11:33 18 November 2018
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    Die Skala der Bösartigkeit: Forscher machen Abgründe der Seele messbar

    Die Skala der Bösartigkeit: Forscher machen Abgründe der Seele messbar

    © Sputnik / Wladimir Wiatkin
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    Valentin Raskatov
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    Die Abgründe der menschlichen Seele sind messbar geworden. Ein von Psychologen entwickelter Online-Fragebogen liefert dem Nutzer Werte, die ihm konkret sagen, ob er vielleicht ein Sadist oder ein Psychopath ist. Allerdings steckt der Fragebogen selber noch in der Testphase. Sputnik hat mit einem der beteiligten Wissenschaftler gesprochen.

    Ist dieser Mensch ein Narzisst, ein Sadist oder ein Psychopath? Ist er selbstsüchtig, egozentriert, unempathisch – und was bedeuten diese ganzen Wörter überhaupt? Drei Forscher haben sich die Mühe gemacht, psychologische Eigenschaften auf ein Minimum herunterzubrechen, um solche Charaktere leichter zu bestimmen. Und sie wollten diese dunklen Seiten der Menschen nicht nur bestimmen, sondern in Zahlen ausdrücken. Heraus kam am Ende ein Test, der dem Nutzer Antworten in Form einer Reihe von Werten liefert.

    Dunkle Seele nimmt Beschädigung anderer in Kauf

    „Der dunkle Kern, den wir definieren, ist eine allgemeine Persönlichkeitstendenz, die sich dadurch auszeichnet, dass man sein eigenes Wohl zu optimieren versucht und seine eigenen Ziele verfolgt. Was es dunkel macht, ist, dass es zum Nachteil von anderen geht“, erklärt Morten Moshagen die Idee. Er ist Professor der Psychologie an der Universität Ulm und einer der Entwickler des Tests. Wer einen hohen Dunkelfaktor erzielt, gehört ihm zufolge eher zu den Menschen, die bei der Verfolgung der eigenen Ziele in Kauf nehmen, dass andere Schaden leiden.

    Fragebogen steckt noch in Testphase

    Ermittelt wird der Wert mittels Fragen, zu denen Getestete ihre Position wiedergeben sollen. Das Antwortspektrum reicht von absoluter Zustimmung über eine neutrale Haltung bis zur völligen Ablehnung der Inhalte dieser Fragen. Die Ergebnisse werden dann zusammengezählt. Heraus kommt ein Gesamtwert für die dunkle Seite sowie eine Aufsplitterung des Werts in bestimmte Charaktertypen wie Sadist, Narzisst, Psychopath und andere.

    Allerdings ist die Erstellung guter Fragen eine Wissenschaft für sich, gibt Moshagen zu bedenken:

    „Das Hauptproblem ist, dass man gute Fragen hat und dass die Fragen, die man stellt, tatsächlich auch etwas mit dem Konstrukt, das man messen möchte, zu tun haben. Andernfalls klappt das natürlich nicht.“

    Der Test, den man online hier schon durchführen kann, sollte darum noch nicht als endgültig betrachtet werden. „Ein Grund, warum wir das Ganze online stehen haben, besteht darin, dass wir diese ganzen Fragen testen wollen“, betont der Psychologe. Fragen, die nicht gut funktionieren, werden entweder abgewandelt oder ganz verworfen.

    Ferner gilt, dass der Test „nie 100 Prozent akkurat“ sein kann. Das liege bereits daran, dass der Wert auf Grundlage von Selbstauskünften ermittelt wird. Kein Mensch sei ein „perfekter Beobachter“ seiner selbst. Der Test sei dennoch „mehr als eine reine Spielerei“, eine Tendenz spiegle er im Wert durchaus wider. Für eine ernsthafte Diagnostik sei er aber noch nicht präzise genug. Dafür müssten noch weitere Untersuchung angestellt werden, unter anderem, ob sich der „Dunkelwert“ bei demselben Menschen im Lauf der Zeit verändert.

    Das Dunkle auf wenige Größen heruntergebrochen

    In der Psychologie gibt es sehr viele verschiedene Begriffe, die die dunkle Seite der menschlichen Psyche betreffen. Teilweise überschneiden sie sich, teilweise doppeln sie sich – auf alle Fälle sind es viel zu viele, um sie in einem einzigen Wert zusammenzufassen.

    „Wir haben für alle dunklen Persönlichkeitsmerkmale, die wir kennen, die Messungen zusammengeworfen. Und wir haben geschaut, ob man jetzt die Antworten auf eine bestimmte Frage durch die ganzen anderen Antworten vorhersagen kann“, erklärt Moshagen. So kam es zu einigen wenigen Grundgrößen. „Die Parameter sind letzten Endes das, was ursprünglich in diesen einzelnen spezifischeren dunklen Eigenschaften drinsteckt – nur dass wir es verallgemeinern.“

    Auf die Frage, ob die allgemeinen Parameter, auf die die Forscher da gekommen sind, die einzig möglichen sind, antwortet Moshagen mit einem Augenzwinkern: „Es gibt keine alternativen Konzepte. Das könnte jetzt auch falsch sein, was ich sage – aber meine Position dazu ist: Das ist so, wie es jetzt wirklich ist.“

    Das Interview mit Morten Moshagen in voller Länge:

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    Tags:
    Fragen, Psychiatrie, Psychopath, Depression, Test, Psychologie, Forschung, Egoismus