15:44 17 November 2018
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    Marokko Mars Simulation

    Mars-Mission in der Wüste: ÖWF simuliert bemannte Erforschung des Planeten

    © Foto: ÖWF
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    Nikolaj Jolkin
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    Während der Mars in diesen Tagen mit bloßem Auge zu beobachten ist, so nah kam der rote Planet uns lange nicht, unternimmt das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) schon seit Jahren Experimente, um die bemannte Mars-Erforschung voranzutreiben.

    Im Verlauf der zwölften, bislang aufwändigsten Mars Analog Mission AMADEE-18 verbrachte laut einem der Flugdirektoren Reinhard Tlustos die internationale Feldcrew unter österreichischer Leitung vier Wochen in der Dhofar Wüste im Oman.

    „Während eines ScanMars-Experiments haben wir mit dem sogenannten Ground Penetrating Radar, mit dem sich den Boden anschauen lässt, ein ausgetrocknetes Wadi entdeckt“, sagte er im Sputnik-Interview.

    Das sei quasi ein ausgetrocknetes Flussbett, so der ÖWF-Mitarbeiter.

    „Und diese gibt es auch auf dem Mars. Das ist schon einmal ein gutes Ergebnis für dieses Team, dass Forscher das nachweisen können. Dort würde man dann auch zumindest Spuren von Leben erwarten.“

    Tlustos fährt fort: „Ein anderes Experiment war zum Beispiel, dass man kleines Gemüse, Radieschen und so was in der Richtung, in einem ‚Grünhaus‘ (Gewächshaus) anbaut. Das hat auch sehr gute Ergebnisse geliefert, dass die Crew, die einen Monat dort war, frisches Gemüse einmal hat essen können, was ja bei einer Raumfahrtmission sehr wichtig ist.“

    Die Analog Mission diene an sich dazu, so der ÖWF-Sprecher, dass „wir uns für eine zukünftige bemannte Raumfahrtmission zum Mars vorbereiten. Wir fahren dafür in Orte, zum Beispiel in die Wüste im Oman, oder nach Marokko, oder auch teilweise in Gletscher, um dort Bedingungen vorzufinden, wie wir sie ähnlich auf dem Mars erwarten. Ist natürlich nicht genau gleich, aber bestimmte Dinge sind ähnlich. Wenn man ein ausgetrocknetes Flussbett z.B. auf der Erde sucht, gibt es das auf der Erde als auch auf dem Mars. Das ist einer der Gründe, warum wir das machen. Wenn wir am Mars sind, sind wir darauf vorbereitet, dort gute Wissenschaft zu betreiben.“

    Unser Raumanzugsimulator ist noch kein fertiger Raumanzug

    Tlustos regt an: „Wir verwenden ihn, um die Situation am Mars in einem Raumanzug zu simulieren. Sie ist anders als bei der Raumstation, weil wir dort die Gravitation noch spüren, d.h. auf der Raumstation können die Raumanzüge mehrere Hundert Kilo an Gewicht haben. Wenn man in Schwerelosigkeit ist, spürt man es nicht so. Aber wenn man auf dem Mars herumgehen muss, ist das auch ein Kriterium. Sie dürfen nicht zu schwer sein.“

    Eine andere Bedingung sei, so der ÖWF-Sprecher, dass man auf dem Mars, obwohl die Atmosphäre sehr dünn sei, Wind und sehr viel Sand habe. „Das hat man auf der Raumstation nicht. Der Sand oder der Staub sind am Mars sehr fein und kommen überall hinein, auch in den Anzug selbst.“

    Tlustos vergleicht es mit den Mondmissionen.

    „Nach drei, vier Tagen am Mond waren diese Anzüge nicht mehr zu gebrauchen, weil sie verdreckt waren. Und wenn man auf dem Mars ist, braucht man einen Raumanzug für mehrere Monate. Das ist schon an sich ein Problem.“

    Eine andere Sache wäre Kontamination, urteilt der ÖWF-Mitarbeiter, „wir möchten vermeiden, wenn wir auf dem Mars nach Leben suchen, dass wir das Leben ja dann nicht mitbringen und den Mars kontaminieren, und dann wieder das eigene mitgebrachte Leben nachweisen.“

    Nächste Mars Analog Mission für 2020 geplant

    „Es ist noch nicht ganz sicher“, fügt Tlustos hinzu, „aber wir planen die nächste Mission in ca. zwei Jahren, und es wird wahrscheinlich wieder eine Wüste werden, wo genau, das schauen wir uns jetzt gerade an.“

    Die Entdeckung eines Sees mit flüssigem Wasser auf dem Mars, der sich rund 1,5 km unter der Oberfläche des Planeten und einem Panzer aus Eis befindet, findet er sehr spannend. Es gebe jedes Jahr neue Erkenntnisse über den Mars, sodass man dort in nicht allzu ferner Zukunft Leben bzw. Spuren von vergangenem Leben nachweisen könne.

    Mars Analog Simulation
    Mars Analog Simulation

    Auch die Idee, ein künstlich erzeugtes Magnetfeld um den Mars zu spannen, um seine einst robuste Atmosphäre wieder zurückzubekommen, hält er in der Zukunft für durchaus möglich. So wird sich mit einer dickeren Atmosphäre sowohl der Druck erhöhen als auch die Temperatur um vier Grad Celsius ansteigen.

    „Das hört sich für mich nach einem viel größeren Projekt an, wo man wahrscheinlich Hunderte von Jahren braucht, bis man das in der Form hat, wie man es möchte.“

    Wann kann der Mensch zum Mars fliegen?

    Einschätzung von Reinhard Tlustos: „Technisch gesehen vielleicht in zehn Jahren, aber praktisch wird es wahrscheinlich noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis wir so weit sind.“

    Das komplette Interview mit Reinhard Tlustos zum Nachhören:

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    Tags:
    Marsmobil, Simulation, Vorbereitungen, Mission, Raumfahrt, Forschung, Mars, Österreich