23:04 15 Juli 2018
SNA Radio
    Goldbarren (Symbolbild)

    Goldrausch im Weltall: Deutsche Industrie will im Kosmos Rohstoffe abbauen

    CC0 / pixabay/ hamiltonleen
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    121329

    Gold, Platin und seltene Erden finden sich in konzentrierter Form auf Asteroiden. Die deutsche Industrie fordert ein Gesetz für den Abbau der Stoffe im Weltall. Bis ein solcher Bergbau im Weltall sich wirklich lohnt, werden allerdings noch Jahrzehnte vergehen.

    Deutschland richtet seinen Blick zum Himmel. Aber nicht aus Gründen der Andacht, sondern weil dort oben viele Schätze über den Köpfen seiner Bürger schwirren. Wertvolle Edelmetalle wie Gold und Platin und seltene Erden fliegen in Form von Asteroiden und Kometen täglich an der Erde vorbei. Bislang ungenutzt.

    Die Bundesregierung schrieb deswegen im Koalitionsvertrag 2018:

    „Wir wollen die Beteiligung innovativer mittelständischer Unternehmen bei Luft- und Raumfahrtprojekten erhöhen. Wir werden ein Weltraumgesetz auf den Weg bringen, um Investitions- und Rechtssicherheit für nicht-staatliche Raumfahrtaktivitäten zu schaffen.“

    An dieses Versprechen hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) jüngst in einem Positionspapier erinnert. Denn die Industrie sieht im „Weltraumbergbau“ die „Rohstoffversorgung der Zukunft“. „Die Erschließung von Bodenschätzen und Ressourcen im Weltraum wird die dritte große Revolution in der Menschheitsgeschichte nach dem Beginn der Landwirtschaft und der industriellen Revolution“, findet im Einklang mit der Industrie Prof. George Sowers von der Colorado School of Mines.

    Mindestens 17.000 nutzbare Asteroiden befinden sich nach Darstellung des BDI in unmittelbarer Nähe zur Erde. Und die sind dem Verband das Positionspapier wert: „Es gibt Schätzungen, nach denen ein Asteroid mit einem Durchmesser von nur einem Kilometer ausreicht, um den Bedarf der Weltbevölkerung mit metallischen Rohstoffen über Jahrzehnte hinweg zu decken“, heißt es im Positionspapier. Allein der Wert des Asteroiden (3554)-Amun belaufe sich auf etwa 20 Billionen US-Dollar. Solche Werte wecken Begehrlichkeiten, weswegen am Dienstag im Rahmen des 6. BDI-Rohstoffkongresses auch das Thema Weltraumbergbau angesprochen wird.

    „Eine Menge Ressourcen“ über unseren Köpfen

    Was da über uns hinwegfliegt, „ist eine ganze Menge“, bestätigt auch Ekkehard Kührt, Abteilungsleiter des Instituts für Planetenforschung, Asteroiden und Kometen am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gegenüber Sputnik. Zwar verfüge die Erde über dieselben Stoffe wie die Asteroiden, doch die wertvollen Edelmetalle wie Gold und Platin sind in der flüssigen Phase der Erde vor Milliarden Jahren überwiegend ins Erdinnere gesunken. Auf der Oberfläche sind sie nur selten zu finden und zu schürfen.

    „Bei Asteroiden ist das anders. Dort sind diese Metalle auch an der Oberfläche angereichert“, hebt Kührt hervor. Außerdem gilt: „Bei vielen Asteroiden sind die Wertstoffe wie Edelmetalle und seltene Erden an der Oberfläche tausend Mal mehr angereichert als auf der Erde.“

    Seltene Erden sind dabei eine Gruppe von Metallen wie Europium und Strontium, die auf der Erde nur in geringen Mengen vorkommen und die gemeinsam mit den Edelmetallen für die Hochtechnologien notwendig sind.

    In wenigen Jahrzehnten …

    Momentan ist es aber noch günstiger, den Bergbau auf der Erde zu betreiben, bemerkt Kührt. Trotzdem ist er sich sicher: „Die Schere zwischen Kosten und Nutzen wird sich in einigen Jahrzehnten umkehren. Es wird dann attraktiv, zu Asteroiden zu fliegen und dort mit Robotern die genannten Stoffe abzubauen.“ Eine genaue Prognose kann er nicht abgeben, er rechnet mit „mehreren Jahrzehnten“. Für eine Nutzung im großen Stil muss schlichtweg die nötige Technologie entwickelt werden.

    Mit dem Weltraumgesetz stünde Deutschland nicht allein da: Im Jahr 2015 schon riefen die USA ein solches Gesetz ins Leben, und 2017 folgte auch das kleine Land Luxemburg.

    Das Interview mit Ekkehard Kührt in voller Länge:

    Zum Thema:

    Im Wettstreit um Goldreserven: Russland lässt China hinter sich
    Goldpreis-Anstieg nach „Crash“ im Juni? – Warum Aktien und Silber nicht mithalten
    Glückspilz auf südkoreanische Art: Putzmann findet Goldbarren in Mülleimer
    Tags:
    Weltraum-Bergbau, Astrophysik, Hochtechnologien, Koalitionsvertrag, Edelsteine, Bergbau, Ressourcen, Planeten, Technologien, Asteroiden, Smartphones, Platin, Gold, Mond, Forschung, Laser, Industrie, Weltraum, Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Ekkehard Kührt, Luxemburg, Berlin, Deutschland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren