21:05 13 November 2018
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    Mammute (Symbolbild)

    Rückkehr des Mammuts: Welche prähistorischen Tiere könnten geklont werden?

    CC BY 4.0 / Mauricio Antón / Woolly mammoths
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    Neue Technologien zum Klonen von Lebewesen, zur DNS-Sequenzierung und zur Neuprogrammierung von Zellen machen die Wiederbelebung von ausgestorbenen Tierarten möglich. Sputniknews schildert, wie fortgeschritten die Technologien inzwischen sind, warum Mammute immer noch nicht geklont wurden und welche Tiere von Forschern wiederbelebt werden könnten.

    Nach dem Tod des letzten Weißen Nashorn-Männchens namens Sudan im März verkündeten Experten, diese Rasse würde in absehbarer Zeit endgültig aussterben – weil es auf der Welt nur noch zwei Weibchen gebe. Vor einigen Tagen verlautete jedoch die erfreuliche Nachricht: Die Population der Breitmaulnashörner könnte doch noch gerettet werden. Mithilfe neuester Reproduktionstechnologien haben europäische Forscher ein „Hybrid-Embryo“ kreiert. Dafür wurden vor drei Jahren bei Sudan entnommene Spermien mit Eizellen seiner afrikanischen „Verwandten“ verschmolzen.

    Jetzt wollen die Forscher die Eizellen der beiden lebenden Weibchen befruchten und damit reinrassige Embryos erhalten. Voraussichtlich werden diese von Ammentieren aus der südafrikanischen Population der Breitmaulnashörner ausgetragen, die damit die nördliche Population wiederbeleben könnten.

    Was fehlt für erfolgreiches Klonen?

    Aber so schnell können ausgestorbene Tierarten nicht zurück gebracht werden. Das Klonen nach der klassischen Technologie, bei der der Kern einer lebenden Zelle in die Eizelle eingebaut wird, ist unmöglich. Denn in den weichen Geweben der Mammute, die beispielsweise in Jakutien (Russland) vorgefunden wurden, sind solche Zellen nicht vorhanden. Selbst unter den idealen Bedingungen des Permafrostbodens konnten diese Zellen nicht konserviert werden.

    Experten zufolge geht die Hälfte der Verbindungen zwischen den Stickstoffbasen der DNS eines Tieres schon nach 158.000 Jahren nach seinem Tod verloren. Deshalb ist beispielsweise das Klonen vieler Dinosaurierarten nicht mehr möglich, die vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben sind. Ihre DNS ist zerstört und die aus den Knochen der Tyrannosaurier und Branchiosaurier genommenen und teilweise sogar dechiffrierten Eiweiße sind für das Klonen der prähistorischen Giganten nicht geeignet.

    Jedoch werden manchmal in eingefrorenen Geweben doch noch einzelne vollständige Zellkerne entdeckt, die aber beim Auftauen der Überreste der prähistorischen Tiere verschwinden. Bis dato haben die Forscher noch keinen Weg gefunden, um die Zellstruktur bei diesem Prozess aufrechterhalten zu können.

    Neue Technologien und prähistorische Giganten

    Dennoch wird schon über die Perspektiven der Wiederbelebung der Wollhaarmammute diskutiert. Paläontologen entdeckten mehrmals unbeschädigte weiche Gewebe dieser Rasse. Es wurde sogar behauptet, Blut eines Weibchens dieser Art wäre entdeckt worden. Später stellte sich dieses jedoch als Gewebsflüssigkeit heraus.

    2011 konnten Forscher von der University Pennsylvania die DNS des Mammuts zu 70 Prozent rekonstruieren. 2015 übertrugen ihre Kollegen von der University Harvard 14 Gene dieser Tierart in die Zelle des asiatischen Elefanten. Dank der Technologie CRISPR/CAS könnten die Forscher die Gene in das Genom der Hautzellen des Elefanten transplantieren, die für die kleinen Ohren, die dicke Schicht des Unterhautfetts und für das lange Fell verantwortlich sind.

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    Viele Experten sind eher skeptisch – es würde kein richtiges Mammut wiederentstehen, sondern eine Art Hybrid (Elefanten und prähistorische Mammute sind nur entfernte Verwandte). Solche Hybriden sind normalerweise lebensunfähig. Bekannt ist nur ein Experiment dieser Art: In einem Zoo in Chester kam 1978 ein Junges einer asiatischen Elefantin und eines afrikanischen Elefanten zur Welt, das nur zwölf Tage lebte.

    Prähistorische Höhlenlöwen

    Der Höhlenlöwe (Panthera leo spelaea) hat voraussichtlich bessere Chancen. Falls seine DNS rekonstruiert werden kann, würden Forscher versuchen, sie in das Genom des modernen und mit der prähistorischen Höhlenkatze relativ nah verwandten Löwen zu integrieren. Laut jüngsten Angaben könnten Höhlenlöwen eine Unterart moderner Löwen (Panthera leo) gewesen sein.

    Biostoffe für die DNS-Rekonstruktion der prähistorischen Katze gibt es reichlich. In Jakutien wurden 2015 und 2017 drei Höhlenlöwen entdeckt, deren Körper vollständig erhalten geblieben waren. Die bisherigen Experimente blieben allerdings erfolglos.

    Ob ausgestorbene Vögel wieder fliegen könnten?

    Der Evolutionsbiologe und Umweltexperte Ben Novak von der unabhängigen Forschungsorganisation Revive & Restore hat vor, bis 2025 der ausgestorbenen Wandertaube (Ectopistes migratorius) ein zweites Leben zu schenken. Der letzte Vogel dieser Rasse, die es bereits zu Zeiten der Mammute gegeben hatte, starb 1914.

    Biologen vom Labor für Paläogenomik der University of California, Santa Cruz, mit denen die Organisation Revive & Restore kooperiert, haben die Kern-DNS der Wandertaube und die mitochondriale DNA ausgesondert und teilweise dechiffriert. Somit hat Novak nach seinen Worten Stoffe, mit denen er sich eben befasst.

    An der Rekonstruktion und Entzifferung der DNS des im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Dodo-Vogels (Raphus cucullatus) arbeitet ein internationales Expertenteam mit Professorin Beth Shapiro von der Universität Oxford an der Spitze. Die Forscher konnten bisher die DNS teilweise wiederherstellen und mit der DNS der mit dieser Rasse verwandten Kragentaube (Caloenas nicobarica) vergleichen.

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    Jedoch sind die Dechiffrierung eines Genoms und die Entdeckung vollständiger Kerne mit nicht zerstörten Chromosomen zwei verschiedene Dinge. Deshalb haben ziemlich viele Spezialisten eher Zweifel an einer möglichen Wiederbelebung der ausgestorbenen Tierarten. Außerdem wäre die Aufrechterhaltung von wieder ins Leben gerufenen Populationen in der wilden Natur kostspielig. Experten der Universität Ontario warnen zudem, dass die Entscheidung zur Wiedergeburt der Mammute und anderer prähistorischen Tierarten für viele momentan aussterbende Rassen wegen des Mangels an Ressourcen für die Umweltkonservierung fatal wäre.

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    Tags:
    Forschung, Klonen, DNS, Zellen, Technologien, Tiere, Russland