06:28 25 Juni 2018
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    „Im Wald, im Ozean, im Gebirge“: Auch Russen planen globales Satelliten-Internet

    „Im Wald, im Ozean, im Gebirge“: Auch Russen planen globales Satelliten-Internet

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    Den Aufbau eines globalen Internet-Satellitennetzes plant das Unternehmen Russian Space Systems, Teil der russischen Raumfahrt-Holding Roskosmos. Der Projektname ist Efir (dt. „Äther“). Andrej Tjulin, Geschäftsführer des Unternehmens, geht in einem Sputnik-Gespräch ins Detail und verrät, ob er ausländische Konkurrenz wie Starlink fürchtet.

    „Wir sind zum Schluss gelangt, dass ein globales universelles Datenübertragungssystem notwendig ist, das in der Lage wäre, mit Computern und Smartphones der Nutzer zu arbeiten, Sprachinformationen zu übertragen sowie Geräte und Sensoren in ein Netzwerk zu binden. (…) Wir haben Unterstützung großer Investoren bekommen – und das Projekt befindet sich derzeit in der Phase der Entwurfsplanung“, sagte Tjulin. Zuvor in der laufenden Woche hatte die Präsentation des Projekts stattgefunden.

    In den Gebieten, wo es weder Mobilfunk noch Kabel-Internet gibt, soll der Nutzer, wie Tjulin betonte, die Möglichkeit haben, problemlos auf eine Satellitenverbindung zuzugreifen: „Der Hauptgrundsatz ist wie folgt: Das Internet soll überall sein – im Wald, im Ozean, im Gebirge, auf Bohrinseln in der Arktis. Überall eben.“

    „Wir schlagen vor, ein System aufzubauen, das aus 288 Satelliten in 870 Kilometer Höhe bestehen soll. Die Masse eines Satelliten steht noch nicht endgültig fest – geplant ist ein Gewicht von 500 bis 900 Kilogramm. Dies wird von den Ausrüstungen abhängen, die an Bord installiert werden sollen. Um die Konfiguration genau festzulegen, wird eine Serie von Experimenten und Tests erforderlich sein, darunter auch im Orbit“, so Tjulin.

    Es gehe aber um kein reines Satellitensystem, sondern um die Einrichtung einer „hybriden Infrastruktur“. Es sei geplant, Mobilfunknetze und Kommunikationssatelliten mit einzusetzen, aber auch verschiedene Typen von Zwischensendern – von geostationären Raumflugkörpern bis hin zu atmosphärischen Elektro-Drohnen, die fähig wären, monatelang in großer Höhe zu fliegen, hieß es.

    Das System soll laut Tjulin nach 2027 zustande kommen: „Dies wird aber von der Finanzierung und vom Tempo der Umsetzung technischer Lösungen abhängen. Von seiner Architektur her ist das System sehr kompliziert. Die Satelliten an und für sich sind bei weitem nicht der problematischste Bestandteil. Es ist auch wichtig, eine bodengestützte Infrastruktur aufzubauen, eine Riesenmenge von Softwares zu entwickeln und all dies zu integrieren. Das ist eine äußerst komplizierte Aufgabe.“

    Angesprochen auf die Konkurrenz am internationalen Markt sagte Tjulin: „Zu dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme von Systemen wie Efir oder Starlink von SpaceX wird der globale Datenverkehr gigantisch sein. Das begreifen alle, deshalb arbeiten gleich mehrere Unternehmen weltweit am Aufbau solcher Kommunikationssysteme – und ihre Zahl wird zunehmen. (…) Das ist wie mit Mobilfunkanbietern – es gibt viele davon, sie konkurrieren miteinander, während der Nutzer unter ihnen wählen kann.“

    „Den Stand der Dinge betrachten wir objektiv: Es wird uns äußerst schwerfallen, auf dem globalen Markt selbständig zu kämpfen. In der ersten Etappe hoffen wir darauf, den russischen Staat als Großkunden zu gewinnen. (…) Im Weiteren planen wir, an die Märkte des Asien-Pazifik-Raums, des Nahen Ostens, Afrikas und Lateinamerikas zu kommen“, sagte der Geschäftsführer von Russian Space Systems.

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    Tags:
    Infrastruktur, Entwicklung, Mobilfunk, Internet, Satellit, Russland