21:36 16 Dezember 2018
SNA Radio
    ISS-Raumstation

    Internationale Raumstation – seit 20 Jahren im Weltall

    © REUTERS / NASA/ Roscosmos/ Handout
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Natalia Pawlowa
    19315

    Vor 20 Jahren startete vom Weltraumbahnhof Baikonur die Trägerrakete Proton. Sie brachte das erste Fracht- und Antriebsmodul Sarja in die Umlaufbahn. Das war der Beginn einer neuen Ära der Raumfahrt. Über die Pläne der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und die internationale Zusammenarbeit berichtet Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin.

    Im Dezember 1998 hatten der russische Kosmonaut Sergej Krikaljow und der US-amerikanische Astronaut Robert Cabana als erste die ISS betreten. Zwei Jahre später wurde die ISS zur ständig bemannten Raumstation: Außer Krikaljow, der ins All zurückkehrte, waren Juri Gidsenko und William Shepherd die ersten Besatzungsmitglieder. Heute sind drei Menschen – eine US-Amerikanerin, ein Russe und ein Deutscher – im Orbit.

    Auf einer Pressekonferenz von MIA Rossiya Segodnya berichtete Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin über die bevorstehenden Pläne der russischen Raumfahrtbehörde.

    „Die Aufgaben von Roskosmos sind, die Welt und sich selbst zu verändern. Wir müssen neue digitale Steuerungssysteme und neue Einlenkungsmittel einsetzen, die zuverlässiger sind und über eine mehrfache Reservierung aller wichtigsten Vorgänge verfügen. Im Jahr 2022 haben wir vor, Testflüge einer Rakete Sojus-5 mit einer Tragkraft von bis zu 17 Tonnen zu starten. Mit Hilfe der Sojus-Rakete planen wir, spätestens 2023 ein neues bemanntes Raumschiff zu testen. Wenn der zweite Bauabschnitt des Kosmodroms Wostotschny fertig ist, beginnen wir mit Starts von Angara-5M-Raketen mit einer Tragkraft von 27 Tonnen. Mit der Angara verbinden wir die Entwicklung eines Mondtransportsystems. Im Jahr 2026 gehen wir von Angara-5M zur dritten Stufe über, die über ein Wasserstofftriebwerk verfügt und bis zu 37 Tonnen Last auf eine tiefliegende Umlaufbahn bringen kann. Im Jahr 2028 beginnen wir Testflüge überschwerer Trägerraketen. Wir haben eine Anordnung des Präsidenten, die wir präzise erfüllen.“ 

    Wenn die Menschheit sich frei im All bewegen, den Mond und den Mars erschließen will, muss man der ISS-Besatzung bei der Arbeit zusehen. Die ISS ist in erster Linie das größte Sternenlabor. Im Laufe von 20 Jahren hat man Tausende wissenschaftliche Experimente unter einzigartigen Bedingungen durchgeführt: Mikrogravitation, Vakuum, Raumstrahlung. Es wurden über 50 internationale Expeditionen unternommen. Russland, Deutschland, die USA, Kanada, Japan, Mitglieder der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) – insgesamt 14 Staaten beteiligen sich heute am ISS-Projekt. 

    Aber auf der ISS sind nicht nur wissenschaftliche Experimente von großer Bedeutung, unterstrich im Interview mit Sputnik der Pressesprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Andreas Schütz.

    „Nicht zu vergessen natürlich ist die internationale Kooperation, die über alle geografischen und politischen Grenzen dazu führt, dass dort oben Menschen unterschiedlicher Anschauungen und unterschiedlicher Kulturen zusammenarbeiten. Es gibt unzählige bi- und multinationale Projekte, in denen europäische Wissenschaftler über die Grenzen hinaus ohne Rücksicht auf politische Anschauungen sehr erfolgreich zusammenarbeiten. Denn die aktive Arbeit auf der ISS gewährleisten Tausende Ingenieure auf der Erde. Und auch hier müssen japanische, russische, deutsche, französische, italienische, kanadische und amerikanische Kollegen ohne Vorbehalt zusammenarbeiten, um dieses gemeinsame Ziel zu erreichen.“

    Als den wichtigsten Außenposten der Menschheit bezeichnete die ISS Johann-Dietrich Wörner, Generaldirektor der Europäischen Weltraumbehörde (ESA), auf einer Konferenz in Moskau anlässlich des ISS-Jubiläums. Seinen Worten nach ist dieser Außenposten im All wichtig für die Menschheit. Und nicht nur aus wissenschaftlichen und technologischen Gründen. Er sei wichtig, damit wir daran denken, wie schön unser Planet ist, den wir dank Kosmonauten und Astronauten beobachten können.

    Am Anfang wollte man die Internationale Raumstation 15 Jahre lang nutzen. Aber bereits 2014 wurde ihre Dienstzeit bis 2020 und dann bis 2024 verlängert. Als nächstes sollen nun der Bordkommandant Oleg Kononenko, der Kanadier David Saint-Jacques sowie ihre Nasa-Kollegin Anne McClain zur ISS fliegen. Der Start von Sojus MS-11 sei für den 3. Dezember vorgesehen, so Rogosin.

    Er bedankte sich auch bei seinen Kollegen von der Nasa und der ESA für die Unterstützung, die sie nach dem Sojus-Fehlstart am 11. Oktober erwiesen haben:

    „Alles kann passieren. Der Sicherheitsfaktor selbst der sichersten Rakete ist nicht 100 Prozent. Es war uns äußerst wichtig, die Unterstützung von Fachleuten und Freunden zu spüren. Wichtig ist, dass viele von ihnen die Sicherheit des russischen Notfallsystems hoch eingeschätzt haben.”

    Damals mussten der Kosmonaut Alexej Owtschinin und der Astronaut Nick Hague 20 Minuten nach dem Start auf der Erde notlanden. „Aber sie werden ihre Umlaufbahn erreichen”, versprach der Roskosmos-Chef.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Weltraumforschung, Raumfahrt, Jahrestag, Internationale Raumfahrtstation (ISS), Roskosmos, Dmitri Rogosin, Russland