09:44 11 Dezember 2018
SNA Radio
    Insekten (Symbolbild)

    USA: Forscher warnen vor biologischer Kriegsführung mit Insekten

    CC0
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Bolle Selke
    183116

    Unter dem Namen „Insect Allies“ erforscht das US-Verteidigungsministerium, wie man mit Hilfe von Insekten Pflanzenviren transportieren kann. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts in Plön sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier warnen, dass ein solches System relativ leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden kann.

    Die DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency), eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums, fördert Projekte im Umfang von insgesamt 27 Millionen US-Dollar mit dem Ziel, genetisch veränderte Viren freizusetzen, die das Erbgut von Nutzpflanzen im Freiland verändern können, schreiben die Experten in einer Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts.

    Insektenboten verteilen Pflanzenvieren

    Bei dem Projekt namens Insect Allies („Alliierte/Verbündete Insekten“) sollen Insekten als Transportmittel für Pflanzenviren dienen und diese auf landwirtschaftliche Nutzpflanzen übertragen. Die Viren können das Erbgut der betroffenen Pflanzen mittels sogenannter Genomeditierung verändern. Die für das Programm ausgewählten Institutionen erforschen, ob sie die Viren mithilfe von Grashüpfern, Blattläusen und Weißen Fliegen auf Mais und Tomaten übertragen können. Bis zum Ende des Programms soll die Technik in großem Stil in Gewächshäusern einsetzbar sein. Auf diese Weise ließen sich auch bereits auf den Feldern wachsende Pflanzen schnell und in großem Stil genetisch verändern.

    Einerseits könnte Pflanzen durch die Genomeditierung beispielsweise ertragreicher oder unempfindlicher gegenüber Schädlingen und Trockenheit werden, jedoch warnen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön sowie der Universitäten Freiburg und Montpellier im Fachmagazin Science, dass ein solches System relativ leicht manipuliert und als biologische Waffe eingesetzt werden kann.

    >>Andere Sputnik-Artikel: Sammeln USA Bioproben russischer Bürger? Moskau spricht von Gefahr für Sicherheit

    Biologische Kriegsforschung?

    In dem Artikel fordern die Forscher eine öffentliche Debatte. Die Fehle allerdings. Ihrer Meinung nach gibt es keine plausiblen Gründe, Insekten zur Verbreitung von Genmaterial einzusetzen. Die Forscher sehen vor allem den Einsatz von Insekten zur Verbreitung von Genmaterial kritisch, denn die Erkenntnisse aus dem Insect Allies-Programm können relativ leicht abgewandelt werden und so für die biologische Kriegsführung angepasst werden. Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie sagt:

    „So könnten Gene beispielsweise funktionsuntüchtig gemacht werden – was in der Regel leichter ist als ihre Optimierung. Das Verfahren muss also nicht einmal weiterentwickelt werden, es reicht aus, es zu vereinfachen, um es als Waffe einsetzen können“

    >>Andere Sputnik-Artikel: Haben USA Biowaffen-Programm in Georgien? Pentagon will nichts davon wissen

    Verstoß gegen internationales Abkommen?

    Die Rechtswissenschaftlerin Silja Vöneky an der Universität Freiburg weist darauf hin, dass es für eine völkerrechtliche Bewertung entscheidend sei, ob ein biologisches Forschungsprogramm nur friedlichen Zwecken diene. Das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen verbietet den mehr als 180 Vertragsstaaten die Entwicklung, Produktion oder den Erwerb von biologischen Stoffen und Giften, „die nicht durch Vorbeugungs-, Schutz- oder sonstige friedliche Zwecke gerechtfertigt sind“.

    Vöneky erklärt:

    „Aufgrund dieses weitreichenden Verbotes bedarf es für besorgniserregende biologische Forschung grundsätzlich einer plausiblen Rechtfertigung durch friedliche Zwecke. Das Insect Allies-Programm könnte das Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen verletzen, wenn die von DARPA geltend gemachten Ziele nicht plausibel sind. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund, dass es hier um eine Technologie geht, die leicht zur biologischen Kriegsführung genutzt werden kann.“

    Todesfälle in Georgien?

    Nicht nur in den USA forschen die Vereinigten Staaten anscheinend an Biowaffen. Wie die Journalistin Dilyana Gaytandzieva feststellt, betreiben sie Biowaffenlabore in 25 Ländern der Welt. Diese Labore werden von der Defense Threat Reduction Agency (DTRA) mit 2,1 Milliarden US-Dollar im Rahmen eines militärischen Forschungsprogramms mit dem Namen „Cooperative Biological Engagement Program“ (CBEP) finanziert. Auch Georgien und die USA haben ein bilaterales Abkommen „über Zusammenarbeit im Bereich Technologien und Pathogene, die mit der Entwicklung von Biowaffen und der Nichtverbreitung von Informationen in diesem Bereich verbunden sind“.

    Der Kommandeur der ABC-Abwehrtruppen Russlands, Igor Kirillov, legte kürzlich Dokumente vor, die den Tod von 73 Menschen innerhalb eines kurzen Zeitraums in Georgien dokumentierten. Die USA weisen alle Vorwürfe zurück, ohne zu erklären, was genau gemacht wird, oder die Labors für eine internationale Kontrolle zu öffnen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Viren, Pflanzen, Labor, Biowaffen, ABC, Verbot, Insekten, DARPA, Georgien, USA