23:13 17 Juni 2019
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    Start der internationalen Mondflugsimulation Sirius-19

    50 Jahre nach Apollo 11: Internationale Mondflugsimulation gestartet

    © Sputnik / Ilya Pitalyow
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    Valentin Raskatov
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    In Moskau wurde am Dienstag ein Mondflug gestartet. Sechs Kosmonauten begeben sich auf eine lange Reise, während derer Experimente an ihnen durchgeführt werden. Während der Reise bleiben sie aber auf der Erde, denn es handelt sich nur um eine große Simulation. Unter den Experimenten sind sechs vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

    Drei Frauen und drei Männer haben am Dienstag die Reise zum Mond angetreten. Sie befinden sich aktuell in einer 100 Kubikmeter großen Raumkapsel und werden in zehn Tagen an einer Mondstation andocken, die mit 500 Kubikmetern Raum etwas freizügiger ist. Dort werden sie eine lange Zeit bleiben, ehe sie die Rückreise antreten. Die gesamte Mondreise beträgt nämlich 122 Tage.

    Allerdings hat die Mondreise mit dem Projektnamen SIRIUS-19 einen Haken: Denn das internationale Projekt, an dem Roskosmos, NASA sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die französische Raumfahrtagentur CNES mitwirken, findet auf der Erde statt, genauer: im Institut für Biomedizinische Probleme in Moskau. Derzeit befinden sich die Reisenden in einer großen „Tonne“, die die Raumkapsel simulieren soll, und werden in zehn Tagen an einem nahen Gebäudekomplex andocken, der für die Mondstation steht.

    • Die Mondstation als Computermodell
      Die Mondstation als Computermodell
      © Foto : DLR
    • Ein Teil der Moskauer Mondstation
      Ein Teil der Moskauer Mondstation
      © Foto : DLR
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    © Foto : DLR
    Die Mondstation als Computermodell

    Es geht bei dem Projekt darum, eine künftige Reise zum Mond sowie den Aufenthalt auf diesem zu simulieren und in insgesamt 70 Experimenten zu eruieren, welche Gefahren die Kosmonauten erwarten können und wie mit ihnen am besten umgegangen werden kann.

    Deutsche Astronauten sind zwar nicht an Bord, aber das DLR hat sechs Experimente beigesteuert, denen die vier russischen und zwei US-amerikanischen Astronauten sich unterziehen werden. „Wir haben Experimente aus verschiedenen Bereichen dabei, zum Beispiel aus dem Bereich der Mikrobiologie, zum Thema Schlaf, zum Thema Sport und Psychologie und zum Lernverhalten und auch zum Behalten des Gelernten“, sagt Christian Rogon, DLR-Projektleiter bei SIRIUS-19, gegenüber Sputnik.

    Bei dem Schlafexperiment gehe es etwa um die Frage, wie sich Schlafmenge, Schlafqualität, Schlafentzug und Risiko zueinander verhalten, ab wann ein Kosmonaut also aufhören sollte, verantwortungsvolle Arbeiten zu übernehmen, weil er für andere eine Gefahr darstellt, erläutert Rogon.

    „Beim Mikrobiologie-Experiment geht es um spezielle Oberflächen aus verändertem Silber, die eine bestimmte Struktur bekommen“, skizziert der Projektleiter ein weiteres Experiment. „Und da wollen die Forscher aus Berlin überprüfen, ob damit die Verunreinigung mit Bakterien und Pilzen in Raumschiffen reduziert werden kann – und womöglich auch bei uns auf der Erde. Denn auf der Raumstation ist es ein sehr großes Problem, dass die Oberflächen stark mit Pilzen und Bakterien verseucht sind und das ist auch ein Gesundheitsrisiko für die Kosmonauten und Astronauten.“

    Die „Versuchskaninchen“ von SIRIUS-19
    © Sputnik / Ilya Pitalyow
    Die „Versuchskaninchen“ von SIRIUS-19

    Diese Experimente sind keine losgelösten Spielereien von Weltraumnationen, sondern haben einen klaren Bezug zu den angekündigten Plänen, die Reise zum Mond wieder anzutreten und diesmal auch auf längere Sicht dort zu bleiben. „Wichtig ist, dass wir, bevor wir Leute wieder auf den Mond schicken, sicher sein können, dass sie auch wieder gesund zurückkommen. Dafür müssen wir genau wissen, wie wir die Crew nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch gesund halten können und wie dann das Zusammenspiel der Crew optimal laufen kann, damit keine Gefährdungen für die Crew entstehen“, erklärt Rogon den Nutzen der aktuell laufenden Simulation.

    Interviewpartner Christian Rogon
    © Foto : DLR
    Interviewpartner Christian Rogon

    Auf solch eine Weise kann nicht nur der Mond, sondern theoretisch jeder Himmelskörper auf der Erde simuliert werden. 2011 etwa hatte ein virtueller Flug von Moskau zum Mars stattgefunden. Da aber das nächste Ziel der Mond sei, fokussiere man sich zunächst auf den Mond. Aber: „Das nächste Ziel könnte der Mars sein“, so Rogon.

    Das Interview mit Christian Rogon in voller Länge:

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    Tags:
    Weltraum, Weltraumforschung, Start, Simulation, Flug, Roskosmos, NASA, Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), DLR, Mond, Europa, USA, Deutschland, Russland