14:10 24 September 2018
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    Spuren von Autoreifen auf dem Sand

    Hauptsünder Autoreifen: 446.000 Tonnen Plastik landen jährlich in der Umwelt – Studie

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    Valentin Raskatov
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    Kleine Plastikpartikel kommen nicht nur in den Weltmeeren vor, sondern überall. Die Hauptquelle in Sachen Mikroplastik sind Autoreifen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fraunhofer-Studie. Ihr Autor fordert ein Umdenken beim Thema Kunststoffe und Maßnahmen aus der Politik.

    Wenn es um Mikroplastik geht, denkt man derzeit vor allem an die Weltmeere und an Verpackungen, die sich darin langsam auflösen, bis kleinste Partikel daraus entstehen – Mikroplastik eben. In den Gewässern kommt in der Tat viel Mikroplastik vor, das nachgewiesenermaßen Vögel, Fische und Muscheln gefährdet, die es zu sich nehmen. Doch eine neue Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik zeigt: Mikroplastik kommt geradezu überall vor. Die Studie benennt auch insgesamt 30 Hauptquellen für Mikroplastik.

    Hauptsünder beim Mikroplastik sind Reifen

    Ganz vorn mit dabei sind der Abrieb von Reifen mit 1228,5 Gramm pro Kopf pro Jahr, die Freisetzung bei der Abfallentsorgung mit 302,8 Gramm pro Kopf pro Jahr und der Abrieb des Bitumens im Asphalt mit 228 Gramm pro Kopf pro Jahr. Kosmetikartikel dagegen, die in den Medien in letzter Zeit stark präsent waren, landen mit 19 Gramm auf Platz 17 und sind damit wesentlich weniger bedenklich als gedacht.

    Für Deutschland und seine Bürger gilt: Jeder Deutsche setzt 5,4 Kilogramm Mikro- und Makroplastik pro Jahr frei. Vier Kilogramm davon sind Mikroplastik und 1,4 Kilogramm Makroplastik. Insgesamt gelangen auf diese Weise 446.000 Tonnen Kunststoff jährlich in die Umwelt.

    Keine große Gefahr für Menschen

    Eine Entwarnung gibt Jürgen Bretling, Hauptautor der Studie, im Sputnik-Interview aber auch mit auf den Weg:

    „Kunststoff selber ist ein Stoff, der weniger toxisch ist“, sagt er. „Gefahren für den Menschen sehe ich akut eher nicht.“

    Trotzdem gilt: Einmal in der Umwelt, lange in der Umwelt. Denn Plastik ist sehr beständig und wird nur sehr langsam komplett abgebaut. Was derzeit nur ein Problem für Vögel, Fische und Muscheln ist, könnte sich in höheren Konzentrationen eventuell auch auf den Menschen auswirken, gibt der Forscher zu bedenken. Was an Plastikerzeugnissen problematischer ist, sind bestimmte hinzugesetzte Stoffe wie Weichmacher oder Stabilisatoren, die sich auch auf den Menschen negativ auswirken, betont Bretling.

    Bewussterer Umgang in der Politik

    „Das Verbot von Kunststoffen scheint mir generell keine Lösung zu sein“, betont Bretling.

    „Wir müssen den Umgang mit Kunststoff verbessern. Wir müssen wieder lernen, dass der Kunststoff ein Wertstoff ist, den es sich lohnt, in die Wertstoffkreisläufe zurückzuführen und bei dem es sich auch lohnt, langlebige Produkte mit wenig Verschleiß, wenig Abrieb, wenig Neigung zu Verwitterung zu favorisieren.“

    Also Mehrweg statt Einweg. Der Hauptautor der Studie wünscht sich auch „entsprechende Maßnahmen politischer Art“, damit die Kunststoff-Emissionen reduziert werden können.

    Das Interview mit Jürgen Bretling in voller Länge:

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    Tags:
    Plastik, Naturschutz, Reifen, Verschmutzung, Recycling, Emission, Umwelt, Deutschland