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04:56 19 September 2019
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    Ein junger Flüchtling in Syrien (Archiv)

    Mehr Konflikte und Migration durch Klimawandel – Studie warnt

    © AFP 2019 / Delil souleiman
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    Politische Verfolgung ist ein Asylgrund, massiver Klimawandel ist es nicht. Doch zwischen beidem könnte es einen Zusammenhang geben, wie eine neue Studie zeigt, die das Zusammenspiel von Dürren, Konflikt-Eskalationen und Migration beleuchtet hat. Sputnik hat sich mit einem der Autoren unterhalten.

    Der theoretische Zusammenhang zwischen Klimawandel, Konflikt und Migration wird schon seit längerem erforscht. Der Grundgedanke dahinter: Klimawandel führt zu einer Häufung von Klimaphänomenen wie Dürren und Fluten. Diese Phänomene haben wiederum starken Einfluss auf agrarwirtschaftlich geprägte Regionen und das wirkt sich schließlich auf die Bevölkerung in Form von knapper werdenden Ressourcen aus. Denn infolge von Dürren sinkt der Grundwasserspiegel und es führt zu Spannungen um Verteilungen, was bestehende Konflikte anheizt und schließlich eskalieren lässt.

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    Diese Überlegungen hat eine Gruppe von Wissenschaftlern nun erstmals statistisch geprüft – und bestätigt. „Wir haben Klima-, Migrations- und Konfliktdaten aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und diese analysiert“, sagt Michael Brottrager, Wirtschaftswissenschaftler von der Johannes-Kepler-Universität Linz und einer der Autoren der jüngst erschienenen Studie, gegenüber Sputnik. Verglichen haben die Wissenschaftler hier den Klima-Index, die Anzahl von konfliktbedingten Opfer und die erfolgte Migration.

    Einen Zusammenhang haben sie im arabischen Raum und in Teilen der Subsahara entdeckt. Dort könnte man Effekte von Klima auf eine Entwicklung von Konflikten und grenzüberschreitende Migration beobachten, sagt Brottrager. Natürlich sei das Ganze als ein Zusammenspiel mit den politischen und sozialen Gegebenheiten vor Ort zu betrachten, Klima allein ergebe noch keine Konflikte, aber es verstärke sie eben maßgeblich. „In den meisten Konfliktländern gibt es schon davor zahlreiche Konflikte. Deswegen ist es immer eine Zusammenschau von bereits existierenden Bedingungen“, so der Studienautor. Bestimmte Länder mit starkem sozio-ökonomischen Hintergrund oder starken politischen Institutionen seien kaum anfällig dafür. Das Klima bringe aber zusätzlichen Druck in Gesellschaften und steuere im Zusammenspiel mit der politischen Situation „den ausschlaggebenden Tropfen“ bei.

    „Das beste Beispiel und vielleicht auch das bekannteste ist Syrien“, führt der Volkwirtschaftler weiter aus. „Vor dem Arabischen Frühling hat es dort eine mehrjährige Dürreperiode gegeben, die zu einem massiven Engpass der Grundwasserversorgung führte. Aufgrund von schlechter Planung und mangelhaftem Wassermanagement ist es dann zu einem mehrjährigen Engpass gekommen, der wiederum die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe getrieben hat. Aufgrund dessen hat man dann beobachten können, dass Hunderttausende Menschen in die Städte migriert sind.“ In den Städten sei aber wenig getan worden, um diese innere Migration zu bewältigen. Infolge dieser Entwicklung sei der Druck zu groß geworden und habe den Grundstein gelegt für die sozialen Unruhen. Etwas ähnliches sei auch im Sudan zu beobachten.

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    Was folgt daraus für die Praxis? „Wir haben herausgefunden, dass der Klimawandel versteckte Kosten hat. Und diese bestehen darin, dass der Klimawandel Konflikte auslösen kann oder das Potential für Konflikte erhöht auf einer globalen Ebene“, erläutert Brottrager. „Diese Kosten sind bisher unterschätzt worden und schaffen jetzt – so die Hoffnung – Anreize für Politiker und politische Institutionen, diese Kosten neu zu diskutieren.“

    Das Interview mit Michael Brottrager in voller Länge:

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    Tags:
    Folgen, Dürre, Wasser, Analyse, Migration, Konflikt, Klimawandel, Syrien