15:05 13 Dezember 2018
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    Ilja Bobrowski untersucht Überreste von DickinsoniaEin Abdruck von Dickinsonia

    Forscher finden „organische Überreste“ vom frühesten Tier der Erde

    © Foto: Australian National University/ Lannon Harley © Foto: Australian National University / Ilya Bobrovsky
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    Russische und ausländische Paläontologen haben in Russland erste „organische Spuren“ von Dickinsonia – des frühesten mehrzelligen Tieres der Erde – entdeckt und den Jahrhundertstreit über seine Existenz beigelegt. Über ihre Entdeckung berichten sie im Fachmagazin Science.

    „Ich musste mich in die entlegenste Ecke Russlands begeben, wo nur Bären und Mücken leben, um Abdrücke von Dickinsonia zu finden, in welchen die Spuren der Organik noch erhalten waren. Sie verbargen sich unter schroffen Felsen an der Küsten des Weißen Meeres in einer Höhe von etwa 60 bis 100 Metern“, erzählt Ilja Bobrowski, der Entdecker dieser Fossilien von der Nationalen Universität Australiens in Canberra.

    Fremde Erde

    Heute meinen die Forscher, dass das Leben auf der Erde bereits vor drei Milliarden Jahren entstanden sei, aber die ersten 2,5 Milliarden Jahre soll es ausschließlich in einzelliger Form existiert haben. Die ersten mehrzelligen Lebewesen erschienen vermutlich erst vor 600-650 Millionen Jahren, während der Ediacar-Periode. Da ihre Überreste fast nicht  mehr erhalten seien, wisse man so gut wie nichts von ihnen, so Bobrowski.

    Am schärfsten wird laut Bobrowski und seinen Kollegen um die fossilen Überreste der berühmten Dickinsonia costata gestritten – eines mysteriösen Tiers, das der Form nach einem ovalen Blatt mit einer Vielzahl von Adern ähnelt.

    Den Forschern fiel auf, dass die Vertreter von jedem „Königreich“ der Lebewesen über eine eigene Gruppe von Biomolekülen verfügen, darunter auch über Eiweiße und Fette, nach der man sie von den anderen Erdbewohnern unterscheiden kann. So enthalten beispielsweise die Zellen von mehrzelligen Tieren bestimmte Arten aromatischer Moleküle von Cholesterin, welche bei Mikroben, Pflanzen und Pilzen nicht vorhanden sind.

    Geheimnisse des ersten Lebens

    Bobrowskis Team ließ sich von dieser Idee leiten und führte Ausgrabungen auf dem Territorium Australiens und an der Küste des Weißen Meeres in Russland durch, wo die noch während des Ediacars entstandenen Gesteine liegen. Dies zu realisieren, sei unwahrscheinlich schwierig gewesen, so der Wissenschaftler.

    Die Forscher haben anhand der Funde feststellen können, dass die Überreste der ersten Tiere der Erde tatsächlich jene Stoffe aufweisen, die im Organismus von mehrzelligen Lebewesen enthalten sind, jedoch im Gewebe von Pflanzen, Pilzen und im Inneren von Protozoen fehlen.

    „Wir stritten um das Wesen und die Herkunft der Dickinsonien und anderer mysteriöser Ediacar-Fossilien im Laufe der letzten 75 Jahren. Es gab ganz unterschiedliche Hypothesen – jemand hielt sie für gigantische Amöben, Flechten oder auch einfach für ‚Evolutionsfehler‘. Die von uns gefundenen Fett-Moleküle haben bestätigt, dass die Dickinsonien die ersten Tiere auf der Erde waren, und uns geholfen, einen weiteren ‚Heiligen Gral‘ der Paläontologie zu finden“, schloss Johen Brocks, ein Kollege von Bobrowski.

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    Tags:
    Fossilien, organische Überreste, Ediacarium, Fachmagazin Science, Nationale Universität Australiens in Canberra, Johen Brocks, Ilja Bobrowski, Weißes Meer, Australien, Russland