23:22 18 November 2018
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    Fadenwürmer

    Nach über 40.000 Jahren: Russische Forscher erwecken uralte Würmer wieder zum Leben

    © Foto: Agricultural Research Service
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    Nach über 40.000 Jahren sind zwei Fadenwurmarten aus der letzten Eiszeit wieder zum Leben erwacht. Die Forschung erhofft sich von diesen Würmern Aufschlüsse darüber, wie das Überleben im gefrorenen Zustand funktioniert und wie es für die Medizin genutzt werden könnte.

    Bis zu 42.000 Jahre hatten sie im sibirischen Permafrostboden geruht. Bis in diesem Jahr russische Forscher Bodenproben entnahmen, in denen sich die kleinen Fadenwürmer befanden. Das Erstaunliche ereignete sich aber später im Labor: Als Biologen die Proben behutsam auftauten, begannen die Würmer in zweien der Proben, sich zu bewegen und Nahrung zu sich zu nehmen – nach über 40.000 Jahren.

    Für die Wissenschaftler um Anastasia Schatilowitsch ist das der Nachweis, dass mehrzellige Organismen auch über lange Zeit im Permafrost überleben können. Schatilowitsch schreibt über die Wiederbelebung der Würmer im Fachmagazin Doklady Biological Sciences.

    Das Überleben in gefrorenem Zustand bezeichnen Fachleute als Kryobiose. Die Stoffwechselvorgänge im Organismus sind dabei zwar stillgestellt. Tot sind die Lebewesen deswegen aber noch lange nicht, wie das Wiedererwachen der Würmer unter Beweis gestellt hat.

    Das heißt nicht, dass jetzt jedes Lebewesen im Permafrost so überleben kann. Doch es zeigt, dass die Würmer über einen Mechanismus verfügen müssen, der das möglich. Wahrscheinlich handelt es sich um Proteine, die verhindern, dass sich Eiskristalle im Inneren der Würmer bilden und die Zellen zerstören.

    Die Untersuchung dieser körpereigenen Frostschutzmittel steht nun im Mittelpunkt des Interesses, weil sie neue Impulse für die Kryokonservierung liefern kann. Hierbei handelt es sich um eine Methode zur Aufbewahrung von lebenden Organismen in gefrorener Form, etwa von Menschen, die unheilbar erkrankt sind und sich einfrieren lassen wollen, bis das Heilmittel gefunden ist. Derzeit ist es nicht möglich, diese Menschen wieder aufzutauen. Mit anderen Worten: Das Einfrieren bedeutet ihren Tod.

    Erkenntnisse in dem Bereich können aber auch ganz allgemein für die Medizin nützlich sein, indem sie neue Mittel an die Hand geben, wie lebendes Gewebe oder Organe über lange Zeit hinweg konserviert werden können.

    Die zwei aufgetauten Fadenwurmarten gibt es auch heute noch. Sie haben eine Länge von etwa einem halben Millimeter und leben im Boden. Allein stehen sie aber nicht mit ihrer Wiederauferstehung. Bacillus-Bakterien etwa können auch nach 250 Millionen Jahren wieder zum Leben erwachen. Sie sind allerdings deutlich weniger komplex gebaut.

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    Tags:
    Froststarre, Entdeckung, Forschung, Biologie, Fadenwurm, Würmer, Sibirien, Russland