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    USA und Russland streiten um mondnahe Raumstation: Nasa will Spielregeln diktieren

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    Wer an einer internationalen Raumstation mit baut, muss sich den US-Standards anpassen – dies fordert Washington von seinen Partnern. Auch von Russland verlangen die USA, dass dessen Schleusenmodul für die Lunar Orbital Platform-Gateway den amerikanischen Industrienormen entspricht.

    Russland und die USA ticken auch im Erdorbit unterschiedlich. Die Systeme ihrer Raumstationen sind sich schon im Kleinsten unvereinbar: bei der Bordspannung zum Beispiel, bei der Sprache der Bediendisplays ohnehin. Beim gemeinsamen Projekt Lunar Orbital Platform-Gateway, kurz LOP-G, löst das Streit aus. Russland trägt mit einem Schleusenmodul zu dem Vorhaben bei – dieses müsse voll und ganz mit der US-Norm kompatibel sein, fordern die Amerikaner.

    „Das bedeutet, dass die Energieversorgung an Bord des Moduls, die Wärmeregulierung, alle Anschlüsse und Bedienoberflächen amerikanisch sein müssten. Im Zuge der Verhandlungen wurde jedes Mal betont, dass die Nasa bei dem Projekt führend ist und deshalb die Spielregeln diktiert“, sagte ein Insider aus der russischen Raumfahrtindustrie.

    Auch europäische Länder, Kanada und Japan sind am Projekt der neuen Raumstation beteiligt. Ihre Raumfahrtfirmen haben sich von Beginn des Projektes an auf die US-Norm eingestellt. Das russische Schleusenmodul entspricht jedoch dem eigenen, dem russischen Standard: Die Bordspannung etwa beträgt 28 Volt gegenüber 120 Volt in den US-amerikanischen Segmenten der Raumstation. Auch verwenden Russland und die USA unterschiedliche Kühl- und Wärmeaustauschflüssigkeiten. Die Anschlüsse der Bordsysteme passen auch nicht zueinander.

    Russland verweist dabei auf die Erfahrungen auf der ISS, die nach Sektionen eingeteilt ist, sodass jedes Land seine Standards beibehalten kann. Die USA sind strikt dagegen: „Noch sind wir an dem Projekt beteiligt, doch man würde uns allzu gerne loswerden“, sagt der russische Experte. Die unterschiedlichen Normen und Anschlüsse seien aber nur ein Grund dafür:

    „Bei der Produktion von Weltraumtechnik hinken wir wie üblich hinterher. Auch haben wir bis heute kein Programm zur Beteiligung am LOP-G, das die russische Regierung bestätigt hätte.“

    Die Verhandlungen zum Bau der Lunar Orbital Platform-Gateway haben 2013 begonnen. Im September 2017 unterzeichneten die USA und Russland eine Absichtserklärung über den Bau der mondnahen Raumstation Deep Space Gateway. Später erhielt das Projekt seinen jetzigen Namen.

    Demnach ist vorerst vereinbart worden, dass Russland das Schleusenmodul für die Raumstation baut, über das die Crew in den Weltraum austreten kann, um Arbeiten an der Station oder wissenschaftliche Versuche vorzunehmen. Ab 2022 soll die LOP-G gebaut werden, 2024 soll daran das russische Schleusenmodul andocken. Ob die russische Trägerrakete „Angara-A5“ oder die US-amerikanische SLS das Modul in den Erdorbit transportiert, ist noch offen. Nach Fertigstellung sollen internationale Crews in regelmäßigen Abständen auf der Raumstation arbeiten, eine Dauerbesatzung ist nicht vorgesehen.

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    Tags:
    Streit, Raumfahrt, Entwicklung, Bau, Mondstation, Angara-A5, Internationale Raumstation ISS, Deep Space Gateway, Japan, USA, Russland