03:00 12 Dezember 2018
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    Hirnforscher bei der Arbeit (Archivbild)

    Heilmittel für Parkinson gefunden? Dieser Wirkstoff bietet neuen Therapieansatz

    © Sputnik / Witalij Ankow
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    Valentin Raskatov
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    Bei der Parkinson-Krankheit sterben Nervenzellen infolge Energie-Unterversorgung ab. Forscher aus Tübingen haben nun die Wirksamkeit eines Stoffs nachgewiesen, der exakt die Energieversorgung der Zellen wiederherstellt.

    Die Bewegungen verlangsamen sich. Die Muskeln werden steifer. Der Körper wird instabiler. Und das charakteristische Zittern tritt auf. – Das sind die Symptome der Parkinson-Erkrankung, die vor allem im Alter auftreten und mit der Zeit zunehmen.

    Als Ursache der Krankheit gilt das Absterben von Nervenzellen in der sogenannten Substantia nigra des Mittelhirns, deren Name von der charakteristischen Dunkelfärbung her rührt. Die Faktoren, die dabei zum Zellsterben führen, sind komplex. Eine einheitliche Ursache hat die Forschung dafür noch nicht formuliert. Aber sie hat einen weiteren Schritt in Richtung einer grundlegend neuen Therapie getan.

    Zelltod durch fehlerhafte „Zell-Kraftwerke“

    Dabei haben die Forscher aus Tübingen bei einem Schlüsselmerkmal der Krankheit angesetzt, der eingeschränkten Funktion der Mitochondrien, Organellen innerhalb der Zellen, die diese mit Energie versorgen:

    Mitochondrion-Diagramm
    © Foto : Public Domain
    Mitochondrion-Diagramm

    Denn die Neuronen, die den für Bewegungsabläufe wichtigen Botenstoff Dopamin erzeugen und sich vor allem im Mittelhirn befinden, sind besonders empfindlich für Energieprobleme in der Zelle. Zu solchen Ausfällen in der Energieversorgung führe oft die Mutation eines bestimmten Gens, des GBA-Gens, mit der sich die Forscher näher beschäftigt haben. Ihre erste Entdeckung: Der Gen-Defekt führt zu Fehlern in den Mitochondrien.

    Ein Stoff, der Kraftwerke „repariert“

    „Wir haben ein Therapiepotential beim Nikotinamid-Ribosid (NR) entdeckt, das zur Vitamin-B3-Familie gehört“, berichtet die Neurobiologin Michela Deleidi vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) an der Universität Tübingen gegenüber Sputnik. NR werde im Körper in Adenin-Dinucleotid (NAD+) umgewandelt, das in allen lebenden Zellen vorkommt. Dieser Stoff wiederum sei für die Funktion der Mitochondrien von großer Bedeutung. Aus der Forschung sei bekannt, dass sein Pegel beim Menschen in verschiedenem Gewebe im Alter falle. Das führe zu einer nachlassenden Tätigkeit der Mitochondrien und zu einer verringerten Energieerzeugung in den Zellen. Eine Folge davon: Zelltod im Mittelhirn und Parkinson.

    Die Forscher konnten zeigen, „dass die Nahrungsergänzung mit NR die Mitochondrienbildung und —funktion in Neuronen anregt, die sich bei Parkinsonkranken aus Stammzellen neu bilden.“ Außerdem konnten sie am Fliegenmodell demonstrieren, dass der Stoff die Nervenzellen vor der Entstehung der Parkinson-Krankheit schützt. Der Stoff könnte nach Deleidi „einen sicheren Therapieansatz“ liefern. Denn nach jüngsten Studien vertragen gesunde Personen eine Nahrungsmittelergänzung mit diesem Stoff ohne Probleme.

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    Tags:
    Parkinson-Krankheit, Neuronen, Therapie, Medizin, Heilmethode, Gehirntraining, Gehirn, Krankheit, Deutsches Forschungszentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Universität Tübingen, Bonn, Deutschland