04:44 25 April 2018
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    Plasmatornado auf der Sonne (Archiv)

    „Feuertornado“ auf der Sonne? Astronomen lüften Geheimnis

    CC BY 2.0 / NASA Goddard Space Flight Center / Magnificent CME Erupts on the Sun - August 31
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    Die ungewöhnlichen Plasmatornados, die vor fünf Jahren auf der Sonne entdeckt wurden, gleichen nicht den irdischen Wirbeln – ihre ersten Bilder haben gezeigt, dass sie sich nicht drehen, sondern auf der Stelle stehen. Dies erklärten die Forscher während der Europäischen Woche der Astronomie und Weltraumwissenschaft (EWASS) im britischen Liverpool.

    Eine jede sich schnell bewegende Materie, die Licht ausstrahlt, wird verschieden aussehen – je nach dem, wohin sie sich bewegt: auf uns zu oder von uns weg. Gemäß diesem Prinzip, das von den Physikern „Dopplereffekt“ genannt wird, wird uns die Materie im ersten Fall mehr „blau“ und im zweiten mehr „rot“ erscheinen.

    Als die Forscher die Stärke des Dopplereffekts in unterschiedlichen Sonnen-„Tornados“ gemessen haben, entdeckten sie, dass sich das erhitzte Plasma dort nicht spiralartig, sondern im Kreis bewegt, wobei es in Bezug auf die Sonnenoberfläche immer auf der gleichen Höhe bleibt.

    „Wir haben herausgefunden, dass das Äußere dieser Tornados täuschend ist. In der Tat ist ihr Magnetfeld nicht vertikal gedehnt, wie wir vermutet hatten, sondern horizontal, und das Plasma bewegt sich dort in derselben Richtung. Diese Strukturen verwandelten sich auf den Bilder von SDO (Solar Dynamics Observatory) wegen der Entstellungen, die mit dem Winkel zusammenhängen, unter dem wir sie beobachten in ‚Tornados‘“, erklärte Nicholas Labross von der University Glasgow (Schottland).

    Winterabend in Peking
    © Sputnik / Maria Plotnikowa
    Eine derartige Bewegungsweise von Plasma zeugt laut den Astrophysikern davon, dass diese Strukturen ihrer Form nach nicht den Tornados, sondern eher dicken Fäden oder „Haaren“ ähnlich seien und sich ihrer Struktur nach von den üblichen Protuberanzen durch nichts unterscheiden würden.

    Die hohe Temperatur der Krone – der oberen Schicht der Sonnenatmosphäre – bleibt bis dato ein Rätsel für Astrophysiker. Die darunterliegenden Schichten der Sonne – Chromosphäre und Photosphäre — sind bis zu einer Temperatur von 10.000 Kelvin-Grad erhitzt. In der Grenzschicht zwischen der Krone und der Fotosphäre erhöht sich diese Temperatur jedoch um das Hunderttausendfache und erreicht Millionen Grad nach Kelvin.

    Eine vollständige Erläuterung dieses Phänomens, das unter den meisten Wissenschaftlern keine Zweifel weckt, existiert bislang noch nicht. Viele Astronomen vertreten die Meinung, dass sich die Atmosphäre der Sonne durch mächtige Ausbrüche von Plasma und durch Eruptionen erwärmt, die regelmäßig auf ihrer Oberfläche erfolgen, wo gerade die Protuberanzen und ihre jüngeren „Schwestern“- die Spiculen — entstehen. Dafür wurden jedoch keine eindeutigen Beweise gefunden.

    Mit anderen Worten, auf der Sonne gibt es keine Tornados und sie können auch nicht die Krone erhitzen. Das bringt die Forscher zurück zu diesem Rätsel, so Labross.

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    Tags:
    Plasma, Magnetfeld, Tornado, University of Glasgow, SDO, EWASS, Nicholas Labross, Schottland, Sonne