06:25 20 November 2018
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    Gehirn eines Alzheimerkranken

    Warum tritt Demenz auf? – Forsсher erläutern

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    Der größte Teil von Fällen der Entwicklung von Demenz kann laut Genetikern nicht mit Erbfaktoren, sondern mit dem Auftauchen von neuen „Punkt“-Mutationen in einem kleinen Genset in einzelnen Gehirnzellen verbunden sein. Dies ist einem Artikel aus dem Fachmagazin „Nature Communications“ zu entnehmen.

    „Die Bevölkerung der Erde altert geschwind, und heute leiden immer mehr Menschen an Altersdemenz. Wir verstehen immer noch nicht, wo diese Probleme herkommen und warum einige von uns ihnen zum Opfer fallen, andere aber nicht. Die Demenz hat einen genetischen Hintergrund, allerdings bewirkt das auf keine Weise eine Vererbbarkeit“, erklärt Patrick Chinnery von der Cambridge University in Großbritannien.

    Erloschener Schimmer des Intellekts

    Sowohl die Alzheimer- als auch die Parkinson-Krankheit werden durch die Anhäufung von verschiedenem „Eiweißmüll“ in den Nervenzellen hervorgerufen, der allmählich die Neuronen in diversen Gehirnteilen killt. Ihr Tod führt zum Gedächtnisverlust und zur Altersdemenz im ersten und zweiten Fall sowie zum Verlust der Kontrolle über die Gliedmaßen bei der Entwicklung der Parkinson-Krankheit.

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    © Sputnik / Sergei Malgavko
    Die Gründe für diese Krankheiten und anderer Demenzformen bleiben immer noch ein Rätsel für die Forscher. Die Suche nach ihren Wurzeln wird dadurch erschwert, dass nur in fünf Prozent der Fälle von Demenzentwicklung die Biologen und Ärzte eindeutige Hinweise darauf finden, dass die Kranken diese Probleme von ihren Eltern geerbt hätten. Das hindert die Aufdeckung der Mechanismen dieser Krankheiten und die Feststellung von Risikofaktoren.

    Chinnery und seine Kollegen haben eine geeignete Erklärung für all diese Seltsamkeiten gefunden, indem sie analysierten, wie geringe Mutationen in diversen Gehirnregionen bei ungefähr fünfzig älteren Leuten verteilt sind, von denen ein Teil an „klassischer“ Demenz und der Alzheimer-Krankheit litten.

    Genetisches Kaleidoskop

    Laut den Forschern waren für sie zwei Dinge von Interesse – ob sich die Struktur dieser Gene in den Zellen eines Gehirns unterscheidet, und wie oft derartige „Anomalien“ auftauchen. Ihre Präsenz zeugt davon, dass diese Mutationen nicht von den Eltern geerbt wurden, sondern erst nach der Befruchtung der Eizelle auftauchten.

    „Diese Mutationen tauchen in der DNA während der Zellenteilung auf, was auch erklären kann, warum viele Menschen an Alzheimer und Parkinson erkranken, wobei sie keine Verwandten mit ähnlichen Leiden hatten. Sie bilden sich während der Entwicklung des Gehirns des Embryos und lauern, bis ihr Inhaber zu altern beginnt“, erläutert Chinnery.

    Wie sich herausstellte, existierten ähnliche „Tippfehler“ – sogenannte somatische Mutationen – in den Gehirnzellen von etwa der Hälfte der älteren Menschen, die von den Forschern untersucht wurden. Dabei seien sie sowohl im Nervengewebe der gesunden Teilnehmer des Experiments als auch in den Neuronen der Demenz- und Alzheimerträger anwesend gewesen.

    Später klärten die Wissenschaftler, dass diese Mutationen im Gehirn von kranken und gesunden älteren Menschen bei weitem nicht zufällig angetroffen wurden. So zeigte das Experiment, dass Altersdemenz mit Beschädigungen in den Genen DNMT3A und TET2 zusammenhängt, die das Wachstum der Gehirngefäße und die Arbeit der Barriere zwischen dem Blutgefäßsystem und seinem Gewebe managen.

    Die weitere Suche nach ähnlichen somatischen Mutationen im Gehirn der Patienten mit Demenz werde, so hoffen die Forscher, helfen zu bewerten, inwieweit derartige neue „Tippfehler“ in der DNA die Demenz beeinflussen. Dies ist laut Chinnery kritisch wichtig für das Verständnis, ob die Arzneimittel, die heute für die Heilung der Alzheimerkrankheit geschaffen werden, in der Mehrzahl der Fälle helfen können.

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    Tags:
    "Einweißmüll", Mutationen, Parkinson-Krankheit, Demenz, Heilung, Alzheimer, "Nature Communications", University of Cambridge, Patrick Chinnery, Großbritannien