20:59 16 Oktober 2018
SNA Radio
    Der Biohacker Rich Lee

    Der Penis der Zukunft – Biohacker packt aus

    © Foto : Rich Lee
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    14791

    Der Biohacker Rich Lee aus den USA will das Sexleben revolutionieren. Lovetron 9000 nennt sich das Gerät. Es wird über dem Penis implantiert und stimuliert in erster Linie die Partnerin beim Akt. Lee arbeitet auch an weiteren Projekten, wie etwa an einem Radarsinn für den Menschen und an radikalen gentechnischen Eingriffen am Körper.

    „Mein Körper gehört mir“ ist ein Satz, den man vor allem aus der Feminismusdebatte kennt. Er fällt gewöhnlich, wenn es um sexuelle Gewalt, Ausbeutung und Belästigung geht.

    Es gibt aber eine ganz eigene Spezies, die diesen Satz in abgewandelter Form für sich beansprucht: die Biohacker, die über ihren Körper verfügen wollen, wie es ihnen passt. Ihr Ziel: Nach dem Hackerprinzip in den Körper eingreifen, Schwächen finden, sie beheben und den Körper durch künstliche Mittel immer weiter zu finden – sowohl den menschlichen Körper wie auch andere Organismen wie etwa Pflanzen und Bakterien.

    Ihr Argument: Selbstexperimente haben in der Vergangenheit die Art Mensch in mehr als einem Fall gerettet, wenn sich Wissenschaftler etwa diverse Substanzen selbst zugeführt haben, um ihre Wirksamkeit zu beweisen.

    Einer dieser überzeugten Biohacker ist der US-Amerikaner Rich Lee aus Las Vegas. Er ist Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Cyborgasmics, das es auf einen ganz bestimmten Körperteil des Menschen abgesehen hat: den Penis. Mit dem Lovetron 9000 will Lee ein Implantat auf den Markt bringen, das den Penis in einen Vibrator verwandelt und beim Geschlechtsverkehr für eine intensivere Stimulation der Frau sorgen soll. Implantiert wird dafür ein kleiner Motor direkt oberhalb des Penis, erklärt Lee im Gespräch mit Sputnik.

    Bisher noch kein Lovetron 9000 verbaut

    Zu einer Einpflanzung des Motors sei es aber bislang noch nicht gekommen: „Ich war mehrere Male nah dran“, sagt der Biohacker. „Es gab mehrere Prototypen, aber alle Prototypen hatten irgendeinen Fehler. Oder es trat etwas auf, das die Implantation verhinderte.“ Einmal sei er kurz davor gewesen, hatte schon alles für die Operation vorbereitet, hatte in letzter Minute noch ein paar Tests durchgeführt – und da habe es eine Komplikation gegeben. „Eine Komponente im Gerät ist abgekratzt“. Rückblickend sei es aber gut gewesen, dass der Fehler vor dem Einsatz passierte, so Lee.

    Bald Teil des Liebeslebens? Das Lovetron-Implantat
    © Foto : Rich Lee
    Bald Teil des Liebeslebens? Das Lovetron-Implantat

    Viele werden nicht drauf verzichten wollen

    Trotz dieser Pannen ist der Biohacker sich sicher: Viele werden das Gerät verwenden. Die Erfahrungen werden für sich sprechen. „Für manche Leute ist der gewöhnliche Sex genug“, sagt er. „Aber ich glaube, dass Technologie uns im Großen und Ganzen verbessert. Wenn ein Paar die Option hat, normalen Sex zu haben oder Sex mit einem vibrierenden Penis, dann glaube ich, dass viele Paare die vibrierende Variante bevorzugen würden. Und manche Leute, denke ich, würden nicht mehr zurückgehen wollen zum alten Geschlechtsverkehr.“

    Auch die Bedienung klingt nutzerfreundlich: „Zum einen kann man das Gerät mit einem Magnet anschalten. Danach kann man mit dem Magnet zwischen den unterschiedlichen Vibrationsarten navigieren und das Gerät mit dem Magnet auch ausschalten“, sagt der Entwickler. Wenn das Gerät an ist, könne man außerdem auch das Smartphone verwenden, um es zu steuern und dort die Einstellungen nach Wunsch gestalten. Auch Musik könne in Form von Vibration wiedergeben werden.

