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    „Die gegenwärtige Technologie-Epoche geht zu Ende“: Russlands Chancen nach dem Wandel

    „Die gegenwärtige Technologie-Epoche geht zu Ende“: Russlands Chancen nach dem Wandel

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    Transistoren haben eine digitale Revolution ermöglicht – doch nun scheinen andere technologische Trends wegweisend zu werden. Diese Meinung vertritt der Mathematiker Nikolai Sujetin, Vizepräsident der russischen Stiftung Skolkowo, die sich mit neuen Technologien beschäftigt.

    Sujetin schreibt in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Iswestija“: „Was hatte den phantastischen Wandel verursacht, der sich im Leben der Menschen vor den Augen einer einzigen Generation vollzog? Diese Frage lässt sich mit einem Wort beantworten: Transistoren. Ausgerechnet deren Vervollkommnung – oder, anders gesagt, die Fortentwicklung der Halbleiter-Elektronik – eröffnete beispiellose Möglichkeiten für die Sammlung, Verarbeitung, Speicherung und Übertragung riesiger Informationsmengen. Keine andere Branche hat in den letzten 50 Jahren ein ähnliches Wachstumstempo aufgewiesen.“

    „Diesen Trend hatte Gordon Moore, Mitbegründer des Intel-Konzerns, im Jahr 1965 vorhergesagt. In einem damals veröffentlichten Artikel prognostizierte er, dass sich die Produktionskosten eines Transistors alle zwei Jahren halbieren werden, wobei sich unterdessen die Anzahl der Transistoren auf einem integrierten Schaltkreis verdoppeln soll“, erläutert Sujetin.

    Diese als Moore‘sches Gesetz bekannte Verdoppelung sei auf eine digitale Revolution hinausgelaufen. Doch mittlerweile nähere sich der Trend seinem Ende. Bei Transistoren mit einer Größe unter 20 Nanometern gebe es laut einigen Einschätzungen keinen Rückgang von Produktionskosten mehr – dies hänge mit dem Wachstum der Anzahl und Kosten technologischer Operationen zusammen, die für die Produktion erforderlich seien, hieß es.

    „Laut der Konsensmeinung von Experten wird die weitere Schrumpfung topologischer Abmessungen von Transistoren ungefähr zum Jahr 2020 sowohl auf fundamentale physikalische als auch auf wirtschaftliche Grenzen stoßen. Das bedeutet, dass die gegenwärtige Technologie-Epoche zu Ende geht und neue Entwicklungstreiber nötig sein werden“, so der Experte.

    Er sieht zwei zukunftsträchtige Entwicklungsrichtungen, um die Rechenkapazitäten weiter um Größenordnungen zu erhöhen. Bei der ersten Richtung handelt es sich laut Sujetin um neuronale Systeme, denen der Aufbau des menschlichen Gehirns als Vorbild dienen soll; die zweite Richtung wäre die Entwicklung von Quantencomputern.

    Man müsse sich auf den kommenden Wandel gefasst machen, um ein technologischer Spitzenreiter zu werden:

    „Russland hat solche Chancen. Fiel es russischen Unternehmen in Sachen Mikroelektronik schwer, den internationalen Giganten nachzueifern, so sind wir in den Bereichen wie neuronale Netze, maschinelles Lernen, künstliche Intelligenz, Robotik und Quantenrechnung durchaus konkurrenzfähig – im Hinblick auf unseren mathematischen und Software-Background.“

    Um Fortschritte zu erzielen, brauche man aber neue Innovations-Paradigmen. In den letzten drei Jahrzehnten seien Innovationen ziemlich vorhersagbar gewesen – besonders im digitalen Raum. Innovative Bemühungen hätten sich hauptsächlich auf Anwendungssoftwares für Endnutzer konzentriert, doch in nächster Zukunft seien fundamentalere Technologien anscheinend bereit, stärker ins Visier zu rücken, hieß es weiter.

    Der Experte prognostiziert: „Der Innovationsvorgang wird der technologischen Entwicklung der 1950er und 1960er Jahre wesentlich ähneln. Um Markterfolge zu erreichen, wird es für Unternehmen lebenswichtig sein, die Weiterentwicklung akademischer Forschung zu verfolgen, relevante Forschungsleistungen zu identifizieren und Zugang zu ihnen zu bekommen.“

    Tags:
    Prognose, Entwicklung, Robotertechnik, Forscher, Fortschritt, Wissenschaft, Forschung, Wissen, Innovationen, Daten, Datenbank, Elektrik, Intel, Russland
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