13:25 15 Oktober 2018
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    Sterne auf Kollisionskurs mit Milchstraße

    „Die wilden 13“: Sterne auf Kollisionskurs mit Milchstraße

    CC BY-SA 3.0 IGO / ESA/ NASA/ Hubble / Marchetti et al 2018
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    13 Sterne rasen mit Hochgeschwindigkeit auf die Milchstraße zu. Das haben Astronomen aus einem Satellitendatensatz herausgelesen. Stellen die Sterne eine Gefahr für die Menschheit dar? Und wie kommt es, dass Sterne in Galaxien eindringen, wenn das Universum doch auseinanderdriftet?

    Eigentlich wollte das Astronomen-Team, das den neuesten Datensatz des europäischen Gaia-Satelliten auswertete, herausfinden, welche Sterne sich gerade mit Hochgeschwindigkeit aus der Milchstraße entfernen. Schließlich expandiert das Universum. Bei diesem Prozess verlieren Galaxien regelmäßig Sterne. Alles driftet auseinander. Statt auf abtrünnige Sterne stießen die Forscher aber plötzlich auf insgesamt 13 Sterne, die mit Hochgeschwindigkeit in die Milchstraße vorstoßen.

    Sterne rasen auf Milchstraße zu

    „Unter den sieben Millionen Gaia-Sternen haben wir zwanzig entdeckt, die schnell genug unterwegs sind, um unsere Milchstraße zu verlassen“, erklärt Elena Maria Rossi, eine der Studien-Autoren. Und das Spannende: „Statt dass sich die Sterne vom Zentrum unserer Galaxie entfernen, scheinen die meisten der Hochgeschwindigkeitssterne eher darauf zuzusteuern“, fügt der Co-Autor Tommaso Marchetti hinzu. „Dabei könnte es sich um Sterne aus einer anderen Galaxie handeln, die in die Milchstraße eindringen.“

    Marchetti teilt Sputnik gegenüber aber auch mit:

    „Es gibt keine Gefahr für unser Sonnensystem. Die Sterne durchqueren unsere galaktische Scheibe in etlichen Millionen Jahren und werden sich dabei in einem großen Abstand zu uns befinden. Die Auswirkungen auf unser Sonnensystem werden also gänzlich unbedeutend sein.“

    In der Hinsicht kann der besorgte Leser sich beruhigen.

    Woher und wie kamen die Sterne zu uns?

    Als möglicher Spender-Kandidat für die fremden Sterne gilt die Große Magellansche Wolke, eine verhältnismäßig kleine Galaxie, die die Milchstraße umkreist. Die Sterne könnten aber auch aus einer weiter entfernten Galaxie stammen. Die Forscher erhoffen sich von ihnen ein besseres Verständnis unserer Nachbar-Galaxien, aus denen sie schließlich stammen.

    In die Milchstraße könnten die Sterne gelangt sein, weil sie etwa von einem Schwarzen Loch auf die dafür nötigen Geschwindigkeiten beschleunigt wurden. Oder es handelte sich ursprünglich um Zwei-Stern-Systeme, von denen ein Stern in einer Supernova explodiert ist. Der verbliebene Stern hätte damit plötzlich den Partner verloren und wäre herausgeschleudert worden. Schließlich könnten die Sterne auch aus dem Halo der Milchstraße stammen, einem annähernd kugelförmigen Randbereich, in dessen Zentrum die Galaxie eingebettet ist. Die Forscher wollen weitere Informationen über die Sterne sammeln, um ihre Herkunft besser zu bestimmen.

    Hochgeschwindigkeitssterne (englisch: high velocity stars) sind mit Geschwindigkeiten von 600 bis 1300 Kilometern pro Sekunde im Weltall unterwegs. Die Ursachen für die hohen Geschwindigkeiten sind unter Astronomen immer noch nicht eindeutig geklärt.

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    Tags:
    Milchstraße, Weltuntergang, Kollision, Satelliten, Expansion, Katastrophe, Weltall, Universum, Sterne, Astronomie, ESA, NASA, Tommaso Marchetti