23:02 15 Juli 2018
SNA Radio
    Schwimmbad

    Fußpilz, Urin, Bazillen: Was erwartet Sie wirklich im Schwimmbad?

    CC0
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Valentin Raskatov
    2303

    Wie ungesund ist Urin im Wasser? Wie schützt man sich beim Baden vor Fußpilz? Welche Gefahren birgt das Freibad im Sommer? Und wie gefährlich sind sie eigentlich? Ein Mikrobiologe beantwortet diese Fragen für Sputnik.

    Sommerzeit ist Freibadzeit. Das Freibad ist in erster Linie ein Ort zum Entspannen und Vergnügen. Doch unter der harmlos plätschernden Wasseroberfläche, hört man immer wieder, lauert eine bittere Realität: Von schwindelerregenden Urinkonzentrationen wird da gemunkelt und von Fußpilzen, die überall auf der Lauer liegen, bereit, für Rötungen und Juckreiz zu sorgen. Da bleibt man doch besser zuhause, oder?

    Quatsch, findet der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal. Obwohl er sich von Berufs wegen mit Mikroorganismen und Hygiene beschäftigt, assoziiert auch er das Schwimmbad besonders mit Sonne und Vergnügen in der Freizeit, gesteht er Sputnik gegenüber.

    Urin ist normalerweise unbedenklich

    Natürlich muss auch er bestätigen: „Dass man Urin in Schwimmbädern findet, ist kein Aberglaube. Und im Kinderbecken wird manchmal eine Konzentration erreicht, die einen stutzen lässt.“ Doch genau für solche Zwecke gibt es schließlich die Filteranlagen in den Bädern. Und auch für die Gesundheit ist das nicht wirklich ein Problem: „Aus mikrobiologischer Sicht ist Urin zunächst einmal steril“, sagt Bockmühl. Das Infektionsrisiko sie bei gesunden Menschen nicht besonders hoch. Man müsse hier den persönlichen Ekelfaktor vom tatsächlichen Risiko trennen.

    >>Andere Artikel von Valentin Raskatov: Mückenplage in Deutschland steht bevor: Wie gefährlich ist die asiatische Tigermücke?

    Gutes Abtrocknen verhindert Fußpilz

    Auch der Fußpilz ist nicht die hochaggressive Bösartigkeit, als die er gern dargestellt wird. Zwar gibt es ihn in Schwimmbädern häufig, aber zur Infektion kommt es selten. „Wenn man den gesunden Menschenverstand walten lässt und sich zum Beispiel die Füße und gerade die Zehzwischenräume abtrocknet, passiert in der Regel nichts“, so der Mikrobiologe. Denn der Fußpilz liebt die Feuchtigkeit, und die entzieht man ihm durch Abtrocknen.

    Krankheitsausbrüche sind selten

    Gelegentlich gibt es Berichte über Krankheitsausbrüchen, die in Schwimmbädern ihren Ursprung nehmen. Diese seien aber selten, betont Bockmühl. So habe es in den Jahren 2009 bis 2011 in den USA monatlich gerade einmal fünf Krankheitsausbrüche wegen Schwimmbadwasser gegeben. Im Vergleich zu Magen-Darm-Erkrankungen durch Lebensmittel sei das „verschwindend gering“. Gegen solche Bakterien und Parasiten existiert schließlich auch die Chlorierung des Wassers. Und die leistet für gewöhnlich einen guten Dienst.

    >>Andere Artikel von Valentin Raskatov: „Er sieht überall nur Tod“ – Forscher programmieren Psychopathen-Computer

    Imbissbuden kritisch prüfen

    Im Schwimmbad isst man auch gern etwas. Vor allem bei den Pommes kann man dem ohne Bedenken weiter frönen. „Das Problem tritt erst da auf, wenn wir es mit rohen tierischen Lebensmitteln zu tun haben“, so Bockmühl. Nicht richtig durchgegartes Hähnchenfleisch etwa. „Der Klassiker ist die Dönerbude, wo viel los ist und der Spieß nicht die Zeit hat, richtig durchzugaren.“ Aber auch rohe Eier, die in Mayonnaise vorkommen, können zum Problem werden. Zumindest bei frischer Mayonnaise ist das zu beachten. Die haltbaren Flaschenprodukte sind da robuster.

    Duschen reicht

    Der Zustand der Freibäder in Deutschland sei sehr gut, findet Bockmühl. Das liege an der Bäderhygieneverordnung, die genaue mikrobiologische Parameter vorschreibt, deren Einhaltung von den Behörden geprüft wird. „Das Wasser muss in deutschen Schwimmbädern fast Trinkwasserqualität haben“, so der Mikrobiologe.

    Deswegen reicht es für den Besucher, wenn er sich mit Duschgel gut abduscht, um das Chlorwasser abzuwaschen. Bei Hautproblemen, die aufgrund des Chlors auch mal auftreten können, sollte im Zweifel der Hautarzt konsultiert werden. Im Großen und Ganzen steht dem Vergnügen also fast nichts im Weg.

    >>Andere Artikel von Valentin Raskatov: „Europa ist Stückwerk“ – gesamteuropäische Volt-Partei will EU radikal reformieren

    Das komplette Interview mit Prof. Dirk Bockmühl in voller Länge:

    Zum Thema:

    Mit dem Smartphone durchs Wasser: „Ocean Maps“ digitalisiert die Weltmeere
    Mischt FPÖ im Rundfunk mit? „Massiver Eingriff in freie Meinungsäußerung“
    „Vierthäufigste Todesursache Indiens“: Dieselabgase können in Tinte verwandelt werden
    Tags:
    Bakterien, Qualität, Wasser, Gesundheit, Pilze, Mikroorganismen, Schwimmbad
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren