23:44 12 November 2018
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    Weltraum (Symbolbild)

    „Krieg der Sterne“: Raketenbauer auf dem Weg zur Weltformel

    CC BY 2.0 / NASA Goddard Space Flight Center / Hubble Captures Cosmic Ice Sculptures
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    Alexander Boos
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    Der Physiker Tom Campbell hat Raketensysteme für die Nasa und das Pentagon gebaut und für den US-Militärgeheimdienst gearbeitet. „Dann kam ihm eine wissenschaftliche Erleuchtung – auch durch Meditation“, sagt Radioproduzent Tarek Al-Ubaidi, der jüngst die revolutionäre „Theorie über Alles“ des Kern-Physikers beleuchtete, gegenüber Sputnik.

    Pentagon, Nasa, US-Militärgeheimdienst: Schillernde Karrierestationen eines Ausnahme-Wissenschaftlers. Der US-amerikanische Kernphysiker Thomas W. Campbell (geboren 1944) kann auf eine aufregende Laufbahn zurückblicken. „Experimentelle Kernphysik“ und „Kollisionen mit niedriger Energie“ waren die Spezialgebiete in seiner Doktorarbeit. Danach arbeitete er über ein Jahrzehnt als Systemanalytiker für die Abteilung „Technische Aufklärung“ (Technical Intelligence) in der US-Armee, bevor er Technologien für US-Raketenabwehrsysteme entwickelte. Dies tat er für mehr als 30 Jahre.

    Sein Auftraggeber war hierbei das Pentagon, also das US-Verteidigungsministerium. Zuletzt arbeitete der Naturwissenschaftler für die US-Weltraumorganisation Nasa im Rahmen des „Ares-I-Programms“ im Bereich Shuttle-Transportlösungen.

    „Tom Campbell ist ein angewandter Physiker“, sagte Tarek Al-Ubaidi aus Graz, Diplom-Ingenieur und Moderator des Podcasts „CROPfm“, im Sputnik-Interview. „Das ist einer, der mit Ingenieur-Teams an ganz konkreten technischen Lösungen arbeitet. Er hat zum Beispiel im Bereich der Raketenabwehr für das SDI-Programm gearbeitet.“

    „Star Wars“: Weltraum-Waffenprogramm unter Reagan

    Der Physiker Tom Campbell
    © Foto : Privat
    Der Physiker Tom Campbell

    Das 1983 von den USA unter der Präsidentschaft von Ronald Reagan initiierte Projekt eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen trug den Namen „Strategic Defense Initiative“ (SDI). Viele Medien bezeichneten es wegen der weltraumgestützten Waffensysteme in Anlehnung an den Science-Fiction-Filmklassiker „Krieg der Sterne“ (1977) als „Star-Wars“-Projekt. Mit diesem wollte die Washingtoner Regierung im Kalten Krieg das US-Festland gegen sowjetische Interkontinentalraketen schützen. Campbell arbeitete im Rahmen seiner Pentagon-Aufträge in der US-Raketenabwehr für das „SDI“-Programm.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Star Wars wieder da – Trump macht den Reagan

    In der Zeit davor hatte der US-Physiker „in den 70er Jahren auch mit Bob Monroe am Monroe-Institut zusammengearbeitet“, erklärte der österreichische Moderator. „Gemeinsam haben sie an Dingen geforscht, die am dortigen Institut erforscht wurden: Bewusstseinsphänomene, nicht-lokale Phänomene, Remote Viewing und noch einiges mehr.“

    Mit Meditation zu „harter Physik“

    Von der Arbeit am Institut inspiriert, habe der Naturwissenschaftler dann angefangen, zu meditieren – auch während seiner Tätigkeiten im an harten Fakten orientierten technisch-naturwissenschaftlichen Betrieb.

    „Er hat begonnen, sich Gedanken zu machen, wie das jetzt eigentlich in sein bis dahin sehr starres physikalisches Weltbild passt.“ Zuvor sei er einfach ein Wissenschaftler gewesen, der sich ausschließlich an harten, nachvollziehbaren Fakten orientiert.

    „Er hat in seiner Arbeit Meditationen genutzt. Er hat dann über Probleme meditiert, hat sich auf den inneren Punkt in sich konzentriert und ist dann in Trance gegangen. Das hat er blitzschnell gelernt.“ Durch diese Methode habe der Kernphysiker sogar technische und wissenschaftliche Probleme gelöst.

    Das beschreibe Campbell ausführlich in seinen Büchern. „Meine große Theorie von Allem: My Big TOE“ – so lautet der Titel der Bücherreihe. „My Big TOE“ kann übersetzt werden mit „Meine Große Theorie Von Allem (TOE: Theory Of Everything)“, kann aber auch heißen: „Mein großer Zeh“.

    Die „Theorie über Alles“

    „Ich lese gerade fasziniert die ‚My Big TOE‘-Trilogie, die über 800 Seiten hat“, berichtete der „CropFM“-Moderator aus Graz. „Jedenfalls hat Campbell dann versucht, das Ganze mit seinem physikalischen Weltbild zu verheiraten. Sein Ansatz war eben – und das hat mir von Anfang an sehr imponiert – dass er eben nichts weglassen möchte, nur weil es nicht aus dem derzeitigen Wissenschafts-Paradigma heraus erklärt werden kann.“ Das sei ein überaus spannender Ansatz.

