20:20 16 Oktober 2018
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    Weide im russischen Norden (Archivbild)

    Killer-Mikroben schlummern jahrhundertelang im Permafrost - Russen in Gefahr?

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    Im Hohen Norden Russlands besteht das Risiko der Verbreitung von Anthrax, erklärte Milzbrand-Experte Leonid Marinin gegenüber Sputnik.

    Dort liegen nämlich viele Orte zur Entsorgung von Tierkadavern (Wasenplatz), wo es Anthrax-Sporen gibt. Vor zwei Jahren wurde auf der Halbinsel Jamal ein Ausbruch von Anthrax registriert, wobei ein Kind starb.

    Es stellt sich die Frage: Warum lässt sich Milzbrand nicht endgültig ausrotten?

    „Als Sporen kann Anthrax sehr lange leben – das ist die Besonderheit dieser Krankheit“, erläuterte Leonid Marinin, einer der besten Milzbrand-Experten in Russland. „Sie bleibt außerhalb eines lebenden Organismus etwa 250 Jahre aktiv. Es besteht sogar die Wahrscheinlichkeit, dass sie bis zu 1300 Jahre leben kann. Und sobald günstige Bedingungen entstehen, keimt die Spore aus und beginnt zu ‚handeln‘.“

    Tief im Boden verwandelt sich die Milzbrandbakterie in eine Spore und ruht dort, bis sie in den Organismus eines Tieres gerät. Wenn es ein Haustier ist, können auch Menschen sich anstecken. Die Krankheit entwickelt sich zwölf Tage oder sogar noch länger, bevor ihre Symptome zutage treten. In dieser Zeit könnte das infizierte Tierfleisch schon verkauft werden. Kontakte mit kranken Menschen sind weniger gefährlich, weil die Anthrax-Konzentration im Urin, im Schweiß usw. ziemlich gering ist. Vor allem verbreitet sich die Infektion durch Tierfleisch. Deshalb gilt als erste Maßnahme nach der Entdeckung eines Anthrax-Herdes das Fleischexportverbot aus dem Land, wo ein Ausbruch der Krankheit entdeckt wurde.

    Ausscheidungsprodukte der Bakterie B. anthracis sind sehr toxisch für das menschliche und tierische Nervensystem. Solange das Gift nicht ins Blut geraten ist, wird die Krankheit mit Blutserum erfolgreich behandelt. Falls die Krankheit eine weitere Phase erreicht hat, lässt sie sich schon enorm schwer ausheilen. Dann werden monoklonale Körper verwendet – besondere Proteine, die aus dem Plasma ausgesondert werden und die Immunität fördern. Sie müssen sehr gründlich gereinigt werden, um negative Nebenwirkungen möglichst zu verhindern. Zwecks Milzbrand-Prophylaxe werden Nutztiere geimpft.

    Der Stamm für Tierimpfstoffe werde vom Forschungsinstitut für Mikrobiologie beim Verteidigungsministerium in der Stadt Kirow hergestellt. Dieser Stamm sei vor etwa 60 Jahren entwickelt worden, erläuterte der Experte.

    Große Anthrax-Seuchen gab es in Russland seit mehr als 50 Jahren nicht mehr. In der ganzen Welt geht ihre Zahl seit den späten 1980er Jahren konsequent zurück. Allerdings kommen schon sporadische Ausbrüche vor: Im Jahr 2006 wurde beispielsweise in Tambow sowie auf einem Markt in Moskau verseuchtes Fleisch aus dem Gebiet Pensa entdeckt. Außerdem wurden 2010 im Gebiet Omsk, 2014 in der Teilrepublik Baschkirien und 2016 auf Jamal Milzbrand-Fälle registriert.

    Die Quelle all dieser Seuchen ist bekannt: alte Wasenplätze. Früher wurden Rinderkadaver außerhalb von Städten und Dörfern entsorgt. Inzwischen gibt es in Russland schätzungsweise 35.000 registrierte Wasenplätze. Auf ungefähr 8000 von ihnen besteht Anthrax-Gefahr.

    „Alte Wasenplätze gibt es überall: in den Gebieten Moskau, Tambow, Kaluga, Twer“, erläuterte Experte Marinin. „Die Hauptsache ist, den Zustand dieser Herde zu kontrollieren.“

    Mittel zur Milzbrandbekämpfung suchen Wissenschaftler in der ganzen Welt, aber die endgültige Ausrottung dieser Krankheit kommt vorerst nicht infrage. Die Gefahr besteht, solange es in der Welt alte Wasenplätze gibt.

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