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    WLAN-Allergie: Existiert sie tatsächlich?

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    Knapp 1,5 Prozent der Bevölkerung fühlen sich nicht wohl bei der Nutzung von Smartphones, drahtlosem Internet (WLAN) oder beim Aufenthalt in der Nähe von Sendemasten. Einige verzichten sogar auf Gadgets und ziehen in Gegenden ohne Netzabdeckung. Diese Fälle werden untersucht, bislang aber nicht als Erkrankung eingestuft.

    2015 erstritt die 39-jährige Französin Marine Richard vor Gericht Arbeitslosenhilfe wegen zeitweiliger Behinderung, die durch elektromagnetische Hypersensibilität verursacht wurde. Darunter versteht man verschiedene schmerzhafte Symptome wie Allergie gegen Strahlungen von Gadgets, Fernleitungen und anderen Funkquellen. Die Frau klagte über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Ermüdung, Übelkeit und Herzrasen.

    Schäden durch Strahlung

    Eltern eines Jugendlichen aus Kanada zufolge sorgte das WLAN in der Schule für Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Übelkeit bei ihrem Kind. Sie forderten die Abschaltung des drahtlosen Internets. Im Sommer wurde ihre Klage von einem Gericht zurückgewiesen, wobei keine Beweise entdeckt wurden, dass die Symptome auf elektromagnetische Strahlung zurückzuführen sind.

    Elektromagnetische Hypersensibilität wurde erstmals in wissenschaftlichen Quellen Mitte des 20. Jahrhunderts erwähnt. 2004 führte die Weltgesundheitsorganisation WHO ein Seminar zu diesem Problem durch. Obwohl die Symptome als real anerkannt wurden, wurde nicht bewiesen, dass sie durch elektromagnetische Strahlung und andere schwache Funkquellen ausgelöst wurden.

    Krankheit ohne Ursache

    Französische Experten kamen vor einem Jahr zu ähnlichen Schlüssen. Nach der Analyse der wissenschaftlichen Quellen und Konsultationen mit verschiedenen Experten kamen sie zum Schluss, dass keine glaubwürdigen Angaben zur Diagnostik von elektromagnetischer Hypersensibilität vorliegen. Allerdings wurde den Ärzten empfohlen, die Beschwerden der Patienten ernst zu nehmen.

    Die meisten Wissenschaftler, die sich mit Elektromagneten-Hypersensibilität befassen, sprechen vom Nocebo-Effekt. Wenn ein Mensch gefragt wird, ob er gesundheitliche Probleme in der Nähe eines Sendemastes hat, sucht er nach entsprechenden Symptomen und findet sie auch. Das Problem besteht darin, dass es keine objektiven Informationen über die Auswirkung der Geräte auf die Gesundheit gibt – die vorhandenen Angaben stammen aus einer Selbstbefragung der Bürger.

    Der Soziologe Maël Dieudonné vom Centre Max Weber (Frankreich) hatte 2016 vierzig Menschen befragt, wobei die Verbindung zwischen Nocebo und den Symptomen der elektromagnetischen Hypersensibilität analysiert wurde. Er kam zum Schluss, dass die gesundheitlichen Probleme vor der Befragung entstanden sind, allerdings sind Merkmale mit psychologischem Hintergrund erkennbar.

    Diese Menschen beschweren sich vor allem über Ermüdung, Kopfschmerzen, kognitive Schwierigkeiten, Gedächtnisprobleme, Schlaflosigkeit, Eruption, Schmerzen in verschiedenen Bereichen des Körpers. Oft leiden sie an Depression, Stress und Ängstlichkeit.

    Bei solchen Menschen sind auch andere Besonderheiten wie multiple chemische Sensibilität zu erkennen – dieser Zustand gilt ebenfalls nicht als Erkrankung.

    Vor einigen Tagen veröffentlichte der Wissenschaftler die Ergebnisse einer Studie, bei der mithilfe der Befragung von Patienten Symptome von elektromagnetischer Hypersensibilität mit der Schmerzerkrankung Fibromyalgie verglichen wurden. Es wurden Ähnlichkeiten festgestellt, doch unter den Fibromyalgie-Erkrankten wurden mehr psychische Störungen festgestellt.

    Wissenschaftler der Universität Umeå (Schweden) analysierten Angaben einer Befragung von rund 3500 Menschen. Symptome von elektromagnetischer Hypersensibilität wurden bei 91 Teilnehmern angegeben. Es handelte sich vorwiegend um Frauen im Alter von 40 bis 59 Jahren.

    Nur 18 Prozent hatten täglich schmerzhafte Symptome, 47,6 Prozent nicht mehr als einige Male pro Monat. Auf der anderen Seite leiden die Befragten nach eigenen Angaben seit vielen Jahren an „elektromagnetischer Hypersensibiltät“ und bemühen sich, Strahlungsquellen zu meiden. Nur vereinzelt griff man zu medizinischer Hilfe.

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    Tags:
    Nocebo, elektromagnetische Hypersensibilität, Kopfschmerzen, Symptome, Allergie, Beschwerde, WLAN, Strahlung, Gesundheit, Krankheit, Gadgets, Kanada