13:36 12 Dezember 2018
SNA Radio
    Wal (Symbolbild)

    Tiere, die „Omas“ haben: Forscher machen neue Entdeckung

    CC0
    Wissen
    Zum Kurzlink
    2284

    Die Weißwale und Narwale sind in den Eliteklub der Säugetiere eingetragen, deren Weibchen auf Reproduktion verzichten und als „Omas“ bei der Erziehung des Nachwuchses ihrer Töchter fungieren. Dies ist einem wissenschaftlichen Artikel im Fachmagazin „Scientific Reports“ zu entnehmen.

    „Für uns ist es äußerst schwer zu verstehen, wie die modernen  behavioristischen Instinkte der Menschen entstanden sind, da wir bereits eine sehr lange Zeit von der Natur isoliert leben. Die Beobachtungen anderer Tierarten, solcher wie diese Wale, kann uns verstehen helfen, wie eine ungewöhnliche Reproduktionsstrategie – die ‚Großmutterinstitution‘ entstanden ist“, erklärte Darren Croft von der University of Exeter in Großbritannien.

    Es wird behauptet, dass die Mehrheit der Tiere ihre Fähigkeit zur Vermehrung im Laufe ihres ganzen erwachsenen Lebens beibehalte. Zeugungsunfähige alte Einzeltiere bringen keinen Nutzen für die Population, infolgedessen die  Lebensdauer vieler Säugetiere durch die Dauer ihrer Fruchtbarkeit begrenzt ist. Es gibt auch Ausnahmen aus dieser Regel – das sind Menschen, Schwertwale und Delphine-Grindwale.

    Aktuell erläutern Anthropologen die Existenz von älteren Menschen durch eine sogenannte Großmutterhypothese. In Übereinstimmung mit dieser Theorie hören die älteren Frauen auf, sich aus Evolutionsgründen zu reproduzieren – indem sie ihren Töchtern helfen, die Kinder großzuziehen und zu erziehen, erhöhen die Omas damit die Chance der weiteren Übergabe ihrer Gene. Die Anthropologen haben Beweise für diese Theorie in den Populationen von Afrikanern gefunden, die in der Epoche der Urgesellschaft steckengeblieben sind.

    Vor einem Jahr hatten Croft und seine Kollegen die Gründe gelüftet, warum die Schwertwale Großmütter werden: Sie schützen ihre erwachsenen Töchter vor überflüssiger Konkurrenz innerhalb ihrer eigenen „Familie“, wobei sie nicht stören, sondern helfen, ihre Enkelkinder und Urenkelkinder zu erziehen.

    „Mit der Alterung des Weibchens erscheinen mehr und mehr Verwandte in ihrer Gruppe – ihre Kinder, Enkelkinder und Urenkel. Das heißt, wenn es auch weiter Nachwuchs gebärt, wird dieser mit den Enkeln und Urenkeln um die Nahrung konkurrieren und somit die Kollektivchancen auf das Überleben der ganzen Gruppe reduzieren. Daher ist es für die älteren Weibchen vom Standpunkt der Evolution aus vorteilhafter, auf die Reproduktion zu verzichten und dem Nachwuchs beizubringen, sich die Nahrung zu verschaffen“,  erläutert Sam Ellis, ein Kollege von Croft.

    Ausgehend aus dieser Idee haben die Wissenschaftler analysiert, wie Familien organisiert sind und wie sich die Eierstöcke von anderen Zahnwalen benehmen. Es stellte sich heraus, dass auf einmal drei Arten dieser Säugetiere – die bereits bekannten Grindwale, Weißwale und Narwale – auch schon die „Großmutterinstitution“ entwickelt hatten.

    Zugunsten dieser Theorie spricht auch die Tatsache, dass zum 35.-40. Lebensjahr die Zahl von vollwertigem „Ausgangsmaterial“ der Eizellen in den Eierstöcken von diesen zwei Walarten fast bis auf null fällt – viel schneller als bei ihren engen Verwandten. Zudem leben Weißwale und Narwale in Großfamilien mit Vorherrschaft von Weibchen und jungem Nachwuchs, was sie den Menschen und Schwertwalen näher bringt und von vielen anderen Walen unterscheidet.

    Eine solche Entdeckung verstärkt laut Croft die Positionen der „Großmutterhypothese“ und bietet mehr Möglichkeiten für das Studium, wie unsere Vorfahren zu einer ähnlichen Lebensweise in ferner Vergangenheit übergehen konnten.

    Einige Schlüsse kann man beispielsweise schon jetzt ziehen. Die Vorfahren und die engsten Verwandten von allen diesen drei Walarten nutzen keine „Großmutterinstitution“, was bedeutet, dass diese Tiere selbständig eine ähnliche Überlebensstrategie während ihrer separaten Evolution „erfunden“ haben. Dies spreche seinerseits dafür, dass die Omas in der Tierwelt viel öfter anzutreffen seien, als wir es heute für möglich halten, schließen die Forscher.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Endlich klar, wie sich Wale häuten – Forscher staunen – VIDEO
    Russland tarnt seine U-Boote als Wale
    Hungern bei vollem Magen: Tote Wale an Nordseeküste sind „gefüllt“ mit Plastikmüll
    Wal „schleicht sich“ an US-Urlauber an - VIDEO
    Tags:
    Großmütter, Reproduktion, Schwertwale, Weißwale, University of Exeter, Fachblatt Scientific Reports, Sam Elli, Darren Croft, Großbritannien