    Penis-Hacking und Penis-Neustart

    Auch wenn der Penis über das Smartphone gehackt wird, hat Lee eine Lösung parat: Einfach mit dem Magnet wieder ausschalten, im abgesicherten Modus neustarten und ein Anti-Viren-Programm drüber laufen lassen. Außerdem arbeite Lees Team gegenwärtig an einer Reset-Option für besonders aufdringliche Fälle.

    Lees erklärtes Ziel war aber gar nicht das männliche Glied. Das hat sich nur unterwegs ergeben. Ursprünglich wollte er ein Gerät für den Oberkörper entwickeln, das Berührungsempfindungen ermöglicht, die ein gewöhnlicher Sterblicher sonst nicht hat: Kleine Motoren – im Bereich der Brust, der Schultern und des hinteren Rückens verbaut – sollten in Kombination mit Sensoren feinste Schwingungen von Objekten im Raum in Vibrationen im Körper übersetzen und den Menschen damit mit einem „Radarsinn“ ausstatten. Dieses Unterfangen sei aber daran gescheitert, dass die Motoren derzeit noch viel zu groß sind und im Körper nicht genug Platz finden. Deswegen sei er auf den Penis umgestiegen, in dem nur ein Motor verbaut werden muss.

    Gentherapie für alle!

    Großes Interesse hat der Biohacker auch an Genmodifikationen am Selbst. Hier gehe es um Optimierungen im Bereich der körperlichen Stärke oder des Herzens und Gefäßsystems. Lee ist auch hier an vorderster Front mit dabei: „Ich habe bereits meine eigene Gentherapie einfach bei mir zuhause entwickelt. Ich habe mir auch im Rahmen verschiedener Therapien Genmaterial gespritzt“, so der Biohacker. Zu den Ergebnissen seiner Therapien sammle er aktuell noch die Daten.

    Sieht bislang gesund aus: Biohacker und Interviewpartner Rich Lee
    © Foto : Rich Lee
    Sieht bislang gesund aus: Biohacker und Interviewpartner Rich Lee

    Er ist aber unabhängig davon begeistert von den Möglichkeiten: „Die Genschere CRISPR ist so kostengünstig. Es ist etwas, das jeder machen könnte. Ich weiß, dass das nicht in allen Ländern erhältlich ist. Deutschland hat damit insbesondere seine Probleme. Aber im Grunde ist es billig und wird sehr schwer aufzuhalten sein“, schwärmt Lee.

    Risiken und Chancen

    Allerdings warnt er auch: „Mach zuerst deine Hausaufgaben und verstehe vollständig, was du da tun willst – und die Risiken.“ Schließlich gebe es Gene, die man nicht unbedingt modifizieren möchte, weil das den sofortigen Tod zur Folge hätte. Verständnis von dem, was man tut, ist also ein Muss beim genetischen Biohacking des eigenen Körpers.

    Aber auch eine erhöhte „Risikotoleranz“, wie Lee es ausdrückt. Denn die Gefahr einer Fehlplatzierung bestehe bei diesen Experimenten, die Lee aber im Verhältnis zur Strahlenbelastung während eines Flugs als „vernachlässigbar“ gering einstuft. „Für mich sind die Risiken akzeptabel“, sagt er und fügt noch hinzu: „Es gibt auch Leute da draußen, die nicht den Luxus ausreichender Zeit haben, solche etwa, die eine Krankheit im Endstadium haben. Und da ist glaube ich das größere Risiko, einfach nichts zu tun.“

    Das komplette Interview mit Rich Lee zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Medikament oder Gift? Forscher warnen vor Einnahme dieser Medizin
    Österreich verbietet neben der Burka auch medizinischen Gesichtsschutz
    Medizinische Behandlung deutscher Rentner in Russland: Versicherer ersuchen Moskau
    Tags:
    Implantat, Penis, Gen, Sexualität, Medizin, USA