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06:45 19 September 2019
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    Forscher entdecken Zellen, die multiple Sklerose unterdrücken können

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    Kanadische Wissenschaftler haben im Darm des Menschen besondere Immunzellen entdeckt, die Entzündungen innerhalb des Gehirns neutralisieren und die Entwicklung der multiplen Sklerose verhindern können. Der Bericht über die Perspektiven ihrer Anwendung in der Medizin ist dem Fachmagazin „Cell“ zu entnehmen.

    „Wenn wir verstehen werden, was diese Immunzellen zwingt, sich derartig zu verhalten, werden wir die Möglichkeit bekommen, die multiple Sklerose zu heilen, wobei wir mit der Darm-Mikroflora manipulieren würden. Eine solche Methode kann sich als einfacher und wirkungsvoller erweisen als die Entwicklung von Arzneimitteln, die noch gezwungen werden müssen, in das Gehirn zu gelangen“, erläuterte die Forscherin Jen Gommerman von der University of Toronto in Kanada.

    Multiple Sklerose ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei deren Entwicklung die Immunzellen beginnen, die Hülle von Nervenfasern  – das sogenannte Myelin – anzugreifen. Ohne Myelin lassen die Nerven schlechter das Signal durch und fangen an, „kurzzuschließen“, was zu Folgen unterschiedlicher Stärke führt — von einer leichten Taubheit der Gliedmaßen bis hin zu Lähmung und Blindheit.

    Der Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge übersteigt die Zahl der Opfer dieser Krankheit heute 2,3 Millionen Menschen. Und es gibt nach wie vor keine reale Arznei dagegen. Gegenwärtig arbeiten weltweit dutzende Forschungsteams an der Entwicklung von Heilmethoden für diese Krankheit und studieren ihre Wurzeln.

    Vor zwei Jahren haben russische Wissenschaftler vom Forschungsinstitut für bioorganische Chemie bei der Russischen Akademie der Wissenschaften ein erstes potentielles „Vakzin“ gegen die multiple Sklerose angeboten, das die Immunzellen „lehrt“, das Gehirn nicht anzugreifen und seine Zellen nicht zu töten.

    Trotz dieser Erfolge bleibt bislang unverständlich, warum das Immunsystem das Gehirn für seinen „Feind“ zu halten beginnt. Ein Teil der Forscher ist der Ansicht, dass dies mit dem Eindringen einer Infektion ins Gehirn verbunden sei, der andere Teil meint, dass die Gründe für die Entwicklung von multipler Sklerose mit Störungen im Funktionieren des Organismus selbst zusammenhängen.

    Jen Gommerman und ihre Kollegen haben einen ungewöhnlichen Mechanismus entdeckt, der zugleich erläutert, wie die multiple Sklerose sowie weitere autoimmune Gehirnerkrankungen entstehen, und der im Kampf gegen diese eingesetzt werden kann.

    Die Forscherin und ihre Kollegen hatten entdeckt, welche Funktionen die Antikörper erfüllen, die von B-Lymphozyten erzeugt werden, die im Darm des Menschen leben.

    Ihnen zufolge sind diese Zellen, ihre Antikörper und Entzündungen im Gehirn, die bei Ausbrüchen der multiplen Sklerose entstehen, miteinander verbunden.

    Ihre Kollegen, die Neurophysiologen, kamen auf den Gedanken, dass die Darm-B-Zellen in das Nervengewebe des Menschen und der Tiere gelangen und dort Entzündungen dämpfen können. Demnach würden Störungen bei ihrer Beförderung ins Gehirn oder ihr allgemeiner Mangel zur Entwicklung der multiplen Sklerose führen.

    Sie prüften diese Idee, indem sie eine besondere Art von Mäusen gezüchtet haben, bei denen man die Zahl der B-Zellen im Darm willkürlich ändern konnte. Dank den Experimenten an den Nagetieren haben die Biologen bestätigen können, dass die Erhöhung der Zahl dieser Zellen und die Beschleunigung ihrer Migration ins Gehirn die Entzündungen im Nervengewebe tatsächlich gedämpft und die Beschädigung von Myelin verhindert hat.

    Aktuell versuchen die Wissenschaftler nun zu verstehen, welche Prozesse im Darm die Zahl der „richtigen“ B-Zellen und ihre Migration im Organismus bewirken.

    Wenn solche Verbindungen existieren, so könnten laut den Forschern die Hauptgründe für die Entwicklung der multiplen Sklerose nicht nur Infektionen und Störungen bei der Gen-Arbeit, sondern auch eine nicht korrekte Ernährungsweise sein.

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    Tags:
    Gehirnerkrankungen, Nervensystem, Myelin, multiple Sklerose, Fachmagazin "Cell", University of Toronto, Jen Gommerman, Toronto, Kanada