20:39 22 Juli 2018
SNA Radio
    Landwirtschaft in Nigeria

    Nigeria bald Afrikas Top-Produzent für Nahrung? Farmcrowdy sorgt für Investitionen

    © REUTERS / Akintunde Akinleye
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    6682

    Das nigerianische Startup-Unternehmen „Farmcrowdy“ vernetzt Investoren und Kleinbauern, sichert erstere gegen Verluste ab und bietet letzteren neben Investitionen auch Unterstützung und technisches Know-how. Mit vier Millionen US-Dollar an Investitionen in nur 18 Monaten entwickelt sich Farmcrowdy bislang vielversprechend.

    Eigentlich hat die Nigerianerin Blessing Raymond Jacob Informatik studiert. Doch im Jahr 2014 heiratet sie und bekommt in den darauffolgenden Jahren ihre ersten beiden Kinder. Da ihr Ehemann Bauer ist, beschließt auch sie 2017, Ackerwirtschaft zu betreiben. In mühevoller Arbeit gräbt sie die Erde um und pflanzt Maniok-Stecklinge ein – die „Kartoffeln der Tropen“.

    Wie vielen anderen Kleinbauern in Nigeria fehlte den Jacobs das Land und das nötige Wissen über den Ackerbau. So säten sie den Maniok auf einer kleinen Landfläche relativ dicht. Das Ergebnis waren mittelmäßige Knollen und ein geringer Ertrag.

    Doch in letzter Zeit hat sich die Lage bei den Jacobs geändert. Ihr Grundstück ist auf das Achtfache angewachsen, sie pflanzen die Stecklinge nicht mehr zu dreien, sondern einzeln in den Boden. Das Ergebnis sind kräftigere und dickere Knollen, ein höherer Ertrag, ein besseres Leben. Diese Veränderung hat ihnen und vielen weiteren Bauern in Nigeria die nigerianische Crowdfunding-Plattform Farmcrowdy ermöglicht.

    Die Idee hängt mit einem Problem in der nigerianischen Agrikultur zusammen: Die Regierung des Landes ermutigte ihre Bürger zwar, in den Bereich zu gehen und zu investieren. Aber wie findet man den richtigen Farmer, dem man vertraut, dass der die Investition auch sinnvoll einsetzt? Daher herrscht Angst vor Geldverlust, geschweige dass Gewinne erwartet werden.

    „Es gibt über 38 Millionen Farmer in Nigeria, die im kleinen Maßstab produzieren. Das sind Leute, die Farmen mit Flächen von 2,5-7,5 Morgen Land betreiben. Ihr Hauptproblem ist: Ihnen fehlen die Mittel, um ihre Wirtschaft auszubauen, damit sie den Ackerbau nicht nur zum Überleben, sondern als ein tatsächliches Geschäft betreiben. Daneben haben sie auch Probleme mit Smart-Farming-Technologien und dem Zugang zum richtigen Markt, um einen guten Gewinn zu erwirtschaften“, schildert Onyeka Akumah, Gründer von Farmcrowdy, die Problematik im Land.

    Farmcrowdy: Bauern finanzieren durch die Crowd

    Die Antwort von Farmcrowdy darauf: Schaffe eine Online-Plattform, die Kleinbauern und Sponsoren direkt verbindet und sicherstellt, dass beide Seiten von den Investitionen profitieren.

    Dafür erstellt ein Nutzer auf der Webseite ein Profil, wählt einen Ackerwirt seiner Wahl aus und unterstützt die Farm finanziell. Diese Mittel werden dann aufgewendet, um den Bauern Zugang zu besseren Ressourcen zu verschaffen und ihnen auch von Experten effizientere Anbautechniken beizubringen. Außerdem hilft Farmcrowdy den Bauern auch beim Verkauf der Produkte an Märkten. Während des Anbauzyklus‘ sendet die Einrichtung den Sponsoren Informationen zum aktuellen Stand in Form von Fotos, Texten und Videos.

    Im Falle von unvorhergesehenen Ereignissen sorgt eine Versicherung dafür, dass der Sponsor sein Geld zurückerhält. Wenn Gewinn gemacht wird, behält der Farmer 40 Prozent, der Sponsor erhält 40 Prozent, und 20 Prozent gehen an Farmcrowdy. „Die Bauern erhöhen ihre Produktion im Schnitt um 80 Prozent und steigern den Umsatz auf 120 Prozent“, beziffert Akumah die Veränderung.

    Nigeria will Top-Nahrungsproduzent werden

    „Das Ziel ist es, das Leben von 50.000 Bauern positiv zu beeinflussen und bis zum Jahr 2022 zu einem der Top fünf Nahrungsproduzenten in Afrika aufzusteigen“, schildert der Gründer die weiteren Pläne.

    Das Unternehmen will dabei insgesamt zwei Millionen Menschen weltweit dazu bewegen, an der Agrikultur aktiv mitzuwirken. Derzeit arbeitet Farmcrowdy bereits mit 7000 Bauern zusammen, 1300 Sponsoren unterstützen über die Plattform insgesamt 11.482 Farmen.

    Das Unternehmen hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und wurde unter anderem für den Nigerianischen Agrikulturpreis 2017 nominiert. Im Mai 2018 erhielt Akumah außerdem vom nigerianischen Präsidenten Muhammadu Buhari persönlich das „National Productivity Order of Merit 2018“, einen Verdienstorden für besondere Leistungen für die Ökonomie des Landes. Schließlich hat die Firma im Agrikultursektor nach eigenen Angaben in 18 Monaten Arbeit über vier Millionen Dollar an Investitionen sprichwörtlich an Land gezogen.

    Zum Thema:

    Krieg, Hunger, Flucht: „Die echten Herausforderungen liegen nicht in Europa“
    Millionen Menschen im Jemen „einen Schritt vor dem Hunger“
    Überraschung: Hungern kann schwere Krankheit heilen
    Tags:
    Smart Farming, Landwirtschaft, Farmcrowdy, Nigeria
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren