16:05 25 Juni 2018
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    Nessie-Mythos kurz vor Aufklärung? Forscher starten DNA-Analysen am Loch Ness

    Nessie-Mythos kurz vor Aufklärung? Forscher starten DNA-Analysen am Loch Ness

    CC0 / Pixabay/ Frederic_Mahe
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    Valentin Raskatov
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    Der See Loch Ness, in dem das Seeungeheuer Nessie hausen soll, wird nun von einem Wissenschaftlerteam unter die Lupe genommen – mithilfe der Erbgut-Analyse. Am Ende soll es keine Augenzeugen mehr geben: Entweder es wird eine unbekannte Art nachgewiesen oder nicht.

    Seit Jahrhunderten ranken sich Mythen um den schottischen See Loch Ness. Ein Ungeheuer mit dem Namen Nessie soll Legenden und Augenzeugen zufolge sein Unwesen in den dunklen Wassern des Sees treiben. Bis heute melden sich immer wieder Menschen zu Wort, die das Seeungeheuer gesichtet haben wollen. Kritiker hingegen bestehen darauf, dass sich die Mythen vermutlich um eine große Fischart ranken und es so etwas wie Nessie nicht gibt. Abschließend geklärt ist die Frage bisher nicht.

    Erbgut-Analyse soll Beweis liefern

    Das soll sich nun ändern – und zwar mithilfe der Wissenschaft. Das neuseeländische Wissenschaftlerteam mit dem klingenden Namen Loch Ness Hunters (zu Deutsch: Loch-Ness-Jäger) will nämlich die Nessie-Frage endgültig beantworten, indem es Proben des Gewässers untersucht. „Im Prinzip beruht die Technologie darauf, dass jedes Lebewesen DNA-Spuren hinterlässt, wo es etwa schwimmt“, erklärt Bio-Anthropologe und Teamkollege Michael Knapp die Grundlage des Projekts im Sputnik-Interview. Die Technologie trägt deswegen den Namen eDNA (environmental DNA), zu Deutsch Umwelt-Erbgut oder Umwelt-DNS.

    Die Forscher extrahieren und analysieren dabei im Labor aus Wasserproben gesammelte Erbgut-Reste und ordnen sie bekannten Tierarten zu. „Wenn in Loch Ness nun ein Seeungeheuer oder eine ganze Population solcher Ungeheuer leben würde, dann müsste im Wasser von Loch Ness DNA von solchen Seeungeheuern existieren“, schließt Knapp und fügt hinzu: „Es ist anzunehmen, dass wir da kein Seeungeheuer finden werden.“ Er selbst hält die Theorie für wahrscheinlicher, dass Nessie-Legenden von großen Fischen wie etwa Welsen oder Stören inspiriert wurden. Diese seien zwar im Loch noch nicht nachgewiesen. Mit der eDNA-Technologie wäre der Nachweis jedoch ein Leichtes.

    Projektidee war „mehr oder weniger ein Witz“

    Interviewpartner Michael Knapp
    © Foto : Christine Auste
    Interviewpartner Michael Knapp

    Eigentlich habe es sich bei dem Projekt ursprünglich um eine „Schnapsidee“ gehandelt, bemerkt der Bio-Anthropologe. Projektleiter Neil Gemmell habe den Einsatz der neuen Technologie für den Nessie-Nachweis auf Twitter „mehr oder weniger als Witz“ vorgeschlagen.

    Von dieser Scherz-Position scheint Gemmell auch weiterhin nicht abgerückt zu sein, wenn er auf Twitter erst jüngst wieder schrieb: „Wenn ich Einhörner, Meerjungfrauen oder Nessie finde, lasse ich es euch wissen.“

    Doch die „Schnapsidee“ traf auf beachtliche Resonanz. Schließlich fanden auch die Forscher, dass es „gar keine so schlechte Idee“ war.

    Loch-Ökosysteme im Visier der Wissenschaft

    „Der Aufhänger für das Projekt ist zwar Nessie, aber was wir hier durchführen, ist eine extrem umfangreiche Biodiversitätsuntersuchung im Loch Ness und auch in umliegenden Lochs“, betont Knapp. Ob Nessie nun gefunden werde oder nicht, spiele für die Wissenschaft keine bedeutende Rolle, denn in jedem Fall würden viele wertvolle Daten über die Lochs als Lebensräume für verschiedene Arten gewonnen. Bisher sind diese Ökosysteme noch nicht sehr gründlich erforscht.

    Mithilfe der neuen Technologie könnten die Forscher eine Grundübersicht über alle vorkommenden Arten erstellen. Außerdem könnten Wissenschaftler später überprüfen, ob nicht-einheimische Arten wie etwa Forellen einwandern und heimische Arten verdrängen. Das könnte alle zehn bis fünfzehn Jahre geschehen. Ein weiteres Ziel des Projekts sei es, die junge Technologie bekannter zu machen, was durch die Nessie-Ankündigung auf virale Weise gelungen ist.

    … des Rätsels Lösung folgt nächstes Jahr

    Ab Freitag wird sich das Team aus Biologen, Genetikern und Ökologen am Loch Ness aufhalten und dort an verschiedenen Stellen Wasserproben entnehmen. Die Klärung der jahrhundertealten Nessie-Frage lässt aber noch ein wenig auf sich warten: Die Ergebnisse sollen voraussichtlich erst im Januar 2019 präsentiert werden, so Knapp. Bis dahin hat Nessie in jedem Fall noch Zeit.

    Das Interview mit Michael Knapp in voller Länge:

    Tags:
    Ökologie, Analyse, DNA, Wissenschaft, Monster, Märchen, Mythen, Mythos, Ungeheuer von Loch Ness, University of Otago, Michael Knapp, Otago, Schottland, Neuseeland, Loch Ness
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