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23:10 20 Oktober 2019
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    Reinigungsmittel (Symbolbild)

    Die stille Gefahr im Hausstaub: Wie Reinigungsmittel resistente Bakterien züchten

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    Antimikrobielle Seifen und Reinigungsmittel züchten gefährliche multi-resistente Bakterien heran. Das hat eine neue Studie aus den USA anhand des Stoffs Triclosan gezeigt. Die Alternative ist einfach: Auf solche Mittel verzichten und es gar nicht erst zu solchen Bakterien kommen lassen.

    Von multiresistenten Bakterien, die sich mit unterschiedlichen Antibiotika nicht behandeln lassen, wird in letzter Zeit viel gesprochen. Für gewöhnlich erwartet man sie dort, wo viele Antibiotika zum Einsatz kommen: in Krankenhäusern und in Haushalten von Menschen, die von solchen Keimen befallen sind. Aber es kommt anders, denn sie bilden sich auch in gewöhnlichen Haushalten: im Staub. Denn entgegen der weitverbreiteten Vorstellung, dass der Staub das Ende allen Lebens sei, ist dieser sehr wohl von Kleinstlebewesen und Bakterien bevölkert.

    Eine Studie der Northwestern Universität hat nun gezeigt, dass die antimikrobielle Chemikalie Triclosan in Staub allgegenwärtig ist und auch genetische Veränderungen bei den dort lebenden Bakterien verursacht. Das Resultat solcher Konzentrationen können am Ende Organismen sein, die eine Infektion verursachen, die sich gegen Antibiotika resistent zeigt.

    In der Studie wurden Staubproben aus 42 Sporteinrichtungen untersucht. Die Entscheidung der Forscherin Erica Hartmann, Sporteinrichtungen zu untersuchen, begründet sich damit, dass dort Menschenhaut und Schweiß regelmäßig mit den Böden, Matten und anderen Gegenständen in Berührung kommen. Da sich auf diese Weise dort viele Bakterien bilden, kommen auch antimikrobielle Mittel bei der Reinigung zum Einsatz. Die Bakterien im Staub solcher Einrichtungen wurden genetisch untersucht.

    Im Staub mit einer höheren Triclosan-Konzentration fanden die Forscher größere Mengen von Bakterien vor, deren Gene auf Antibiotika-Resistenzen hinwiesen.

    „Es geht nicht einfach um eine Resistenz gegen Triclosan“, betonte Haupt-Autorin und Teamleiterin Hartmann. „Es geht hier um Gene, die für Resistenzen gegen medizinisch relevante Antibiotika stehen.“

    Damit im Staub keine unnötigen gefährlichen Bakterien entstehen, schlägt Hartmann vor, dass man auf antimikrobielle Produkte bei der Reinigung verzichten solle. Denn: „Der Großteil der Bakterien um uns ist nicht böse, sie könnten sogar gut sein. Putzt den Sportsaal-Boden mit einem Tuch, wascht eure Hände mit gewöhnlicher Seife und Wasser. Es gibt überhaupt keinen Grund, antimikrobielle Reinigungsmittel und Seifen einzusetzen.“

    Zum Hintergrund: Bis ins Jahr 2017 hinein haben Hersteller in den USA Triclosan antibakteriellen Handseifen und Reinigungsmitteln zugefügt. Die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA)  hatte den Stoff 2016 bereits verboten, als entdeckt wurde, dass sich Triclosan auf das menschliche Hormonsystem auswirken kann. Triclosan ist allerdings auch heute noch in den USA etwa in Zahnpasta und in weiteren Produkten enthalten.

    Antibiotika-Resistenz ist eine Gefahr für Gesundheitssysteme weltweit. Europaweit sollen jährlich 33.000 Menschen an solchen Keimen sterben. In den USA sind es 25.000 pro Jahr.

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    Tags:
    Reinigungsmittel, Staub, Infektionen, Krankheiten, Studie, Seife, Bakterien, Sicherheit