15:20 19 Oktober 2018
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    Grabungsarbeiten auf der Arabischen Halbinsel

    Zu faul zum Überleben: Homo erectus wohl aus erschreckend banalem Grund ausgestorben

    © Foto : 2018 Shipton et al.
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    Valentin Raskatov
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    Er war zu faul, sich nach gutem Material für Werkzeug umzuschauen und zu unwillig, sich an neue Umweltbedingungen anzupassen. Deswegen ist der Homo erectus, der erste Hominide mit aufrechtem Gang, nach Ansicht von Archäologen ausgestorben.

    Er war der erste Frühmensch, der aufrecht ging. Er fertigte Steinwerkzeuge an und beherrschte wahrscheinlich auch schon das Feuer. Doch der Homo erectus war zu bequem in der Wahl seiner Rohstoffe, verwendete nur Gestein, das er in nächster Nähe zu seiner Lagerstätte fand und besiegelte so sein eigenes Schicksal – durch Faulheit. Das ist zumindest die Erklärung, die Archäologen in der Fachzeitschrift „Plos One“ darstellen und auf ihre Grabungsarbeiten auf der Arabischen Halbinsel stützen, wo der Homo erectus heimisch war.

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    „Es scheint, als hätten sie sich nicht wirklich angestrengt“, schreibt der Archäologe Ceri Shipton von der Australian National University (ANU). „Sie hatten nicht dieselbe Erkundungsneugier wie wir Menschen.“ Zwar hätte der Homo erectus Steinwerkzeuge hergestellt und Rohstoffe gesammelt. Aber: „Für die Steinwerkzeuge benutzten sie beliebige Steine, die sie in unmittelbarer Nähe ihres Lagers fanden. Dadurch hatten ihre Werkzeuge eine verhältnismäßig niedrige Qualität.“

    Schlecht gesammelt – schnell gestorben
    © Foto : 2018 Shipton et al.
    Schlecht gesammelt – schnell gestorben

    Dabei hätte ein kleiner Umweg viel Nutzen bringen können: „An unserer Grabungsstätte war in kurzer Entfernung zu ihrem Lager ein Felsvorsprung mit hochwertigem Gestein. Doch statt den Hügel hinaufzusteigen und sich die besten Stücke herauszubrechen, nahmen sie sich willkürlich diejenigen Steine, die herunterrollten und dort liegenblieben.“

    Die Forscher hatten den Felsvorsprung eigens untersucht und stellten fest: kein Anzeichen jedweder Aktivität, keine Artefakte aus dem Gestein, kein noch so kleiner Steinbruch. „Sie wussten, dass der Steinbruch da war, aber weil es genug angemessene Ressourcen gab, haben sie sich wohl gefragt: Warum sich die Mühe machen?“, erklärt sich der Forscher den Sachverhalt.

    Diese Bequemlichkeit steht im Kontrast zu frühen Menschen und Neandertalern, die aktiv auf Berge kletterten, um an Steinmaterial guter Qualität zu gelangen, und dieses auch über weite Distanzen transportierten.

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    Außerdem seien die Hominiden nicht nur faul, sondern auch konservativ gewesen, hebt Shipton hervor. „Die Sedimentproben zeigen, dass ihre Umwelt sich veränderte. Sie aber gingen mit ihren Werkzeugen immer denselben Tätigkeiten nach. Es gab überhaupt keinen Fortschritt.“

    Ob der Homo erectus nun faul war oder von seiner Anlage her nicht zu mehr fähig, bleibt dahingestellt. Gegen eine sich wandelnde Umwelt kam er mit seiner Strategie jedenfalls nicht an und starb aus.

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    Homo Sapiens, Archäologen, Menschen, faul