18:46 16 Dezember 2018
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    Mai-Hitze in Berlin

    Amtlicher „Warmhinweis“! „Heißester April und Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnung“

    © AFP 2018 / Tobias Schwarz
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    Valentin Raskatov
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    Der April und Mai waren die heißesten Frühlingsmonate, seit es Wetteraufzeichnungen gibt, sagen Klimaforscher. Für den Frühsommer gibt es aber eine Entwarnung. Wahrscheinlich wird er eher mild. Dennoch gilt: Extremwetter werden sich infolge des Klimawandels immer weiter häufen – wenn nichts unternommen wird.

    War das gerade der heißeste Frühling meines Lebens? Oder lässt einfach das Gedächtnis nach? Diese Frage hat sich sicher mancher angesichts der rekordverdächtigen Temperaturen in den Monaten April und Mai gestellt. Die beruhigende Antwort von Klimaforschern lautet: Das Gedächtnis ist in Ordnung.

    Temperaturanstieg beschleunigt sich

    „Der April wie auch der Mai waren die heißesten Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Europa“, kommentiert Dr. Peter Hoffmann, Klimaforscher am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Rekordhitze der vergangenen Wochen. Die Wetterdienste erfassen Daten zum Wetter seit 1880. Bis heute konnten sie einen Temperaturanstieg von 1,4 Grad verzeichnen. Alarmierend dabei ist, dass sich die Erwärmung in den letzten Jahrzehnten beschleunigt hat und bei anhaltendem Trend das Frühjahr alle 30 Jahre um ein Grad wärmer werden wird.

    Extremwetter häufen sich

    Für den Experten steht fest: Nicht nur die Temperatur wird steigen. Es werden sich generell Wetterextreme häufen. Starke Trocken- und Hitzephasen sollen sich dabei mit starken Regenfällen abwechseln. Das liege an thermodynamischen Effekten, in deren Folge die Luft mehr Wasser aufnehmen kann, sowie an dynamischen Effekten, weil die Temperatur an verschiedenen Orten unterschiedlich schnell steige. Aus letzterem Grund würden sich die Windsysteme ändern und so zu einem längeren gleichbleibenden Witterungsverlauf führen, Trockenperioden eben oder langen Regenfällen.

    Abgezeichnet haben sich diese Wetterextreme bereits in den letzten Wochen am Norden und Süden Deutschlands. Oben herrschte Hochdruckeinfluss, und das Wetter war überwiegend trocken, im Süden kam mediterran feuchtere Luft auf und ergoss sich in heftigen, langanhaltenden Gewittern.

    Aufatmen: Der Hochsommer wird milder

    Mit April und Mai endet aber erst einmal die schreckliche Hitze, glaubt der Experte. „Die Weichen für den Sommer in Mitteleuropa werden bereits im Frühjahr gestellt“, sagt er. Es gebe Hinweise darauf, dass nach der Warmphase jetzt eine längere kühle Phase kommen würde. Der Ausblick ist allerdings aus Modellen und Statistiken abgeleitet und insofern „mit hohen Unsicherheiten verbunden“. Völlige Entwarnung gibt es vorerst – wie so oft bei Wetterphänomenen – nicht.

    Noch ist nicht alles verloren

    Der Klimaforscher betont, dass die steigende Hitze viele negative Folgen mit sich bringen wird. Dazu gehören gesundheitliche Risiken, stärkere Ausbreitung von Infektionskrankheiten, schlechtere Arbeitsproduktivität und starke lokale Unwetter. Als ein Beispiel für solche Unwetter führt er den Jahrhundertregen in Berlin 2017 an und fügt hinzu: „Wenn das jedes Jahrzehnt passiert, mag das noch gehen. Wenn das jeden Sommer die Regel sein würde, belastet es einfach die Gesellschaft.“

    Die Forscher haben auch diverse Szenarien auf dem Rechner durchgespielt: Beim „Weiter-so-Szenario“ erfolgt der Klimawandel mit allen angegebenen Folgen. Bei den Szenarien mit starkem Klimaschutz dagegen gebe es „markante Unterschiede“ im Verlauf. Noch ist nicht alles verloren, aber: „Der Schritt zu mehr Klimaschutz muss jetzt passieren.“

    Das Interview mit Dr. Peter Hoffmann in voller Länge:

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    Tags:
    Frühling, Unwetter, Wetterdienst, Rekord, Hitzewellen, Hitze, globale Erderwärmung, Erwärmung, Klimawandel, Klima, Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Arktis