23:00 12 November 2018
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    Müll aus Plastik

    Mikroplastik im Stuhlgang: „In allen Proben Kunststoff nachgewiesen“ – Studienautorin

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    Valentin Raskatov
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    Menschen scheiden Mikroplastik aus, zeigt eine Pilotstudie aus Österreich. Es ist aber weiterhin nicht bekannt, ob Mikroplastik für den Menschen auch schädlich ist. Gezeigt wurde auch nicht, wie die Stoffe in den menschlichen Körper gelangen. Die Studie ist also nur ein Anstoß für die Forschung und kein Grund zur Panik.

    Mikroplastik ist überall auf der Welt zu finden, nicht nur im Meer, sondern auch am Straßenrand, im Waldboden, in Tieren und Fischen. Es ist sprichwörtlich allgegenwärtig. Aber es wimmelt nicht nur um uns herum vor Mikroplastik, sondern wir scheiden es auch aus. Das haben Forscher der Medizinischen Universität Wien und des österreichischen Umweltbundesamts in einer Pilotstudie gezeigt.

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    100 Prozent: Alle Probanden schieden Mikroplastik aus

    „Wir waren die ersten, die sich Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben angesehen haben“, betont Bettina Liebmann im Sputnik-Interview. Liebmann ist Mikroplastik-Expertin am österreichischen Umweltbundesamt und Koautorin der Pilotstudie. Die Betonung liegt auf „die Ersten“ und „Pilotstudie“, denn eine umfangreiche Studie kann diese nicht ersetzen – dafür ist auch die Probandenzahl zu gering. Aber das erste Ergebnis ist dennoch beachtlich: „Das war für uns das überraschende Ergebnis, dass wir in allen acht Proben tatsächlich Kunststoffe nachweisen konnten“, so Liebmann.

    Quellen für Mikroplastik nicht untersucht

    Da es keine Vorgaben gab und die Teilnehmerzahl so niedrig war, zeigt die Pilotstudie nur eins: Mikroplastik wird vom Menschen ausgeschieden, und vermutlich geschieht das oft. Was die Quellen angeht, so gibt es diverse Möglichkeiten, teilt die Forscherin mit, etwa Plastikverunreinigungen von Meerestieren, Getränke in Plastikflaschen oder die Verwendung von Plastik in der Küche zum Beispiel in Form von Schneidbrettern oder Lebensmittelverpackungen. Doch das sind nur Möglichkeiten. Es wäre Aufgabe der weiteren Forschung, zu zeigen, welche dieser Möglichkeiten tatsächlich ihren Weg in den menschlichen Körper finden.

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    Bewussterer Umgang kann nicht schaden

    Eins steht für Liebmann fest: „Konsumenten könnten einen bewussteren Umgang mit Plastik als Material pflegen.“ Beim Einkauf einfach mal Verpackungen aus Plastik umgehen, Plastiktaschen vermeiden, Wasser in Glasflaschen kaufen und alternative Kosmetika ohne Mikroplastik kaufen – so ihre Tipps an die Verbraucher

    Interviewpartnerin Bettina Liebmann
    © Foto : Privat
    Interviewpartnerin Bettina Liebmann

    Aber auch hier gilt nur: Es kann nicht schaden, darauf zu verzichten. Denn ob Mikroplastik für den Menschen wirklich schädlich ist und was es konkret auf seinem Weg durch den Magen-Darm-Trakt macht, ist der Forschung noch nicht bekannt. Liebmann betont entsprechend, dass die Pilotstudie als ein „Anstoß für weitere Studien“ betrachtet werden sollte. „Unser Plan ist es, die kleine Probandenzahl zu vergrößern und im Rahmen einer größeren Untersuchung Folgeforschung zu betreiben“, sagt die Mikroplastik-Expertin.

    Das Interview mit Bettina Liebmann in voller Länge:

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    Tags:
    Körper, Plastik, Recycling, Forschung, Gesundheit