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    Mars-Kolonisierung (Symbolbild)

    Mars beschießen, Venus abkühlen: Planeten-Besiedlung wegen Übervölkerung

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    Die Weltbevölkerung wächst unaufhaltsam weiter. In mittelfristiger Zukunft wird es für die Menschheit viel zu eng auf der Erde. Futuristen erwägen eine Kolonialisierung des Sonnensystems als wahrscheinlichstes Szenario für die Zukunft.

    Es ist dabei nicht auszuschließen, dass sich Menschen mit „Terraforming“ befassen müssen – einer künstlichen Umgestaltung anderer Welten.

    Den Mars beschießen

    Der US-amerikanische Unternehmer Elon Musk hatte im September 2015 in einer TV-Talkshow scherzhaft vorgeschlagen, die Pole des Mars mit nuklearen Sprengköpfen zu bombardieren. Dadurch würde auf dem Roten Planeten das Trockeneis aus Kohlensäure verdampfen.

    Das Kohlendioxid würde in die Atmosphäre geraten und einen Treibhauseffekt auslösen. Die Temperatur und der Druck würden allmählich steigen, das Eis würde noch schneller verdampfen, und dann würde auf dem Mars möglicherweise flüssiges Wasser entstehen. Dann könnten dorthin einzellige Algen geschickt werden, die mit der Zeit die Entstehung einer für Menschen geeigneten Atmosphäre fördern würden. Dafür wären allerdings Tausende Jahre nötig.

    Natürlich war das ein Scherz. Denn in der Welt gibt es einfach nicht so viele Atomwaffen, um den Plan des „Tesla“-Gründers zu erfüllen. Forscher schlagen auch andere Wege vor, die Oberfläche des Roten Planeten aufzuheizen. Beispielsweise den Mars mit einem Kleinplaneten kollidieren zu lassen oder einen riesigen Spiegel im Weltraum einzusetzen, der die Sonnenenergie auf die „Polarkappen“ des Nachbarplaneten richten würde.

    Aber der aktuelle Entwicklungsstand der Technologien ist viel zu gering für die Umsetzung dieser Szenarien.

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    Zudem könnten die Bemühungen um die Verwandlung des Mars in einen für Menschen geeigneten Planeten nutzlos bleiben, warnen Experten von der University of Colorado. Nach einer Analyse der Angaben der Raumsonden Mars Reconnaissance Orbiter und Mars Odyssey sind sie zu dem Schluss gekommen, dass es auf dem Roten Planeten nicht genügend Kohlendioxid gebe, damit dort eine dichte Atmosphäre entstehen könnte.

    Allerdings vermutet Elon Musk, der von der Einrichtung einer Kolonie auf dem Mars träumt, dass eine riesige Menge Kohlendioxid im Marsboden konzentriert sei. Bei der Aufheizung des Planeten würde es zu einem heftigen Ausstoß von Kohlensäure in die Atmosphäre kommen – und das würde ein Terraforming in die Wege leiten: Der Mars würde zu einer Kopie der Erde „mutieren“.

    Atmosphäre auf der Venus schaffen

    Und die Venus müsste dagegen abgekühlt werden: Die Temperatur dort beträgt im Durchschnitt 452 Grad Celsius und der Druck liegt bei etwa 90 Bar.

    Ansonsten ist die Venus der Erde sehr ähnlich, ob nach der Masse, Gravitation oder dem Sonneneinstrahlungsniveau. Mehr noch: Experten vom Goddard Space Flight Center behaupten, das Klima auf der Venus sei vor einigen Milliarden Jahren dem Klima auf der Erde ziemlich ähnlich gewesen. Dort soll es flüssige Ozeane gegeben haben, und die Temperatur hätte bei 15 bis 17 Grad Celsius gelegen.

    Carl Sagan hatte einst vorgeschlagen, Cyanobakterien zur Venus zu bringen. Diese könnten das Kohlendioxid in der Atmosphäre dank der Fotosynthese in organische Stoffe verwandeln und Sauerstoff freisetzen. Es wäre allerdings unklar, ob die Bakterien selbst auf der Venus überleben könnten. Zudem würde die Verwandlung des Kohlendioxids in organische Stoffe nach Einschätzung des Physikers Martin Fogg etwa eine Million Jahre in Anspruch nehmen.

