04:25 18 November 2019
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    Ständig müde? Forscher wissen jetzt, was hilft

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    Unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom leiden etwa 17 Millionen Menschen weltweit. Experten vermuten, dass bei ungefähr der gleichen Zahl von Menschen diese Erkrankung nicht diagnostiziert worden ist.

    Zu den Symptomen gehören permanente Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, häufige Muskelkrämpfe usw. Aber viele Forscher sind eher skeptisch gegenüber dem Begriff „chronische Erschöpfung“ und glauben, dass es sich dabei in erster Linie um ein psychologisches Problem handelt.  RIA Novosti analysiert in diesem Beitrag die Ursachen für die chronische Erschöpfung und die Möglichkeiten, diese zu besiegen.

    Müdigkeit ist eine Krankheit

    Im Jahr 2017 haben Biologen von der Medizinschule bei der Stanford University Blutproben von mehr als 500 Menschen untersucht. Manche von den Freiwilligen waren gesund, aber bei fast 200 anderen wurde das chronische Erschöpfungssyndrom entdeckt – eine Krankheit, an deren physiologische Ursache viele Experten lange nicht geglaubt hatten.

    Ihr wichtigstes Symptom ist die permanente und grundlose Müdigkeit, wegen der die Arbeitseffizienz fast um 50 Prozent schrumpfen kann. Außerdem beklagen sich viele Patienten über Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme, Schlaflosigkeit, Brechreiz usw. Wegen der Großzahl der Symptome lässt sich die Krankheit nur schwer diagnostizieren.

    Die Stanford-Experten verglichen die Blutproben von gesunden und kranken Menschen und versuchten, Merkmale zu finden, die für das Diagnostizieren der Erkrankung hilfreich wären. Zwar konnten sie keine Marker finden, die für das Erschöpfungssyndrom kennzeichnend wären, aber sie haben eine eigenartige Abhängigkeit bemerkt: Je deutlicher die Krankheitssymptome waren, desto größer war die Konzentration von 17 Proteinen im Blut, die mit der Entwicklung von Entzündungsreaktionen verbunden war. Das bestätigte die Hypothese, dass die Ursachen der äußeren Erscheinungen des Syndroms Entzündung und eine angeschlagene Immunität des Patienten sind.

    Ein Teil der entdeckten Moleküle war auch mit anderen Prozessen im Organismus verbunden, beispielsweise Leptin (dieses Protein ist mit dem Sättigungsgefühl verbunden und kommt öfter bei Frauen vor), und das TGF-b-Hormon, das für das Wachstum und die Zellteilung zuständig ist. Eine erhöhte Konzentration beider Stoffe ist nach Auffassung der Forscher der Grund dafür, dass das chronische Müdigkeitssyndrom häufiger bei Frauen vorkommt und dass ihre Träger häufiger an Krebs des lymphatischen Gewebes erkranken.

    Zu aktive Immunität

    Die Entwicklung des chronischen Erschöpfungssymptoms könnte nicht nur mit Störungen des Immunsystems verbunden sein, sondern auch mit seiner Hyperaktivität, die möglicherweise auf genetischer Ebene bedingt ist, vermuten deutsche und britische Forscher.

    Sie haben die Arznei Interferon Alpha (IFN-α) an Patienten getestet, die an Hepatitis C litten. Dieser Stoff provoziert eine enorm starke Reaktion des Immunsystems – wie bei einer enorm starken Infektion. Ein halbes Jahr später bemerkten die Experten bei 18 Freiwilligen Syndrome der chronischen Müdigkeit. In ihrem Blut wurden enorm viele Cytoxiene entdeckt – gerade solche Proteine, die die Stanford-Forscher ein Jahr zuvor als Merkmal der chronischen Erschöpfung bewertet hatten.

    Allerdings wurden beim Vergleich der Kennzahlen von 50 gesunden Freiwilligen und 54 Menschen mit der Diagnose „chronische Erschöpfung“ keine besonderen Unterschiede festgestellt. Die Forscher vermuten, dass diese Unterschiede erst eine gewisse Zeit nach der „Antwort“ des Immunsystems entdeckt werden können.

    Hormonale Instabilität

    Niederländische und spanische Endokrinologen finden, dass das chronische Erschöpfungssyndrom nicht mit Immunsystemstörungen, sondern mit Jod-Defizit sowie mit Schilddrüsenproblemen verbunden sein könnte. Sie bemerkten, dass Müdigkeit, schlechte Sehkraft und andere Symptome der chronischen Erschöpfung auch für eine andere Erkrankung typisch sind, und zwar für den Mangel an Schilddrüsenhormonen.  Als sie die Blutproben von gesunden und chronisch erschöpften Menschen verglichen, stellten sie fest, dass bei letzteren das Niveau der beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone ziemlich gering war: T3 und T4.

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    Die Forscher vermuten, dass Menschen mit chronischem Erschöpfungssymptom eine spezielle Diät helfen könnte, die Nahrungsmittel mit einem hohen Jod-Gehalt enthalten würde. Diese Vermutung muss allerdings noch bewiesen werden und wird gerade überprüft.

    Übungen gegen Müdigkeit

    Forscher von der University of California, Los Angeles, glauben, dass das chronische Erschöpfungssyndrom unter anderem mithilfe von Nahrungsmitteln mit Vitamin B, Magnesium und L-Carnitin überwunden werden könnte.

    Es ist beispielsweise bekannt, dass Alistipes-Bakterien, die für die Entwicklung der chronischen Erschöpfung verantwortlich sind, die Produktion von Vitamin B6 im Organismus behindern. Und Magnesium regelt praktisch alle Prozesse der Energieproduktion bzw. des Energieverbrauchs im Organismus.

    Wissenschaftler von der Queen Mary University of London haben herausgefunden, dass Sport das beste Mittel gegen die chronische Müdigkeit ist, allerdings mit einer gemäßigten Belastung. Sie beobachteten drei Monate lang etwa 200 Freiwillige mit dem diagnostizierten Erschöpfungssyndrom, die Medikamente einnahmen, aber auch jeden Tag zusätzlich Sport trieben. Am Ende des Experiments fühlten sie sich wesentlich besser als diejenigen, die keine sportliche Belastung hatten.

    Zu ähnlichen Schlüssen sind auch Forscher vom Londoner Royal College gekommen, die mehrere Dutzende Studien analysiert hatten, die der Behandlung des chronischen Erschöpfungssyndroms gewidmet waren. Als besonders effizient erwies sich sportliches Training mit allmählicher Erhöhung der Belastung.  Dabei wechselten die Teilnehmer des Experiments Sport und Erholung ab und konnten dadurch den optimalen Lebensrhythmus erarbeiten, was eine wichtige Rolle für ihre Genesung spielte.

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    Tags:
    Organismus, Hormon, Schlaf, Aktivität, Forschung, Gesundheit, Stanford University, Niederlande, Spanien, Großbritannien, Deutschland, USA