16:53 26 September 2018
SNA Radio
    Mit dem Smartphone durchs Wasser: „Ocean Maps“ digitalisiert die Weltmeere

    Mit dem Smartphone durchs Wasser: „Ocean Maps“ digitalisiert die Weltmeere

    © Foto : Ocean Maps
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    3252

    Das österreichische Unternehmen Ocean Maps will das „Google Earth“ für unter Wasser werden. Dazu sammelt es von einem Boot aus Daten über Gewässer, wertet diese aus und erstellt 3D-Modelle. Was mit der Digitalisierung von Tauchplätzen begann, kann auch die Unterwasser-Bereiche von Häfen und Industrieanlagen darstellen.

    Wer hat nicht schon mal das Männchen bei „Google Maps“ fallen lassen und die Straße aus der ersten Person erkundet? Was bislang nur auf dem Land ging, will das österreichische Unternehmen Ocean Maps nun in den Tiefen der Ozeane und Meere umsetzen. Die große Vision des Unternehmens: das „Google Earth unter Wasser“ zu werden.

    Interviewpartner Thomas Nemetz
    © Foto : Thomas Nemetz
    Interviewpartner Thomas Nemetz

    „Wir haben eine eigene Technologie entwickelt, die aus drei großen Schritten besteht“, erklärt Thomas Nemetz, Geschäftsführer von Ocean Maps, im Sputnik-Interview. Im ersten Schritt wird ein Gebiet vom Boot aus mittels Sonar-Technologie vermessen. Danach wird eine „digitale Master-Landkarte“ erstellt. In einem dritten Schritt werden sogenannte „Software-Container“ generiert. „Das ist genau das Kartenformat und die zugehörige Software, mit der dann Kunden die Karten nutzen können“, fügt Nemetz hinzu.

    „Unser erstes Ziel war es, gute Karten für den Tauchsport zu machen“, erzählt Nemetz vom Anfang des Unternehmens. „Es gibt auf der Welt 20 Millionen Taucher. Aber es gibt keine guten Karten für die Tauchgebiete, obwohl das für Taucher eigentlich sehr wichtig ist, letztlich eine Frage von Leben oder Tod.“ Obwohl die Tauchgangsplanung so wichtig sei, würden Tauchkarten noch heute schnell auf einer Serviette hingekritzelt. Da sei die Idee aufgekommen, exakte und leicht verständliche Karten zu kreieren, die auf dem Smartphone oder Tablet angeschaut werden können.

    So sehen die 3D-Modelle von Ocean Maps aus

    • Ein Unterwasser-Höhlensystem in Mikronesien mit skizziertem Tauchplan.
      Ein Unterwasser-Höhlensystem in Mikronesien mit skizziertem Tauchplan.
      © Foto : Ocean Maps
    • Das sogenannte „Helmet“-Schiffswrack, dessen Name sich von den vielen Helmen an Bord herleitet – ein beliebtes Ziel für Taucher.
      Das sogenannte „Helmet“-Schiffswrack, dessen Name sich von den vielen Helmen an Bord herleitet – ein beliebtes Ziel für Taucher.
      © Foto :
    • Hier sieht man einen Tauchplan in Weiß. Außerdem sind interessante Details wie Anker und Motorraum in Rot eingezeichnet.
      Hier sieht man einen Tauchplan in Weiß. Außerdem sind interessante Details wie Anker und Motorraum in Rot eingezeichnet.
      © Foto : Ocean Maps
    • Diese Ansicht zeigt einen Höhenplan der Umgebung und des Objekts.
      Diese Ansicht zeigt einen Höhenplan der Umgebung und des Objekts.
      © Foto : Ocean Maps
    • Aktuell hat Ocean Maps diese Tauchplätze erschlossen.
      Aktuell hat Ocean Maps diese Tauchplätze erschlossen.
      © Foto : Ocean Maps
    1 / 5
    © Foto : Ocean Maps
    Ein Unterwasser-Höhlensystem in Mikronesien mit skizziertem Tauchplan.

    Aber nicht nur freie Gewässer nimmt Ocean Maps in Angriff. Auch Hafenanlagen und sogar Industrieanlagen, die gar nichts mehr mit dem Wasser zu tun haben, visualisiert das Unternehmen seit neustem. „Wir haben eine Technologie entwickelt, dass man praktisch unter Wasser vermessen und darstellen kann. Damit können wir auch Gelände, Gebäude und Maschinen sehr, sehr gut digitalisieren, in dieser ganz einfach zu verwendenden Form, nämlich im Smartphone. Und das Smartphone kann heute jeder bedienen“, so Nemetz.

    Auch Objekte auf dem Wasser wie etwa diese Erdölplattform lassen sich bei Ocean Maps visualisieren.
    © Foto : Ocean Maps
    Auch Objekte auf dem Wasser wie etwa diese Erdölplattform lassen sich bei Ocean Maps visualisieren.
    Ein weiterer Anwendungsbereich von Ocean Maps: Hafenanlagen mit Wassertiefen und Hafenstruktur.
    © Foto : Ocean Maps
    Ein weiterer Anwendungsbereich von Ocean Maps: Hafenanlagen mit Wassertiefen und Hafenstruktur.
    Völlig an Land: Ocean Maps kann mit seiner Visualisierung auch in der Industrie nützlich sein, indem es Industrieanlagen veranschaulicht.
    © Foto : Ocean Maps
    Völlig an Land: Ocean Maps kann mit seiner Visualisierung auch in der Industrie nützlich sein, indem es Industrieanlagen veranschaulicht.

    Ocean Maps finanziert sich derzeit aus Eigenkapital, aus Forschungsgeldern, die vom österreichischen Staat kommen – und immer stärker von Umsätzen. „Wir haben derzeit volle Auftragsbücher und machen gute Umsätze im Tauchsportbereich und bei den Energieversorgungsunternehmen“, sagt der Geschäftsführer des Unternehmens.

    Das Interview mit Thomas Nemetz in voller Länge:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    3D-Visualisierung, Taucher, Häfen, Ozean, Digitalisierung, Google Street View, Google Maps, Ocean Maps, Thomas Nemetz, Mittelmeer, Österreich