    Wesentlich schneller wäre ein anderer Weg: Die Venus-Atmosphäre könnte mit Wasserstoff gefüllt werden, damit sich das gesamte Kohlendioxid in Graphit und Wasser verwandelt. Um diesen Prozess zu beschleunigen, könnten über dem Planeten Eisenspäne verstreut werden. Dann würde der Druck vermutlich auf „nur“ drei Bar schrumpfen, der Treibhauseffekt würde verschwinden und auf der Oberfläche der Venus würde Wasser entstehen. Dann würde es bestenfalls bis zu 80 Prozent des Planeten bedecken.

    Allerdings warnen Experten des NASA-Forschungszentrums „John Glenn“, dass all diese Mittel nicht funktionieren würden, wenn die Menschen die wichtigsten Probleme nicht lösen sollten: Schwefelsäurewolken und der zu lange Sonnentag auf der Venus – 117 Tage auf der Erde. Wenn man diese Probleme doch in den Griff bekäme, wäre die Venus durchaus geeignet für Terraforming.

    Eine Kuppel auf dem Mond bauen

    Es wäre durchaus logisch, auch den Mond für das Leben der Menschen geeignet zu machen. Amerikanischen und britischen Forschern zufolge könnte er früher bewohnt gewesen sein.

    Aktuell ist der natürliche Satellit der Erde kein wirklich „gastfreundlicher“ Ort. Die Temperatur schwankt dort zwischen minus 180 und plus 120 Grad Celsius. Er hat kein eigenes Magnetfeld, und deshalb wird seine Oberfläche durch die Raumstrahlung sterilisiert. Und die Atmosphäre ist dermaßen dünn, dass es sie faktisch gar nicht gibt – und dadurch ist die Gefahr ziemlich groß, dass Meteoriten auf den Mond stürzen könnten.

    Allerdings gibt es auf dem Mond eine der wichtigsten Voraussetzungen für Terraforming: Wasser als „eisiger ewiger Frost“ auf beiden Polarkappen. 2012 wurden sie vom russischen Neutronenteleskop LEND an Bord der US-amerikanischen Sonde LRO (Lunar Reconnaissance Orbiter) erforscht.

    Das Problem der Aufrechterhaltung der Atmosphäre und der Zulieferung von lebenswichtigen flüssigen Elementen (Wasserstoff, Stickstoff, Kohlenstoff) auf den Mond sollte nach Einschätzung vieler Experten mithilfe von Kometen gelöst werden. Es gilt, dass diese Objekte im Falle einer Kollision mit dem Mond Gase und den Wasserdampf darüber zerstreuen werden – und dadurch würde eine Atmosphäre entstehen. Bei solchen Zusammenstößen würde sich auch Wasser aus dem Mondregolith befreien, so dass auf dem Erdsatelliten natürliche Gewässer entstehen würden. Und Impulse von Kometen würden die Drehung des Mondes beschleunigen, was zur „Befestigung“ der Atmosphäre beitragen würde.

    Aber eine solche „Bombardierung“ des Mondes mit Weltraumkörpern könnte zufällig auch die Erde treffen.

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    Ein wesentlich sicherer Weg wäre wohl, nur einen kleineren Teil des Mondes bewohnbar zu machen. NASA-Forscher plädieren für die Schaffung eines Mikroklimas im Shackleton-Krater, in dem vor einigen Jahren Wassereis entdeckt wurde, damit dort Pflanzen gepflanzt werden könnten und eine für das Atmen geeignete Atmosphäre entstehen könnte. Zunächst werden sich damit Roboter befassen: Sie sollen auf dem Mond eine Kuppel und riesige Sonnenspiegel aufstellen.

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    Terraforming, Besiedelung, Planeten, Technologien, Kolonie, Forschung, Tesla, NASA, Elon Musk, Erde, Venus, Mond, Mars, USA