    „Im Februar 2003 veröffentlichte Tom die ‚My Big TOE‘-Trilogie, die die Ergebnisse und Schlussfolgerungen seiner wissenschaftlichen Erforschung der ‚Natur der Existenz‘ darstellt“, heißt es auf der Webseite des US-Physikers. „Dieses übergreifende Modell der Realität, des Geistes und des Bewusstseins erklärt sowohl das Paranormale als auch das Normale und ordnet Spiritualität in einen wissenschaftlichen Kontext ein, löst eine Reihe wissenschaftlicher Paradoxien und gibt denjenigen eine Richtung, die nach einem erweiterten Bewusstsein von Allem suchen.“

    Leben wir in einer Simulation?

    Produktion eines Quantencomputers
    © Foto : Nationale Technologische Forschungsuniversität MISIS
    Campbell habe das Ziel, mit seiner Theorie ebenso nur subjektiv erfahrbare Phänomene wie Meditationen objektivierbar, sprich wissenschaftlich erklärbar, zu machen. „Man sieht schon, das ist alles sehr ausufernd. Er kommt dann – salopp gesagt – auf eine Simulationstheorie“, erklärte der Österreicher, der den „Star Wars“-Physiker auch bald in seine Sendung einladen möchte und bereits Ende September in seiner Sendung „CROPfm“ den deutschen Übersetzer der Tom-Campbell-Bücher, Tim Martens, zu Gast hatte.

    „Wir leben nach Campbell quasi in einer simulierten Wirklichkeit“, so der Grazer Radiomacher. „Man kann es sich so vorstellen wie eine Computer-Simulation. Aber das ist eben nur ein Modell. Und er betont ganz oft, dass Modell und Wirklichkeit zu trennen sind. Das Modell ist nur eine modellhafte Vorstellung. Es ist nicht die Wirklichkeit.“ Die Grundannahme des US-Physikers sei: Die Realität werde erst erschaffen, sobald „wir sie wahrnehmen. Er kann auch den Urknall sehr schön erklären: Das ist der Punkt, als die Simulation gestartet wurde. Eigentlich ein mystischer Beginn. Die Lichtgeschwindigkeit sind für ihn die ‚Frame-Rates‘ der Simulation.“

    Konventionelle Physiker würden Campbell für dessen Thesen verurteilen, nach dem Motto: „Ja, das kann ich auch behaupten.“ Aber ganz so einfach sei es nicht. „Da steckt schon einiges dahinter“, so der Podcast-Produzent.

    Doppelspalt-Experiment: „Klassiker“ und „Fluch“

    Dieser neue Ansatz sei „absolut faszinierend, aber nicht leicht wiederzugeben“. Allerdings wohl wissenschaftlich valide und nachprüfbar. „Natürlich hat er – wie es sich gehört – auch Voraussagen abgeleitet, die verifiziert (überprüft – Anm. d. Red.) werden können. Er hat sechs Variationen, Abwandlungen des Doppelspalt-Experiments angekündigt.“

    Das 1927 durchgeführte Experiment gilt als einer der Durchbrüche in der Quantenphysik. „Das liegt seit den 20ern wie ein spannender Fluch über der Physik. Man hat das bis heute noch nicht ganz verarbeitet, was damals klar wurde – meiner bescheidenen Meinung nach.“ Campbell wolle nun diesen „Klassiker“ der Experimental-Physik in einer sechsfachen Variation neu untersuchen – basierend auf seiner „Big-TOE“-Theorie.

    Damit könne der Physiker auch menschliche Bewusstseinsphänomene erklären. „Wenn Menschen in Trance gehen, das kann er sehr schön erklären. Weil man da eben Informationen der Simulation anzapft, die sich quasi in einer Datenbank befinden, die sich da aus den Simulationsergebnissen anhäuft.“

    Der US-Wissenschaftler habe den Anspruch, mit seiner „My Big TOE“-Theorie „alles zu erklären. Er möchte nichts auslassen. Sämtliche normalen als auch paranormalen Phänomene sollen durch ‚My Big TOE‘ erklärt werden.“

    Tarek Al-Ubaidi (r.)
    © Foto : Privat
    Tarek Al-Ubaidi (r.)

    Dieser Ansatz könne die Basis zur Entwicklung einer „Neuen Physik“ werden, zu einem neuen physikalischen Weltbild. Dieses würde dann weiter reichen als das gängige und an den Universitäten gelehrte Weltbild.

    Mehr Informationen zu den Forschungen von Dr. Thomas W. Campbell lassen sich auf dessen offizieller Webseite finden.

    Tarek Al-Ubaidi produziert seit 18 Jahren in Eigenregie den Podcast: „CROPfm“. Alle zwei Wochen spricht er mit Gästen und Interview-Partnern zu den verschiedensten Themen aus der Grenzwissenschaft.

    Das komplette Interview mit Tarek Al-Ubaidi („CROPfm“) zum Nachhören:

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    Tags:
    Forschungen, Geheimdienst, Physik, Österreich, USA, Sowjetunion