11:09 21 April 2019
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    Schlaflosigkeit (Symbolbild)

    Nächtliche Qual: Was gegen Schlaflosigkeit hilft

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    Etwa ein Drittel der Menschheit leidet unter Schlafproblemen. In der Regel handelt es sich um gewöhnliche Schlaflosigkeit. Experten zufolge kann ein ständig unregelmäßiger Schlafrhythmus jedoch zu Herz- und Kreislauf- sowie neurodegenerativen Erkrankungen führen.

    Wie man für einen gesunden und erholsamen Nachtschlaf sorgen kann, erklärt Sputnik in diesem Beitrag.

    Schlafmangel schadet der DNA

    „Schlaflosigkeit ist eine der meistverbreiteten Schlafkrankheiten. Die scharfe Form, dass man angesichts von Stress (egal ob von ‚gutem‘ oder ‚schlechtem‘) nicht normal schlafen kann, kommt bei 100 Prozent der Menschen vor“, sagte der Leiter des Zentrums für Schlafmedizin bei der Moskauer Universität „Michail Lomonossow“ und Experte des Europäischen Schlafforscherverbandes, Alexander Kalinkin. „Unter chronischer Schlaflosigkeit, die länger als drei Monate dauert, leiden zwischen 15 und 30 Prozent der Weltbevölkerung. Laut Prognosen wird diese Zahl nur noch steigen.“ Der Wissenschaftler stellte darüber hinaus fest, dass immer jüngere Menschen mit Schlafproblemen konfrontiert werden. „Wir führten vor kurzem eine Studie durch und stellten erschrocken fest, dass 41 Prozent der Russen im Alter von 20 bis 30 Jahren an Tagesmüdigkeit leiden. Üblicherweise ist das entweder mit Schlafmangel oder mit chronischer Schlaflosigkeit verbunden.“

    US-amerikanische Schlafforscher haben ihrerseits herausgefunden, dass es sich bei der Tagesmüdigkeit oft nicht nur um einen „Ausgleich“ für den Nachtschlafmangel handelt, sondern um funktionale Störungen des Gehirns. Eine Computertomographie ergab, dass bei Patienten mit Schlafproblemen die Gehirnbereiche, die für komplizierte kognitive Funktionen zuständig sind, relativ passiv funktionieren. Deshalb haben Menschen mit Schlafproblemen oft auch Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Außerdem können Schlafstörungen etliche andere Krankheiten verursachen.

    „Schlaflosigkeit ist praktisch für die ganze somatische und psychische Gesundheit schädlich“, betonte der Schlafmediziner. „Die wichtigste Funktion des Schlafes ist die Normalisierung sowohl des somatischen Zustandes als auch der psychischen Funktionen. Deshalb ist selbst ein einstündiger Schlafmangel schädlich für den Menschen. Veränderungen werden auf genetischer Ebene zu sehen sein. Die Aktivität der Gene verändert sich – einige von ihnen werden unterdrückt, die anderen werden aktiver. Unter anderem geht es dabei um Gene, die mit der Entwicklung von Herz- und Kreislauferkrankungen, mit endokrinen Erkrankungen und mit der Immunität im Allgemeinen verbunden sind.“

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    „Schlafkiller“

    Niederländische Forscher haben die Angaben über 1,3 Millionen Menschen, von denen 30 Prozent Schlafstörungen hatten, analysiert und auf 202 Genomabschnitten 956 Gene entdeckt, die möglicherweise mit der Schlaflosigkeit verbunden waren. Von diesen Genen hängen die Regelung der lokomotorischen Aktivitäten und die Arbeit der Neuronen einiger Gehirnregionen ab, darunter Hypothalamus, Streifenhügel (Striatum) usw.

    Ein Teil dieser Gene sei mit der Entstehung diverser Erkrankungen verbunden, darunter von Diabetes des zweiten Typs und Depressionen, behaupten Forscher der University of California in San Diego. Dabei sei die genetische Dependenz der Schlafstörungen und Depressionen vor allem für Menschen europäischer Herkunft typisch.

    „Natürlich gibt es genetische Faktoren, die zur Entwicklung von Schlaflosigkeit beitragen. Aber es geht nicht nur um sie. Ärzte sprechen nie von nur einer Ursache von Schlafstörungen. Solche Ursachen gibt es Dutzende“, so Experte Kalinkin. „Denn die Schlaflosigkeit entwickelt sich erst mit der Zeit. Zum Beispiel schläft man an Werktagen zu wenig, um sich dann am Wochenende auszuschlafen. Dann schläft man am Sonntag spät ein, und am Montag muss man früh aufstehen. So kann eine nachhaltige Schlaflosigkeit entstehen.“ Zudem ließen sich Schlafprobleme oft auf den Konsum von koffeinhaltigen Produkten, Alkohol und Tabak zurückführen, ergänzte der Somnologe. Manchmal kämen auch soziale Faktoren hinzu: intensive Arbeit, Reisen zwischen verschiedenen Zeitzonen, überflüssige Beleuchtung (vor allem in Großstädten). „Helle Nachtbeleuchtung behindert die Produktion des Nachthormons Melatonin“, warnte Kalinkin.

