14:59 20 Juli 2018
SNA Radio
    Sojus-Rakete auf dem Weltraumbahnhof Bajkonur (Archivbild)

    Sowjet-Vorstoß ins All und Motive fürs Weitermachen – nun ohne Zwei-Mächte-Rivalität

    © Sputnik / Alexander Mokletsow
    Wissen
    Zum Kurzlink
    6924

    Wissenschaftliche Spitzenleistungen und politische Hintergründe haben vor genau 57 Jahren dazu beigetragen, dass die Sowjetunion den ersten bemannten Raumflug der Geschichte meistern konnte. Darauf weist Michail Marow hin, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hat die Menschheit auch heute eine Motivation für solche Durchbrüche?

    Marow sagte der Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“ im Hinblick auf den Erfolg des sowjetischen Raumfahrtprogramms: „Damals haben mehrere wichtige Momente zusammengewirkt. Beim ersten davon handelte es sich um heimische zukunftsträchtige Arbeiten im Raketenbau. Konstantin Ziolkowski, Juri Kondratjuk, Friedrich Zander hatten die Grundlagen geschaffen, auf denen dann ganze Generationen von Forschern aufgezogen wurden.“

    „Das zweite Moment war die politische Lage. Die Sowjetunion war von gegnerischen Militärbasen umgeben. Eine Antwort auf diese Bedrohungen konnte nur mit der Entwicklung ballistischer Langstreckenraketen zusammenhängen, dank denen der Durchbruch ins All umgesetzt wurde“, so Marow.

    „Das dritte Moment: An der Spitze des Projekts standen zwei große Persönlichkeiten, Sergej Koroljow und Mstislaw Keldysch. Sie waren jeweils der Hauptkonstrukteur und der Haupttheoretiker der sowjetischen Raumfahrt. Das waren Menschen nicht nur von höchster Intelligenz und Professionalität, sondern auch von phantastischen organisatorischen Fähigkeiten. Das ganze schöpferische Potenzial unseres Volkes schien sich auf sie konzentriert zu haben. Auch Juri Gagarin war ein Produkt jenes herrlichen Potenzials. Die Amerikaner haben einfach nicht erwartet, dass wir zu solch einem Vorstoß fähig sind. Das war ein anschauliches Beispiel für die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte“, betonte der Forscher.

    Er wurde gefragt, welche Motive für die Weltraumforschung es derzeit gibt, nachdem die einstige Rivalität der beiden Supermächte Vergangenheit wurde. Die Antwort lautete:

    „Der Mensch war immer bestrebt, Neues zu ergründen. Im Altertum hatte man primitive Pirogen gebaut und das Weltmeer damit durchfurcht, dann begann das Zeitalter der Entdeckungen. Auch im 21. Jahrhundert ist dieser Charakterzug nicht weg – er ist unaustilgbar. Das Streben danach, die Welt auf die ursprüngliche Art und Weise zu erkennen (also mit eigenen Augen, Ohren und Händen), wurde mittlerweile durch die beispiellose Möglichkeit ergänzt, dies mit Hilfe von unbemannten Raumflugkörpern zu tun. Der Mensch wird aber unbedingt ihnen hinterher zu anderen Planeten fliegen – zum Mars und womöglich noch weiter.“

    Mit Blick darauf, welcher Staat als Erster den Mars im Zuge einer bemannten Mission erreichen wird, prognostizierte Marow: „Ich denke, das wird eine internationale Besatzung sein – falls die Menschheit intelligent bleibt und genug Vernunft hat, um ihre Zivilisation nicht zu ruinieren.“ Einen bemannten Mars-Flug erwartet der Forscher allerdings frühestens in der zweiten Hälfte des laufenden Jahrhunderts – wegen immenser Kosten und Risiken.

    Bemannte Mond-Flüge werden sowohl von uns als auch von den Amerikanern geplant. Auch die Europäer und die Chinesen tüfteln daran. Ich habe keine Zweifel, dass gegen Ende der 2020er Jahre die ersten Mond-Basen zustande kommen und der Aufbau der Infrastruktur beginnt, die dann gegen Mitte des Jahrhunderts konkrete Umrisse annehmen soll“, so die Prognose.

    In Sachen Raumfahrt ist das postsowjetische Russland zwar laut Marow kein unbestrittener Spitzenreiter, hat aber seine Trümpfe: „Ich bewundere die Talente unserer Menschen. Ich unterrichte an der Staatsuniversität Moskau, spreche auch mit Jungen und Mädchen bei Lehrveranstaltungen für Jugendliche – und sehe, welch einen neugierigen Geist und was für ein Feuer in den Augen sie haben. Hoffentlich werden wir keine Probleme mit wissenschaftlichen und Ingenieur-Fachkräften haben. Nötig sind aber Unterstützung und Interesse des Staates.“

    Zum Thema:

    Russland und China vereinbaren gemeinsame Mond- und Weltraumforschung
    Pentagon annonciert Krieg im Weltraum
    Zum ersten Mal in der Geschichte: Badminton-Turnier im Weltraum – VIDEO
    Startzeitraum für neues russisches Weltraumobservatorium bekannt
    Tags:
    Weltraumforschung, Perspektiven, Raketenprogramm, Entwicklung, Raumfahrt, Flüge, Trägerrakete, Raketen, Weltraum, Sowjetunion, Mond, Europa, Mars, UdSSR, USA, Russland, China
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren