20:34 22 Juli 2018
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    Zwei Gehirnhälften: Warum Menschen in Ost und West unterschiedlich denken

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    Psychologen haben bei Experimenten bemerkt, dass Vertreter der östlichen und westlichen Kultur oft selbst die Fragen unterschiedlich verstehen – und darauf hundertprozentig unterschiedliche Antworten geben. Darüber schreibt das russische Online-Magazin „knife.media“ unter Berufung auf einen Beitrag des BBC-Journalisten David Robson.

    Um festzustellen, welche Denkweise bei Ihnen dominiert – die östliche oder die westliche – lassen Sie sich einfach testen:

    Menschen mit westlicher Denkart wählen die ersten zwei Wörter: Zug und Bus, die beiden sind Transportmittel. Schienen sind hier fehl am Platze. Doch Menschen mit östlicher Weltanschauung werden Zug und Schienen wählen, weil sie funktionell miteinander verbunden sind.

    Es gibt noch einen Test. Stellen Sie sich ein Bild vor, auf dem eine hochwüchsige Person einer niedrigeren Person droht. Was ist auf dem Bild passiert? 

    Vertreter der westlichen Kultur fokussieren sich auf die Figur des Großen: Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei ihm um einen Böswilligen. Schaut man sich die Situation „östlich“ an, geraten nicht die Aktionspersonen in den Vordergrund (der hochwüchsige könnte Chef oder Elternteil sein), sondern der Konflikt zwischen ihnen.

    Die Menschen mit westlicher Denkweise betrachten das Problem in Einzelteilen, im Osten wird man eher auf die Verbindungen zwischen den Elementen aufmerksam und sieht sich die Situation im Allgemeinen an, hieß es im Beitrag. Solch ein Herangehen ähnelt der Philosophie des Holismus, der Vorstellung, laut der das Ganze größer als die Summe seiner Teile ist.

    Die Forschungen zeugen davon, dass der Individualismus das Markenzeichen der westlichen Kultur ist, während die östliche Kultur gruppenorientiert ist. Wenn beispielsweise ein Amerikaner über Errungenschaften oder Leistungen spricht, wird er eher seinen Beitrag hervorheben – ein Japaner wird eher das ganze Team in den Vordergrund rücken.

    94 Prozent der US-Lehrer glauben, dass ihre beruflichen Kompetenzen überdurchschnittlich sind, hieß es im Beitrag. Die Befragten aus asiatischen Ländern würden dagegen eigene Leistungen unterschätzen.

    Donald Trump (Archivbild)
    © AP Photo / Pablo Martinez Monsivais
    Wissenschaftler von der University of Michigan haben festgestellt, dass sogar Augenbewegungen kulturelle Zugehörigkeit erraten lassen. In einem Experiment sollten die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern sich Bilder anschauen. Amerikaner betrachteten aufmerksamer das, was im Vordergrund gezeigt wurde. Asiatische Teilnehmer achteten dagegen eher auf den Hintergrund. Derselbe Trend war auch an den Zeichnungen japanischer und kanadischer Kinder zu merken.

    Die Denkweise ist jedoch nicht auf die Herkunft zurückzuführen, sondern auf die Kultur – die entscheidende Rolle spielen Bildung und Umgebung, so die Forscher. Dabei sind genaue Gründe dafür, dass im Westen mehr die Freiheit und im Osten mehr die Zugehörigkeit zu einer Gruppe geschätzt wird, unklar.

    Es gibt einen Erklärungsansatz, wonach die Wurzeln dafür in der Philosophie zu finden sind: Westliche Denker haben sich demnach für Freiheit und Unabhängigkeit eingesetzt, die östliche Tradition setzt dagegen auf die Einheit.

    Laut einer anderen Theorie hatten sich die Menschen in der Vergangenheit gegen ein gemeinsames Unglück zusammengeschlossen – wie beispielsweise Epidemien. Das soll die östliche Gesellschaft geeinigt haben. Eine weitere Hypothese basiert auf der Bedeutung von Ackerbau-Traditionen – die Reisernte fordert beispielsweise mehr Kooperation als die Aufzucht von anderen Kulturen, hieß es.

    Tags:
    Denkweise, Unterschied, Gehirn, Forschung, Osten, Westen, Europa, Asien
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