15:51 25 April 2019
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    So essen Sie richtig, um abzuspecken: Hormone bestimmen den Tagesablauf!

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    Wenn man weniger Kalorien zu sich nimmt, wird man nicht unbedingt abnehmen, behaupten Wissenschaftler. Man sollte auch auf die Essenszeiten, die Qualität des Essens und die Portionsgröße achten. Wie man richtig abnimmt, erklärt RIA Novosti in diesem Beitrag.

    Essen, wenn man aktiv ist

    Im Jahr 2017 haben US-amerikanische Forscher, die das Verhalten von Labormäusen zu verschiedenen Tageszeiten beobachteten, festgestellt, dass die Gesundheit und das Gewicht des jeweiligen Tieres davon abhingen, wann sie fraßen. So waren die Mäuse, die in der Nacht fraßen, im Allgemeinen leichter und fühlten sich besser als die Tiere, die am Tag ihre Nahrung zu sich nahmen und beim Fressen gar nicht eingeschränkt wurden.

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    Dank eines automatisierten Ernährungssystems konnten die Wissenschaftler nicht nur die Portionsgröße und die Zahl der Mahlzeiten kontrollieren, sondern auch die physischen Aktivitäten der Tiere. Zudem wurden bei ihnen ständig die Glukosewerte, die Magen- und Lebergröße sowie die Fettdicke gemessen.

    Es stellte sich heraus, dass die Mäuse besonders schnell und mit geringstem Gesundheitsschaden abnahmen, wenn sie in der Nacht ernährt wurden und wenn die Portionen um etwa 30 Prozent kleiner waren. Und die Tiere, die am Tage genauso viel fraßen, waren im Durchschnitt schwerer. Mehr noch: Wenn ihre Kalorien eingeschränkt wurden, blieb ihr Gewicht trotzdem größer als bei den Tieren, die in der Nacht gefüttert wurden.

    Labormäuse sind Nachttiere, die eben in der Nacht aktiv sind, und die Forscher vermuteten, dass ihre Ernährung in der Nacht ihrem 24-Stunden-Rhythmus entsprechen würde. Und dieser Rhythmus war wichtiger für die Gesundheit der Mäuse, als die Portionsgröße bzw. Kalorienmenge.

    Die Leiterin des Zentrums „Gesunde Sporternährung“ beim Föderalen Ernährungsforschungszentrum, Jekaterina Burljajewa, ist der Auffassung, dass diese Schlussfolgerungen auch für Menschen gelten. „Für das Gewicht ist nicht nur die Qualität der Lebensmittel, sondern auch der Zeitpunkt der Essensaufnahme wichtig. Ein normaler Mensch ohne schwere Krankheiten sollte fünf Mal am Tag essen – drei größere Mahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten“, so die Expertin. „Wann man am besten essen sollte? Natürlich kommt das auf den Lebensstil an. Wer in der Nachtschicht arbeitet, sollte am Tage lieber nicht essen. Dann sollte man in der Nacht essen und die Kalorien dabei gleichmäßig verteilen. Aber die meisten Menschen haben einen bestimmten 24-Stunden-Rhythmus, der der Tageszeit entspricht. Also sind die Menschen vor allem am Tage aktiv, und ihr Hormonsystem ist entsprechend eingestellt. Deshalb verbrauchen sie die Kalorien vor allem am Tage.“

    Pünktlich essen

    Auch Forscher von der Universität Alabama in Birmingham (USA) empfehlen, sich nach dem 24-Stunden-Rhythmus zu richten. Sie haben acht Freiwillige mit diversen Stoffwechselstörungen fünf Wochen lang nach folgendem Schema ernährt: Frühstück zwischen 06.30 und 08.30 Uhr, Mittagessen um 12.00 Uhr, Abendessen um 15.00 Uhr. Diese Diät hatte die Aufgabe, die Ernährung mit den „biologischen Uhren“ der Menschen zu synchronisieren, und sollte dementsprechend ihre Gesundheit positiv beeinflussen.

    Den Forschern zufolge sollte frühes Frühstück den Stress beeinträchtigen, der seinen Höhepunkt gegen 08.00 Uhr erreicht (jedenfalls wenn man den Cortisol-Spiegel misst). Das Niveau des Serotonins, das für die gute Laune zuständig ist, und des Adrenalins wird gegen 12.00 Uhr höher, und die Wechselprozesse im Organismus werden intensiver. Man wird hungrig, und deshalb ist Mittag die beste Zeit für das Mittagessen.

