07:00 18 Juli 2018
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    Mücke (Symbolbild)

    Mückenplage in Deutschland steht bevor: Wie gefährlich ist die asiatische Tigermücke?

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    Valentin Raskatov
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    Die letzten Monate waren ungewöhnlich heiß und regenreich: Beste Bedingungen für viele Mücken, sagen die Biologen dazu. Außerdem kann man künftig im „Mückenatlas“ sehen, wo aktuell in Deutschland die Quälgeister besonders verbreitet sind.

    Oft schwimmen sie als unerwünschte Beigabe in der Regentonne oder halten sich im Uferbereich eines Sees auf. Noch sind die Mücken im Larvenstadium, aber wenn alles glattläuft, kriegen sie schon bald Flügel und stechen zu. Bei ihrer Entwicklung profitieren die Quälgeister von Feuchtigkeit und Wärme. Und da die Monate April und Mai die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnung waren und von starken Regenfällen begleitet wurden, stellt sich die Frage: Steht Deutschland eine Mückenplage bevor?

    Mückenplage ist wahrscheinlich

    „Mücken mögen es feucht und warm“, sagt Doreen Walther, Diplom-Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg gegenüber Sputnik. „Beide Bedingungen waren zum Start in den Frühling gegeben. Die Mücken hatten die Ampel auf Grün, konnten sehr gut in die Startposition kommen und haben dafür einen stabilen Grundstock gelegt, um die Sommerpopulation aufzubauen.“ Zwar könne die Wissenschaft hier ähnlich der Meteorologie keine sicheren Aussagen treffen, aber: „Wenn der Sommer feucht und warm wird, steht einer großen Mückenpopulation nichts im Wege“, so Walther. Also lieber ein Mückenspray auf Reserve kaufen und nicht erst warten, bis der Körper von Stichen übersät ist.

    Der Mückenatlas: Forschung und Trends auf einen Blick

    Auf die Frage, wo derzeit die meisten Mücken vorkommen, ist die Antwort für die Forscher nicht so leicht zu geben, denn:

    „Die wenigsten Leute wissen, dass wir noch in Deutschland endemisch Malaria hatten. Mit dem Malaria-Freispruch der Weltgesundheitsorganisation in 70er-Jahren ist die Stechmückenforschung in Deutschland aber zum Erliegen gekommen.“

    Deswegen fehle es der Forschung an fundierten Daten zu den stechenden Insekten.

    Einen Überblick will das ZALF aber in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Löffler-Institut bieten und hat dafür den „Mückenatlas“ geschaffen. Hier werden gemeldete Stechmücken dokumentiert:

    Dabei ist die Zusammenarbeit der Bürger gefragt. „Wir können mit unseren beiden Arbeitsgruppen nicht von Husum bis Berchtesgarden oder von der Eiffel bis nach Görlitz überall gleichzeitig tätig sein“, erklärt die Diplom-Biologin. Die Einsender bekommen auch eine Gegenleistung: Ihnen wird in einer Antwort mitgeteilt, um welche Art es sich handelt und was gegen diese unternommen werden kann. Das ist nicht unbedeutend, gibt es doch nach Walther in Deutschland über 50 verschiedene Stechmückenarten, darunter auch eingeführte Arten wie die Asiatische Tigermücke.

    Schreckgespenst Tigermücke ist an sich harmlos

    In den Medien sorgt die Tigermücke immer wieder für Angstmache – zumindest in den Überschriften. Schließlich kann sie etwa das Zika- oder das Dengue-Virus übertragen. Diese können beim Menschen zu Krankheiten mit zuweilen schweren Verläufen führen. Aber die Biologin gibt hier Entwarnung: „Auch wir bekommen Tigermücken zugesandt. Aber an sich sind diese nicht gefährlich.“ Denn die Stechmücke ist nur Zwischenwirt für den Krankheitserreger, den sie sich aber nur einfängt, wenn sie etwa einen infizierten Affen sticht. Da diese infizierten Tiere jedoch in Europa nicht vorkommen, können die Tigermücken auch nichts übertragen.

    Das Interview mit Doreen Walther in voller Länge:

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    Tags:
    Krankheit, Sommersaison, Zika-Virus, Malaria, Mücke, Mücken, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Doreen Walther, Deutschland
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