganz gleich, ob er von Kurz-, Weit- oder Alterssichtigkeit geplagt wurde.

    Mit Nano-Partikeln gegen Sehprobleme

    Wie das funktioniert? Bestimmte Nano-Partikel, die sich in den Augentropfen befinden, lagern sich an den mittels Laser abgetragenen Stellen ab – und zwar nur da, weil sie nur dort haften können.

    „Wenn die Partikel an diese Stellen gelangen, ändern sie die Lichtbrechungseigenschaften an den betreffenden Stellen der Hornhaut, und genau das korrigiert eine bestehende Fehlsichtigkeit“, so der Ingenieur gegenüber Sputnik, der die Technologie in Zusammenarbeit mit dem Chemiker Jean-Paul Lellouche, ebenfalls von der Bar-Ilan Universität, sowie mit dem Augenarzt Dr. David Smadja vom Jerusalemer Shaare Zedek Medizinzentrum entwickelt hat. Ein diszplinübergreifendes Projekt, das gerade deswegen so gut funktioniert habe, weil jeder das nötige Wissen aus seinem Fachbereich beisteuern konnte.

    Ohne die spezielle Flüssigkeit würde die veränderte Hornhaut zwar vorübergehend dasselbe Resultat erzielen. Doch bald würde Tränenflüssigkeit die kleinen Mulden auffüllen und dadurch wieder eine verschwommene, instabile Sicht eintreten. Die Nano-Partikel dagegen verbleiben bis zu zwei Monate lang an ihren Orten. Für diese Zeit brauche der Betroffene weder Brille noch Kontaktlinsen. Nachdem die Partikel sich wieder gelöst haben, kann man den Vorgang einfach wiederholen.

    Minimaler Eingriff – biologisch verträgliche Partikel

    Angst vor einer Schädigung des Auges brauche man keine zu haben, versichert der Wissenschaftler. Im Gegensatz zu gängigen Laser-Operationen, bei denen große Hornhautschichten abgetragen werden, würde bei der neu entwickelten Technologie nur in die oberste Schichte eingegriffen. Diese regeneriert sich alle ein bis zwei Tage. Und wer sich auf Technik nicht so versteht, muss nicht unbedingt alles allein zuhause mit Handy und Laser durchführen, sondern kann auch zum Augenarzt gehen, der den Brechungsindex des Auges ermittelt und in das Programm eingibt. Mit der Dioptrienzahl legt eine spezielle Software dann das genaue Muster für den Laser fest. Dieser fährt über die oberste Zellschicht und trägt nur so viel ab wie nötig.

    Auch vor den Nano-Partikeln müsse man sich nicht fürchten: „Die Nano-Partikel selbst bestehen aus menschlichem Protein bestehen, sind also biologisch verträglich“, erklärt der Forscher und fügt hinzu: „Man kann sie sogar dazu verwenden, um zusätzlich zu der Seh-Korrektur auch Medikamente für den Patienten ins Auge einzuschleusen.“ So könnten zum Beispiel Medikamente gegen trockene Augen eingeschleust werden und dort dann länger wirken, da sie nicht sofort mit der Tränenflüssigkeit wieder fortgespült werden.

    Technologie in zwei Jahren auf dem Markt

    Bis zur Marktreife müssen noch Experimente an lebenden Tieren und in klinischen Studien am Menschen durchgeführt werden. Aber Versuche an Schweineaugen hätten jetzt schon positive Resultate gezeitigt: „Wir konnten eine Korrektur von Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit zeigen“, bemerkt Zalevksy. „Mit dem Elektronenmikroskop konnten wir auch zeigen, dass die Partikel in der Tat genau in die vorgesehenen Vertiefungen gelangten, und nur wenn sie das machten, stellte sich eine Korrektur ein.“

    Vor kurzem haben die Forscher einen Patentantrag gestellt, wollen ein Startup auf die Beine stellen und sind auf der Suche nach Fördermitteln, um aus der Technologie ein fertiges Produkt zu entwickeln. „Wir gehen davon aus, dass wir in einem Jahr die Studien am Menschen erfolgreich abgeschlossen haben werden. Und nach einem weiteren Jahr könnte das Produkt mit den nötigen Regulierungen auf den Markt kommen“, sagt Zalevsky – vorausgesetzt, die Finanzierung klappt.

    Danach befragt, ob diese Technologie auch für alle erschwinglich sein wird, antwortet der Forscher: „Die Augentropfen mit den Partikeln werden sehr günstig sein. Dasselbe Ziel verfolgen wir auch mit dem Laser-Projektor und mit der Software, die die Berechnungen vornimmt. Ich möchte keine exakten Zahlen nennen, aber es wird sich im Rahmen von wenigen Dollars bewegen und nicht von Tausenden von Dollars.“

    Valentin Raskatov

    Das Interview mit Prof. Zeev Zalevsky in voller Länge:

     

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    Nano-Partikel, Sehprobleme, Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Innovationen, Brille, Gesundheit, Krankheit, Medizin, Israel