23:33 21 August 2018
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    Alien-Botschaften aus dem All: Neue Skala soll Klarheit schaffen

    Alien-Botschaften aus dem All: Neue Skala soll Klarheit schaffen

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    Valentin Raskatov
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    War das ein Alien-Signal oder nur ein vorbeifliegender Satellit? Bei der Untersuchung von empfangenen Signalen ist systematisches Vorgehen gefragt und beim Gespräch mit den Medien klare Aussagen, damit es nicht zur Hysterie kommt. Für eine klarere Einschätzung und Kommunikation solcher Phänomene haben Forscher nun die Skala Rio 2.0 entwickelt.

    Sonderbare Botschaften aus dem Weltall gab es schon öfter, etwa das Wow-Signal aus dem Jahr 1977, zu dem es bis heute unterschiedliche Erklärungen gibt. Oder ein Signal aus dem Jahr 2015, das russische Astronomen entdeckt hatten und das bei einem weit entfernten Stern verortet wurde. Ob die registrierten Signale auch wirklich Botschaften sind, ist fast immer zweifelhaft. Zumindest im letzteren Fall war das Signal wohl ein Fehlalarm, ausgelöst von einem Objekt in der Erdatmosphäre.

    „Es gibt viele Geschichten über ‚außergewöhnliche Signale‘ in den Nachrichten, die eigentlich nur fehlerhafte Berichterstattungen über etwas sind, das Astronomen nur schwer erklären können“, sagt der Astronom Duncan Forgan von der St. Andrews Universität. Er macht das am Beispiel des Boyajian-Sterns fest, dessen ungewöhnliche Flecken für Megakonstruktionen von Aliens gehalten wurden. „Kaum war einmal erwähnt, dass hier ein Lebenszeichen vorliegen könnte, explodierte die Berichterstattung und verzerrte sich zunehmend“, so der Astronom. Hätte der Stern einen sogenannten „Rio-Wert“ erhalten, wäre die Berichterstattung „weniger hysterisch“ ausgefallen, hofft er.

    Öffentlichkeit soll sich nicht reinsteigern

    Bei der Skala Rio 2.0 geht es um die Einschätzung, ob Signale wirklich von außerirdischen Intelligenzen stammen oder nicht. „Wenn ein Signal entdeckt wird, durchläuft es eine Reihe von Prüfungen, um herauszufinden, ob es nicht mit Problemen des Messinstruments oder menschlichen Einflüssen zusammenhängt wie etwa störenden irdischen Radiowellen. In dieser Zeit erfährt die Öffentlichkeit sehr wahrscheinlich vom Signal. Deswegen müssen die Forscher Wege entwickeln, der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie das Signal jetzt untersuchen, aber sehr skeptisch sind. Rio 2.0 ist dafür entwickelt, die Erwartungshaltung auf Lebenszeichen aus dem All gering zu halten, wie es auch sein sollte. Außerordentliche Behauptungen bedürfen außerordentlicher Hinweise. Dafür braucht es Zeit, deshalb müssen wir in der Zwischenzeit die Öffentlichkeit davon abhalten, sich allzu sehr hineinzusteigern“, erklärt der Forscher den Zweck der Skala.

    „Für eine Zehn müssten Aliens der UN die Hände schütteln“

    „Für eine Zehn müssten die Aliens schon Hände mit der UN schütteln“, erklärt Forgan den höchsten Wert. Es muss also unmittelbarer Kontakt zur außerirdischen Lebensform bestehen. Ein Szenario wie im US-amerikanischen Film „Contact“ dagegen erhalte eine Sieben. In dem Film empfängt eine Forscherin ein Signal, das nicht nur Fernsehbilder der Eröffnungsrede der Olympischen Sommerspiele 1936 enthält, sondern auch einen Bauplan für eine Maschine, die den Transport eines Menschen zu den Absendern bewerkstelligen kann. Forgan bemerkt aber auch: „Es gab nahezu keine Signale mit einem Wert über null. Für kurze Zeit war der Boyajian-Stern ein Kandidat für eine Eins oder eine Zwei. Aber das ist ein Ausnahmefall.“

    Radiofrequenzen, technische Pannen, menschliche Fehler

    Damit der Wert steigt, müssen diverse Fehlerquellen ausgeräumt werden. „Meistens haben solche Signale etwas mit Radiofrequenzen aus irdischen Quellen oder von Satelliten zu tun. Die Satelliten sind die größten Schuldigen für ‚alienhafte‘ Signale. Radiowellen kommen etwa von Satelliten zum Teleskop und erscheinen so, als wären sie aus einer viel größeren Distanz gekommen. Diese Fehler können aber sehr schnell und mit einfachen Prüfungen und weiterlaufenden Untersuchungen ausgeschlossen werden“, so der Astronom.

    Werden diese Fehlerquellen ausgeschlossen, kommt aber auch ein Fehler in der Elektronik oder ein menschlicher Fehler infrage. Auch das muss erst ausgeräumt werden, damit das Signal ernster genommen werden kann. „Diese Quellen sind schon schwerer auszuschließen, möglich ist es aber“, sagt der Forscher.

    Doch auch wenn alles Obige ausgeschlossen ist, gibt es eine alternative Erklärung zum Alien-Signal: ein ungewöhnliches, neues Naturphänomen. „Pulsare etwa sind schnell rotierende Neutrinosterne, die Radiopulse ausstrahlen. Als sie von Jocelyn Bell-Burnell entdeckt wurden, war noch nicht klar, was sie sind, und es brauchte seine Zeit, bis das Aliensignal ausgeschlossen wurde“, erklärt Forgan.

    Rio 2.0 ist eine Weiterentwicklung

    Vor der Vorstellung von Rio 2.0 gab es bereits seit 17 Jahren die Rio-Skala. Ernstzunehmende Forscher auf der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz bedienten sich ihrer. Aber sie reicht in unseren Zeiten nicht mehr, findet der Astronom: „Die Skala wurde vor dem Aufkommen der sozialen Netzwerke entwickelt und entsprechend auch vor der Explosion von Nachrichten, die aus unzähligen Quellen zusammengetragen werden.“ Es sei nützlich und wichtig, dass die Forscher den Medien die Bedeutung und den Status der Untersuchung eines Signals so eindeutig wie möglich kommunizieren können, damit es nicht immer wieder zur oben erwähnten Hysterie kommt.

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    Galaxien, Universum, Weltall, Weltraum, Außerirdische, Aliens, Rio-Skala, Duncan Forgan