    Am Nachmittag wird der Cortisol-Spiegel allmählich geringer, der Metabolismus verlangsamt sich, und man verspürt Müdigkeit. Deshalb sollte man spätestens um 15.00 Uhr zum dritten und letzten Mal essen. Am Abend verwandelt sich das Serotonin in Melatonin – das Nachthormon. Der Zuckerspiegel wird niedriger – der Organismus bereitet sich auf den Schlaf vor.

    Ein spätes Abendessen kann die hormonellen Aktivitäten stören, indem es ihnen ein falsches Signal sendet, dass es noch Tageszeit wäre. Deshalb haben viele Menschen Schlaflosigkeit, Übergewicht und Probleme mit Metabolismus.

    Die erste Phase des Experiments bestätigte die Vermutungen der Forscher: Die Freiwilligen fühlten sich im Allgemeinen besser, ihr Blutdruck wurde niedriger und ihre Stoffwechselprozesse normalisierten sich. Als sie in der zweiten Experimentphase zu ihren normalen Essenszeiten zurückkehrten und gegen 22.00 Uhr zu Abend aßen, bekamen sie wieder Probleme mit dem Stoffwechsel. 

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    Nach Auffassung von Jekaterina Burljajewa hat die Diät mit einem frühen Abendessen einen kurzfristigen Effekt, denn viel zu große Pausen zwischen den Mahlzeiten führen zu einer Verlangsamung der Stoffwechselprozesse – und das Gewicht wird mit der Zeit wieder wachsen. Der Expertin zufolge ist es wichtig, fünf Mal am Tag zu essen, wobei die Pausen zwischen den Mahlzeiten höchstens drei Stunden dauern sollten. In dieser Zeit wird man einfach nicht hungrig – und isst deshalb weniger. Und wer hungrig ist, wird mehr essen – und schnell zunehmen.

    Außerdem wird wegen längerer Pausen zwischen den Mahlzeiten nicht nur die Fett-, sondern auch die Muskelmasse größer. Nach solchen Experimenten werden Menschen oft noch dicker als zuvor. Eine solche Diät passe für Menschen, die gegen 19.00 oder 20.00 Uhr ins Bett gehen. „Aber wenn Sie gegen 23.00 Uhr oder 00.00 Uhr schlafen gehen, wird es Ihnen an Ressourcen für physische und mentale Aktivitäten mangeln. Das könnte negative Folgen für Ihre Gesundheit haben. Ernährungsexperten empfehlen, drei oder vier Stunden vor dem Schlaf zu essen“, unterstrich die Ärztin.

    Mahlzeit in der Nacht

    Es wäre auch falsch, unmittelbar vor dem Schlaf zu essen. Laut einer Studie von Experten des Globalen Instituts für Gesundheit in Barcelona erhöht diese Gewohnheit das Risiko von Brust- und Prostatakrebs.

    Experten haben 621 Patienten mit Prostatakrebs und 1205 Patientinnen mit Brustkrebs untersucht und zudem mehr als 2000 Menschen ohne Krebserkrankungen über ihren Schlafmodus befragt. Es stellte sich dabei heraus, dass bei den Menschen, die spätestens zwei Stunden vor dem Schlaf essen, das Brustkrebsrisiko um 16 Prozent geringer und das Prostatakrebsrisiko um 26 Prozent geringer war.

    Die Forscher führen Krebserkrankungen der Milch- und der Vorsteherdrüse auf die Aktivitäten verschiedener Hormone zurück, deren Schwankungen vom 24-Stunden-Rhythmus des Organismus abhängen. Späte Mahlzeiten stören diesen Rhythmus und könnten Krebs auslösen, finden die Wissenschaftler.

    Außerdem können späte Mahlzeiten negative Folgen für das Gehirn haben, behaupten Genetiker von der University of California. Sie haben zwei Wochen lang eine Gruppe von Mäusen zwischen 21.00 und 03.00 Uhr ernährt und die zweite Gruppe zwischen 09.00 und 15.00 Uhr. In beiden Fällen bekamen die Tiere dieselbe Kalorienzahl und konnten dieselbe Zeit lang schlafen. Aber bei den „Nachtfressern“ wurden Störungen bei der Verarbeitung einiger Proteine entdeckt, die unter anderem für das Gedächtnis und für die Lernfähigkeit verantwortlich waren.

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    Magen, Organismus, Kalorien, Gesundheit, Hormone, Forschung, Essen, Jekaterina Burljajewa, USA