15:52 10 Dezember 2018
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    Alien-Megakonstruktionen in Sicht? Astrophysiker suchen „Dyson-Sphären“

    Alien-Megakonstruktionen in Sicht? Astrophysiker suchen „Dyson-Sphären“ – EXKLUSIV

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    Valentin Raskatov
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    Gibt es da draußen außerirdische Zivilisationen, die die Nutzung von Stern-Energie so weit perfektioniert haben, dass Forscher es messen können? Mit dieser Frage haben sich Astrophysiker von der schwedischen Universität Uppsala auf die Suche nach ungewöhnlichen Sternen begeben, die von sogenannten Dyson-Sphären umgeben sind.

    Die Sonne ist die Energiequelle eines Sternsystems schlechthin. Eine Schale aus Sonnenkollektoren um eine Sonne ist der wirkungsvollste Weg, ihre Energie möglichst effizient zu nutzen. Gibt es Zivilisationen da draußen, die solche Technologien einsetzen?

    Die sogenannten Dyson-Sphären sind Konstruktionen von weit fortgeschrittenen Zivilisationen, die die Sonnenenergie möglichst effizient nutzen. Die menschliche Zivilisation hat Solarzellen entwickelt und vereinzelt an Dächern angebracht. Mittlerweile gibt es große Flächen, die von den blauen Rechtecken nur so strotzen. Vielleicht werden in Bälde ganze Wüsten von ihnen zugedeckt sein? Eines Tages möglicherweise weitere Planeten. Die Sonne liefert ununterbrochen Energie – wir müssen sie nur auffangen. Warum dann nicht gleich die Sonne mit Kollektoren umgeben und die Strahlung da abgreifen, wo sie am intensivsten ist?

    Vom Konstrukt zur Feldstudie

    Solche Gedankengänge führen zu den hypothetischen Konstrukten, die sich der Physiker und Mathematiker Freeman Dyson in den 60er Jahren ausdachte – den nach ihm benannten Dyson-Sphären. Die Hypothese ist aber nicht einfach als Randnotiz in der Wissenschaftsgeschichte untergegangen, sondern hat eine Reihe von Astrophysikern dazu bewegt, nach solchen „ungewöhnlichen“ Sternen zu suchen und das Ergebnis in einer Studie festzuhalten.

    Denn wenn das Licht eines Sterns in großen Mengen genutzt wird, dann entsteht viel Abwärme. Das Leuchtspektrum des Sterns ändert sich merkbar. So erklärt es der Astrophysiker Andreas Korn von der schwedischen Uppsala-Universität, der an der Studie beteiligt war. Ein von einer Dyson-Konstruktion eingeschlossener Stern würde entsprechend weniger helles Licht ins Weltall ausstrahlen, dafür aber mehr Licht im Infrarotbereich aufweisen. Einen solchen Stern suchten die Forscher.

    Sechs Kandidaten – kein Treffer

    Die Studie basierte auf 2016 veröffentlichten astronometrischen Entfernungsdaten, die die Raumsonde Gaia gesammelt hatte, sowie auf spektroskopischen Entfernungsdaten diverser Sternwarten. 250.000 Sterne kamen in beiden Katalogen vor. Für die Forschung hat diese hohe Zahl aber nichts zu bedeuten:

    „Die meisten dieser Objekte haben wir wegschmeißen müssen, weil die Datenqualität nicht hinreichend gut ist“, so Korn.

    Es blieben nur sechs Kandidaten für Dyson-Sterne übrig. Untersucht wurde nur einer von ihnen. Das Ergebnis: „Wir haben festgestellt, dass dieser Stern tatsächlich eine starke Diskrepanz aufweist, die aber nicht auf eine Dyson-Sphäre schließen lässt.“

    Merkwürdige Sterne

    Wann muss der Forscher ins Zweifeln geraten, ob er nicht doch eine Dyson-Konstruktion vor sich hat? Das Problem sei unter anderem, dass bislang alle punktförmigen Quellen als Einzelsterne angenommen werden, so Korn. Das treffe aber nur in 50 Prozent der Fälle zu. Häufig führen Doppelsternsysteme oder Systeme mit noch mehr Sternen zu fehlerhaften Entfernungsbestimmungen – und damit zu falschen Kandidaten für Dyson-Sterne.

    Wenn keine wissenschaftliche Hypothese einen Stern erklären kann, dann gilt es, den Stern mit höchster Aufmerksamkeit zu untersuchen und mehr über ihn zu lernen. Womöglich stößt man dabei eines Tages wirklich auf eine Zivilisation, die eine solche fortgeschrittene Technologie einsetzt. Aber auch hier gilt: Erst dann ist es wissenschaftlich, von einer solchen Schale auszugehen, wenn diese auf irgendeinem Wege nachgewiesen werden kann.

    Millionen Dyson-Kandidaten

    In einem Punkt ist sich der Spektroskopiker sicher: In der Zukunft werden noch viele Kandidaten kommen, denn die Datenmengen steigen enorm. Waren im ersten Gaia-Katalog von 2016 noch zwei Millionen Sterne enthalten, so wird der zweite Katalog über eine Milliarde Sterne umfassen.

    Wer suchet, der findet? Vielleicht. Aber darum geht es den Wissenschaftlern nicht ausschließlich, betont Korn. Es gehe auch schlichtweg darum, ungewöhnliche Sterne zu untersuchen. Damit ist jeder untersuchte Kandidat ein Erkenntnisgewinn – ob mit Alien-Zivilisation drum herum oder nicht.

    Das Interview mit Andreas Korn in voller Länge:

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    Tags:
    Universum, Leben, Meteor, Gaia, Spektralanalyse, Exobiologie, Astrophysik, Extraterrestrisches Leben, Außerirdische, Aliens, Universität Uppsala, Andreas Korn, Uppsala, Schweden