11:46 25 September 2018
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    „Cane Fu“: Wie Senioren sich mit dem Gehstock wehren können

    „Cane Fu“: Wie Senioren sich mit dem Gehstock wehren können

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    Bolle Selke
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    Die Sportart „Cane Fu“ hat der Allgemeinmediziner Jan Fitzner für Senioren entwickelt. In seinen Kursen lernen ältere Menschen, sich mit dem Gehstock oder dem Schirm gegen Angreifer zu verteidigen. So können sie anschließend mit neugewonnenem Sicherheitsgefühl auf die Straße gehen.

    Natürlich ist „Cane Fu“ nur als allerletzte Maßnahme gedacht, wenn alle friedlichen Lösungsansätze, wie Wegrennen, Wertsachen herausgeben oder die Polizei rufen, versagt haben. Das betonte Jan Fitzner, Arzt aus Wendlingen bei Stuttgart, im Sputnik-Interview. Der Name sei eine Begriffsschöpfung aus Kung Fu und dem englischen Wort „cane“, das „Stock“ bedeutet.

    Wenn es aber dann um Leib und Leben gehe, lehre „Cane Fu“ Techniken, um effektiv schlagen, stoßen und stechen zu können. Ein Schlag von oben nach unten, wie man das in natürlich Manier mache, sei nämlich nicht effektiv.  

    Alte Menschen fühlen sich unsicher

    „Die Menschen sagen, sie fühlen sich unsicherer, auch wenn die Statistiken etwas anderes sagen“, hob Fitzner hervor. „Das subjektive Empfinden ist nicht, dass Deutschland sicherer ist. Die Menschen sagen: ‚Ich traue mich nicht mehr auf  die Straße und will abends nicht mehr raus. Ich gehe nicht mehr ins Kino, oder ins Theater. Ich habe Angst.‘ Das begegnet mir in den Kursen doch fast durchgehend. Wenn sie dann am Schluss von dem Kurs das spezielle Zuschlagen mit dem Stock gelernt haben, dann höre ich sehr oft Sätze wie: ‚Jetzt fühle ich mich sicherer.‘ Ob das dann tatsächlich so ist, das ist eine andere Frage.“

    Jan Fitzner
    © Foto : Privat
    Jan Fitzner

    Insofern gewinnen die Kursteilnehmer auch ein Stück Lebensqualität zurück, indem sie sich wieder heraustrauen, so der Arzt.

    Mit dem Krückstock in den Flieger

    Fitzner, selbst 63, schreibt seine Kurse für die Generationen 50plus aus. Die Teilnehmenden seien 70, 80, Jahre alt. Die älteste Teilnehmende sei sogar 92 gewesen. Wenn im Alter die Kräfte, die Schnelligkeit, die Elastizität und die Ausdauer schwinden, dann würden die Gedanken zu Ersatzlösungen oder Hilfsmitteln gehen. Hier komme dann der Gedanke an den Einsatz von Waffen ins Spiel, erläuterte Fitzner. Er selbst praktiziere seit über 31 Jahren als Hausarzt und ist mit Seniorensport, Krankengymnastik und Bewegungsübungen in Seniorenresidenzen gut vertraut.

    Die Hilfsmittel und Waffen, um die es dann gehe, müssten natürlich legal sein. „Regenschirm und Gehstock sind in jeder Situation absolut legal mitführbar.“ Obwohl er den Stock selber noch nicht brauche, geht Fitzner immer wieder mit einem spazieren – auch unter dem Aspekt, dass er dann was für den Notfall bei sich habe. Sogar ins Flugzeug habe er den Krückstock schon mitgenommen:

    „Wenn mein Krückstock in so einem Hochsicherheitsbereich wie einem Flughafen durch die Röntgenapparatur gefahren ist und ich kriege ihn anschließend wieder ausgehändigt, dann sage ich meinen Kursteilnehmern: ‚Dass sie ihre Waffe von dem Sicherheitspersonal wieder ausgehändigt bekommen, das passiert ihnen nur beim Krückstock oder beim Regenschirm. Das gibt es bei keiner anderen Waffe.‘“

    Seine „Cane Fu“-Techniken hat der Kampfsportexperte unter anderem aus philippinischen Stockkampftechniken, aus Kung Fu-Techniken und aus Bauerntechniken bezogen. Ähnliches werde also schon unterrichtet. Fitzner hat bei „Cane Fu“ alles das, was Senioren nicht können, insbesondere Würfe und Hebel, heraus genommen. So habe er die Selbstverteidigungstechnik konzipiert, damit auch jemand mit 80 Jahren, mit Arthrose oder einer Osteoporose das machen könne – nach etwas Training. Damit sind seine „Cane Fu“-Kurse in Deutschland einzigartig.

    Das komplette Interview mit Jan Fitzner zum Nachhören:

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    Tags:
    Regenschirm, Senioren, Arzt, Selbstverteidigung, Kriminalität, Sicherheit, Cane Fu, Deutschland