21:36 16 Dezember 2018
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    Ein virtuelles Modell der ISS-Raumstation ist auf dem Bildschirm im Roskosmos-Kontrollzentrum zu sehen

    Lieber für ISS Geld aufbringen als für Waffen – Raumfahrt-Experte

    © REUTERS / Sergei Karpukhin
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    Nikolaj Jolkin
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    Die Internationale Raumstation ISS, die schon seit 20 Jahren im All ist, wird laut Gerhard Kowalski, Raumfahrtjournalist und Autor von Büchern zur Geschichte der Raumfahrt, bis zum Jahre 2024 problemlos funktionieren. Es gibt alle technischen Voraussetzungen auch für einen Betrieb bis zum Jahr 2028.

    Die Station sei in einem guten Zustand, sagte er im Sputnik-Interview. „Sie fliegt wunderbar und hat so gut wie keine Ausfälle. Dort funktionieren Tausende von Motoren und Dutzende von Computern. Nur hängt es vom Sehen der Menschen ab, ob sie bereit sind, das Geld, das diese Station braucht (eine bis zwei Milliarden Dollar im Jahr) aufzubringen. Wer auf der Erde Milliarden Dollar für Waffen, Geschütze, Patronen, Bomben und Granaten ausbringen kann, der wird doch in der Lage sein, das Geld für die ISS zusammenzubringen, weil das uns nutzt und niemand tötet.“

    Wenn man bedenke, so Kowalski, was die Menschheit auf der Erde für Kriege ausgebe, da zähle kein Mensch das Geld, das so verplempert werde.

    „Wenn es aber solche Objekte gibt wie die ISS, dann fängt man an, die Groschen zu zählen. Die Station ist ein Ergebnis der friedlichen Zusammenarbeit, der wissenschaftlichen Forschung und nicht irgendwelches Hirngespinst. In der ISS wird für die Erde geforscht.“

    Man sehe, fährt der Historiker fort, „wie man sich auf der Erde die Köpfe einschlägt. Überall sind Kriege. In Jemen, wo auch immer, in Kabul Explosionen mit Dutzenden von Toten. Dort oben aber herrscht Frieden, dort oben arbeiten die Völker, die sich auf der Erde sozusagen in den Haaren liegen, friedlich zusammen. Der Aufwand, den wir dort betreiben, lohnt sich. Das ist eine Investition in die Zukunft.“

    Die Europäische Weltraumorganisation ESA, zu der 22 Staaten gehören, entscheidet Ende des nächsten Jahres oder Anfang 2020 darüber, ob sie ihre Teilnahme am ISS-Programm verlängert. Diese Staaten seien bisher nicht in der Lage, eine Meinung zu bilden, urteilt Kowalski.

    „Es wird immer noch gestritten, ob man 300 Millionen Euro im Jahr für die Fortsetzung der Arbeit in der Internationalen Raumstation bereitstellt. Die Tatsache, dass ESA-Chef Jan Wörner, der gerade in Moskau bei diesen 20-Jahre-Feierlichkeiten war, gesagt hat, er würde sich sehr wünschen, dass sich diese 22 Staaten praktisch Ende nächsten Jahres oder Anfang 2020 wieder einigen.“

    Der Raumfahrtjournalist behauptet eben, dass viele Dinge auf der Erde nicht richtig funktionieren würden. „Man hat große Probleme, sich auf der Erde zu verständigen. Im Weltraum funktionierte das dagegen bis jetzt immer ganz gut.“

    Wissenschaftliche Erkenntnisse, die nur dank der auf der ISS durchgeführten Experimente möglich wurden

    Kowalski erläutert: „Die Raumstation schwebt in der Schwerelosigkeit. Die Schwerelosigkeit ist ein Zustand, der auf der Erde nur schwer herzustellen ist, und dann nur ganz kurze Zeit. Wir haben dort ein Milieu, das es erlaubt, wissenschaftliche Experimente auf den unterschiedlichsten Gebieten durchzuführen, die auf der Erde nicht möglich sind. Als noch die ersten Interkosmonauten geflogen sind, da war ein Ungar, der Interferonforschung betrieben hat. Eine Kleinigkeit. Es wird aber auch an neuen Mitteln zur Krebsbekämpfung geforscht.“

    Es werde, so Kowalski, an neuen Materialien in der Schwerelosigkeit geforscht, „die auf der Erde nicht verschmelzen, wie man sie im All verschmelzen lassen kann. Wenn man das zielgerichtet macht, ist das alles auf das Wohl der Menschen auf der Erde ausgerichtet.“

    Das komplette Interview mit Gerhard Kowalski zum Nachhören:

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    Tags:
    Experimente, Zukunft, Finanzierung, Raumfahrt, Forschung, Jubiläum, Investitionen, Internationale Raumfahrtstation (ISS), ESA, NASA, Roskosmos, Jan Wörner