    Tagesregime, Dunkelheit, Pyjama

    Melatonin ist das wichtigste Hormon, das von der Zirbeldrüse produziert wird, die das Gehirn mit Informationen über die Beleuchtung der Umgebung versorgt. Die Melatoninkonzentration schwankt im Laufe des Tages – am Tag ist sie gering, und in der Nacht erreicht sie ihren Höhepunkt. Eine helle Nachtbeleuchtung kann die Melatoninproduktion beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, sich im Schlaf in der Dunkelheit zu befinden.

    Generell müsse jeder Mensch, der sich um seine Gesundheit kümmere, auf seinen Schlaf aufpassen, so Kalinkin weiter. „Jeder muss seine eigene Norm kennen. Für einen erwachsenen Menschen sind sieben bis neun Stunden Schlaf täglich nötig. Die Norm muss die ganze Woche lang eingehalten werden, egal ob an Werk- oder an Ruhetagen. Das ist das erste Mittel gegen Schlaflosigkeit. Außerdem sollte man den Konsum von koffein- und alkoholhaltigen Produkten beschränken. Man sollte auch die physische Belastung in den Abendstunden reduzieren, die Beleuchtung dunkler machen. Für den Anfang reicht das schon.“ Sollte man sich trotzdem nicht normal ausschlafen, müsse man einen Arzt konsultieren.

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    Chronische Schlaflosigkeit könne heutzutage sogar ohne Schlafmedikamente auskuriert werden, teilte der Experte mit. Am besten sollten Menschen auf ihr Tagesregime achten und koffein- und alkoholhaltige Produkte vermeiden.

    Australische Schlafforscher finden sogar, dass die Schlafqualität durch die richtige Wahl des Schlafanzugs verbessert werden könnte. Auf dem Grünen Kontinent wurden im Rahmen eines Experiments 50 Menschen ausgesucht, die Pyjamas aus verschiedenen Stoffen anhatten. Und es stellte sich heraus, dass diejenigen von ihnen, die im Pyjama aus Wolle schliefen, um vier Minuten schneller einschliefen als diejenigen, die einen Schlafanzug aus Baumwolle anhatten.

    Schlaffördernder Kubus

    Russische Forscher haben ein Gerät gegen die Schlaflosigkeit entwickelt. Ein kleiner schwarzer Kubus mit zehn Zentimeter langen Kanten mit drei Spulen im Inneren, die mit Impulsstrom einer gewissen Frequenz versorgt werden. Dabei entsteht ein schwaches Elektromagnetfeld, das das menschliche Gehirn beeinflusst und dessen natürlichen 24-Stunden-Rhythmus regelt.

    In der Natur entstehen solche Elektromagnetfelder beim Zusammenwirken der irdischen Atmosphäre und der Sonne. Die Kennzahlen der elektromagnetischen Schwankungen zwischen der Erde und dem oberen Teil ihrer Atmosphäre verändern sich im Laufe des Tages. Der Organismus reagiert darauf ungefähr so wie auf die unterschiedliche Beleuchtung in der Tages- und Nachtzeit. Wenn die Amplitude der Schwankungen geringer wird, ist das ein Signal an den Organismus, dass es Zeit zum Schlafen ist.

    Der positive Einfluss schwacher Elektromagnetfelder wurde im vorigen Jahr experimentell bestätigt. 20 Freiwillige im Alter zwischen 20 und 30 Jahren haben zwölf Nächte ganz üblich geschlafen und weitere zwölf Nächte in der Nähe einer Quelle, die Magnetimpulse mit Frequenzen von zwei, vier, acht, 16, 20, 32 und 40 Hertz produzierte.

    Der Leiter des Labors für Neurobiologie des Schlafs am russischen Institut für höhere Nerventätigkeit, Wladimir Dorochow, erläuterte, dass Frequenzen zwischen zwei und 20 Hertz zum Einschlafen beitragen würden, während Frequenzen zwischen 20 und 40 Hertz den Schlaf störten.

    „Die Qualität meines Schlafes hat sich verbessert“, teilte er mit. Die Forschungen sollen nach seinen Worten demnächst fortgesetzt werden. Unter anderem solle die Effizienz des „Schlafkubus“ gegen Schlafstörungen klinisch getestet werden.

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    Tags:
    Probleme, Gedächtnis, Schlafstörungen, USA, Russland, Stress, DNA, Kreislaufsystem, Erkrankungen, Schlaf, Schlafmangel